Chicago

Chicago

Sonntag, 15.Oktober

Manche Tage sind am besten, wenn sie vorbei gehen….

  • Eigentlich startet der Tag nicht schlecht, wir schummeln uns in den frühesten Shuttle, der eigentlich schon ausgebucht ist (aber noch genug Platz hat) und haben so am Flughafen in aller Ruhe Zeit, unser Gepäck aufzugeben und rechtzeitig durch die lange Sicherheitskontrolle zum Gate zu kommen.
  • Unser Flug ist pünktlich und wir landen wie geplant in Chicago.
  • Dort geht der Schmarrn los: Hertz will uns kein Mietauto geben, da sie meine Karte nicht als Kreditkarte akzeptieren (was all die Male vorher problemlos funktioniert hat…), nachdem ich mehrere Male mit Hertz USA und dem ADAC (von dem aus wir das Mietauto gemietet haben) hin und her telefoniert habe, findet sich keine ad hoc Lösung, die Hertz akzeptiert und daher sind wir „stuck in Chicago“ – gut, es gibt vielleicht Schlimmeres als in Chicago stuck zu sein, aber ein guter Start für den Route 66 Trip ist es nicht gerade.
  • Noch dazu versäumen wir wegen der ganzen Mietauto-Aufregung die Wachstumsrunde, was uns ein bisschen traurig macht.
  • Wir beschließen, dass wir ein schönes Hotel zum Erholen brauchen und buchen ein Zimmer im Hampton Inn & Suites, das zur Hilton Kette gehört, und das ich schon kenne, weil wir hier bei der Chicago Konferenz letztes Jahr übernachtet haben.
  • Es ist immer noch so schön, wie ich es in Erinnerung habe, Frühstück ist inkludiert, was entspannt ist, und unser Zimmer ist schon ready, als wir endlich eintreffen, was genau das ist, was wir brauchen.
  • Wir ziehen uns also ins Zimmer zurück und tun erst einmal nichts, bevor wir hin und her überlegen, wie wir das Route 66 Dilemma lösen.
  • Wir finden einen halbwegs günstigen Mietwagen drei Tage später und beschließen, dass uns die drei Tage Chicago erstens ganz gut tun als Erholung und zweitens Chicago eine super schöne Stadt ist, in der man durchaus Zeit verbringen kann.
  • Zu meiner Freude und zur Rettung des Tages finden wir ein voll nettes und sehr schön eingerichtetes Ramen-Lokal gleich um die Ecke, wo wir endlich einmal wieder etwas anderes als Amerikanisch essen – es ist super lecker, obwohl die Portionen in riesigen Schüsseln kommen – sich das Lokal also ein bisschen an die hiesigen Bedingungen angepasst zu haben scheint.

