
Route 66 – Abschnitt 2
von Lebanon, Missouri bis Claremore, Oklahoma
Freitag, 20.September
Drive-in Theatre
Lebanon, Missouri – Carthage, Missouri (570 Meilen/ 912 km)

- Unser erster Stopp ist in Lebanon selbst ein Route 66 Museum und zwar ein ganz typisches, von denen es einige entlang der Route gibt: Es ist ein wildes Sammelsurium von Dingen, die die Menschen so im Laufe der Jahre angesammelt haben und die irgendwie etwas mit der legendären Straße zu tun haben.




- Die erste (und letzte) erwähnenswerte „Stadt“ auf dem Weg heute ist Springfield, Missouri, das auf den ersten Blick sehr seltsam und ausgestorben wirkt.
- Als wir weiter hineinfahren, stellt es sich allerdings als überraschend schön heraus.
- In seinem Herzen liegt das Gillioz Theater, das ursprünglich am 12.Oktober 1926 eröffnet wurde – einen Tag nachdem die Route 66 ihren Namen bekam.

- Ansonsten ist die Strecke heute sehr, sehr malerisch und wieder einmal kommt richtiges Roadtrip Feeling auf, als wir zur „Route 66“-Playlist mit offenen Fenstern durch die Landschaft cruisen.


- Wir sehen Kühe am und im Wasser.
- Einen Amtrak Zug, der unsere Straße über eine Brücke quert und

- eine Dino-Tankstelle mit Dino.
- Außerdem haben wir heute das Glück, einige richtig historische Abschnitte der Route 66 zu fahren.
- Zum Beispiel überqueren wir kurz vor dem Ort Spencer eine alte Brücke.





- In Spencer selbst sehen wir eine ehemalige Auto-Garage mit Tankstelle.


- Kurz später finden wir einen urigen kleinen Supermarkt, wie man ihn sonst nie sieht in den USA, am Straßenrand und da ich eine unnatürliche Lust auf Essiggurken habe (nein, ich bin nicht schwanger), kaufen wir ein riesiges Glas und ich mampf gleich schon die Hälfte davon auf, njam – davon schicken wir gleich auch ein Foto und einen Gruß an meine Family, da meine Brüder genauso Essiggurkenfans sind und es mich an unsere Radtour erinnert, bei der wir auch so einen Moment hatten.

- Schließlich erreichen wir Carthage, wo wir heute einen Stopp einlegen, da hier eines der noch offenen Drive-in Theatres entlang der Route 66 ist und dort zu unserem Glück heute Programm ist.
- Das ist übrigens ein wirkliches Glück, denn erstens sind von den einst ungefähr 40 Drive-in Theatres, die sich entlang der Route 66 befanden, nur noch 5 offen und zweitens zeigen diese nur an manchen Abenden Programm.
- Apropos: Wer auf der Route 66 unterwegs ist und eine Liste von allen Drive-in Theatres sucht, wir haben gefunden, dass diese hier, auch wenn sie ein bisschen sketchy ausschaut, am akkuratesten und vollständigsten ist.

- Drive-in Theatres wurden von Richard Hollingshead Jr. „erfunden“: Er installierte einfach einen Projektor auf der Motorhaube seines Autos und projezierte einen Film auf eine Leinwand, die er an Bäumen in seiner Einfahrt befestigte. Der Sound kam dabei aus einem Radio, das er hinter der Leinwand montierte.
- In 1933 eröffnete er das erste kommerzielle Drive-in Theatre, in das ca. 400 Autos passten und der Sound kam damals aus drei Lautsprechern, die neben dem Bildschirm installiert waren.
- Später wurden Drive-in Theatres immer beliebter und die Soundsysteme immer ausgefeilter, wobei am Ende die Idee gewann, die Autolautsprecher selbst zu verwenden und den Sound in einer bestimmten Radiofrequenz zu senden, sodass alle Besucher ihren Sound selbst durch das Autoradio hören konnten. Das Problem mit dieser Idee: Die Autobatterien waren regelmäßig leer und Starterkabel gehörten schnell zur Standardausrüstung eines jeden Drive-in Theatres.