Montag, 16.Oktober

Der Fisch und drunk Shakespeare

  • Beim Frühstück treffen wir ein japanisches Paar, er ist 78, sie 77, und die beiden sind seit 54 Jahren verheiratet.
  • Die beiden sind ähnlich reisefreudig wie wir und faszinierenderweise mit ihren knapp 80 Jahren immer noch fix unterwegs: Sie reisen zwei Monate lang durch die USA und Kanada, besuchen zahlreiche Freunde (in LA, Toronto, Dalles, etc.) und verbringen jetzt wie wir drei Tage in Chicago.
  • Wir kommen ins Gespräch, weil sie und ich uns gemeinsam fragen: Regnet es eigentlich? Und als wir eine Frau mit Regenschirm herumrennen sehen, zeigt sie auf die Dame und meint zu mir: „Ooh, nooo, it is raining, look!“ und dank unbeschreibbarer und nur situativer Tragik-Komik müssen wir gemeinsam darüber lachen – es ist wirklich schwer in Worte zu fassen, aber solche Momente bauen irgendwie eine seltsame Art der Bindung auf – genauso wie natürlich der Fakt, dass wir alle vier schon länger in einem Land unterwegs sind, in dem doch viele Dinge anders laufen als wie wir es von daheim kennen.
  • Sie meinen, dass – auch wenn man es meistens romantisch betrachtet und ja nur Fotos macht und erzählt von den Momenten, in denen es schön ist – das ganze Herumreisen auch durchaus ermüdend ist und gerade nach dem gestrigem Tag können wir da nur vollen Herzens zustimmen.
  • Gleich nach dem Frühstück starten wir los zum Robie Haus, für das wir tatsächlich Tickets ergattert haben.
  • Dazu fahren wir mit der Metro in Richtung Süden und wie schon letztes Jahr, als wir hier für die Konferenz waren, fällt mir auf, dass spätestens ab der 33rd Street aber eigentlich schon ab Jackson die Leute in der Metro überwiegend schwarz sind, bis man dann von der Metro Station Richtung See (Osten) geht und auf einmal in die Universitätsgegend kommt, wo sich lauter (überwiegend weiße) Studenten aufhalten.
  • Das Robie Haus wurde 1908 von Frank Lloyd Wright gebaut und hat maßgeblich zur Prägung des Prairie Stils beigetragen – im Auftrag gegeben wurde es von Robie Junior, dessen Vater eine große Firma betrieb, die scheinbar viel Geld abwarf – was sich als Irrtum herausstellte, als der Vater starb und ein Haufen Schulden ans Tageslicht befördert wurden – weshalb die Robie Junior Familie ihr Traumhaus nicht sehr lange selbst bewohnte, bevor sie sich gezwungen sahen, es weiterzuverkaufen.
  • Das Haus selbst ist fast schon unscheinbar von außen und ein Merkmal des Prairie Stils ist die langgezogene, rechteckige und gleichzeitig sehr flache Form, die von der Reihe an durchlaufenden Fenstern unterstrichen wird.
  • Offenbar hat niemand die Robies, die aus dem Süden hierher gezogen sind, gewarnt, dass es im Winter frieren kann – weshalb nach dem ersten Winter und dem versäumten Wasserabdrehen sämtliche Wasserleitungen für die Blumenbewässerung kaputt waren.
  • Fast noch faszinierender, als das Haus von innen zu sehen, ist es übrigens, unseren Guide dabei zuzusehen, wie er total enthusiastisch das Haus und seine Geschichte zum Leben erweckt – er macht diese Führung seit 30 Jahren und ist ein echter Robie Haus Fan!
  • Nachher machen wir noch die Tour zu umliegenden Gebäuden, die uns auch über einen kleinen Teil des Campus der University of Chicago führt und vorbei an Villen, in denen Direktoren etc. wohnten/ wohnen.
  • Wir spazieren noch zum Plein Air Cafe, wo ich auch mit Simon und Iordanis vor einem Jahr gebruncht habe und bei dem es gleich nebenan ein Buchgeschäft gibt, das allerdings eher auf Universitätsbücher spezialisiert ist.
  • Mit dem Bus geht es retour nach Downtown Chicago, wo wir einen Spaziergang durch das Stadtviertel „The Loop“ machen, durch das der berühmte eiserne Loop der Metro führt.
  • In dem Viertel sind viele Theater, Restaurants, Geschäfte, der Willis Tower und einige Kunstwerke, darunter eines von Picasso.
  • Außerdem schauen wir in die eindrückliche, auch von Wright entworfene Art Deko Halle eines Hochhauses hinein.
  • Wir kommen auch vorbei am „Art Institute of Chicago“, das direkt am Millenium Park am See liegt, in dem sich auch die Bean, die zurzeit abgesperrt ist, und der berühmte Fisch befinden.
  • Der Fisch ist eigentlich nicht ein Fisch, sondern eine Open Air Konzert Venue, in der im Sommer regelmäßig klassische Konzerte stattfinden und die gebaut wurde vom berühmten Architekten Frank Gehry, der – wie es in meinem Reiseführer stand – zu der Form inspiriert wurde von einem Gericht, das seine Großmutter gerne kochte, eine Art filetierter Fisch.
  • Dann geht es auf zum besten Teil des Tages: Wir haben Karten für eine Vorstellung von Drunk Shakespeare (die ich jetzt schon zum dritten Mal besuche, ich bin ein echter Fan) – dabei führen fünf SchauspielerInnen gemeinsam ein Shakespeare-Stück auf, wobei eine von ihnen zu Beginn mehrere Shots und hie und da noch einen Nachhilfeshot trinkt und das Ganze mit Humor und mit etwas Spontaneität in den Texten gehandhabt wird – so eine Art Shakespeare-Improvisation mit Comedy – es ist sehr lustig und wir haben auch als Publikum Spaß, vor allem weil man immer wieder auch mit eingebunden wird oder mitspricht – ein bisschen wie bei der Rocky Horror Picture Show.

Dienstag, 17.Oktober

Ein conservatory Zoo…

  • Beim Frühstück: Zwei Mütter mit jeweils einem Kind diskutieren, was sie heute machen sollen (so lautstark, dass ich einfach zuhören muss) – die eine möchte in den Lincoln Zoo, ein Kind plärrt: „Noo, Science Museum“, die andere fragt nach: Was ist so besonders am Zoo? Schaut nach, meint, „It’s conservatory“, Schweigen, dann ein Kind: “Mum, what‘s conservatory?”, Mum: “Mmh, ooh, it‘s hard to explain in words…”
  • Wir chillen eine Weile im Zimmer, bevor wir uns wieder aufmachen Richtung Süden und unser erstes Ziel ist…. Dadada… ein Café =) Yeah!
  • Dort trinken wir gemütlich Kaffee und Tee, bevor wir zum Ufer des Lake Michigan spazieren zum Observatory, dem Planetarium Chicagos.
  • Leider hat dieses heute geschlossen, was kein Problem ist, da das Wetter ohnehin zu schön ist, um den Tag drinnen zu verbringen (sagte sie und trank zwei Stunden lang Kaffee drinnen…).
  • Wir spazieren am wunderschönem Ufer des Lake Michigan mit wirklich schön ausgebautem Fußweg zurück, wobei wir die ganze Zeit einen wunderschönen Blick auf Chicago Downtown haben, das sich sehr prägnant vom strahlend blauem Himmel abhebt.
  • Dort ist es auch schon Zeit uns aufzumachen zum Musical „Hamilton“, für das wir Tickets haben und das im berühmten Nederlander Theater spielt.
  • Das Theater an sich ist sehr sehenswert, das Musical weniger.
  • Trotzdem ein insgesamt wieder super schön zurück zu sein, in der lebendigen Stadt mit Charakter!
  • Das wars mit Chicago, morgen starten wir von hier aus auf die Route 66, mehr dazu im nächsten Blogeintrag.

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