- Davor haben wir auch ein bisschen Angst (das historische Drive-in Theatre in Carthage verwendet den Autoradio-Sound-Ansatz), darum befolgen wir den Tipp, den wir auf einem „How to Drive-in Theatre“ Blog finden und organisieren Batterien für unser Hotel-Radio, um das dann als unsere persönliche Sound Anlage zu nutzen – was super funktioniert im Übrigen!
- Den Tipp „Nehmt eine Matratze mit und macht es euch hinten auf eurem Pick-up Truck gemütlich“ können wir leider nicht befolgen, da wir erstens keinen Pick-up Truck haben und es uns zweitens ein bisschen drastisch vorkommt, einfach mit der Matratze aus dem Hotel zu marschieren (à la „Ham nur gschaut!“).
- Wie auch immer, voller Vorfreude machen wir uns auf mit unserem fetten SUV zum Drive-in Theatre.
- Dort bezahlen wir erst einmal den lächerlich niedrigen Eintrittspreis (7$ pP), um den man übrigens nicht nur einen, sondern gleich zwei Filme zu sehen bekommt.
- Dann suchen wir uns gemütlich einen Platz aus, wobei wir einen super Platz finden, da heute eh nicht viel los ist und noch massig Platz frei ist.

- Als nächstes machen wir uns tatkräftig daran, den Tipp „Unterstütz die Drive-in Theatres, indem ihr Snacks und Drinks in ihren Shops kauft“ zu befolgen, was schwierig ist, da die Snacks und Drinks auch zu lächerlich niedrigen Preisen verkauft werden (1$ für ein Hot Dog, 2$ für einen Soft Drink, 5$ für einen Kübel (!) Popcorn) und wir nur eine gewisse Menge an Popcorn, Hot Dogs und Drinks konsumieren können.
- Mit all unseren Snacks machen wir es uns dann in unserem Auto gemütlich, stellen Beifahrer- und Fahrersitz so weit nach hinten wie möglich und sind doch ganz froh über unseren SUV, bei dem man die Türen zu machen kann, da es gar nicht so warm ist draußen – da beneiden wir die mit ca. fünf Schichten und drei Decken auf den Pick-up Trucks sitzenden Leute gar nicht soo sehr.


- Los geht es: Der erste Film ist angeblich ein Kinderfilm „Hocus Pocus“ (es ist ja schließlich fast Halloween), ich schreibe „angeblich“, da der Film recht brutal mit dem Mord an einem Kind, durchgeführt von drei Hexen, startet – dann wird er etwas harmloser (immer noch recht spooky), aber in Anbetracht des Alters mancher Kinder, die hier herumrennen (es gibt auch einen Spielplatz) kommt es mir doch bissi wild vor.



- Nach dem Film gibt es eine Viertelstunde Pause, in der richtig lustig Werbung für den Shop vor Ort gemacht wird, bei dem wir uns natürlich auch noch mit mehr Hot Dogs und Getränken eindecken, bevor es weiter geht mit „A Haunting in Venice“, einem Poirot Film, der anscheinend recht neu ist und schon gruselig (ein Understatement, meint Matthäus, nachdem ich alle zwei Minuten zu ihm gesagt habe „Ich werd heut nicht schlafen können!“), aber auch sehr sehenswert.


- Es ist schon richtig spät, als wir müde ins Bett fallen – aber davor hat uns der Blog auch gewarnt „Plan enough time for a Drive-in Movie night“ und das war es total wert! Mega!

Samstag, 21.September
Unser kurzer Abstecher nach Kansas und ein toller Fund
Carthage, Missouri – Claremore, Oklahoma (690 Meilen/ 1104 km)

- Matthäus hatte einen prophetischen Traum: Er hat geträumt, dass wir uns ständig verfahren und ewig brauchen – und tatsächlich: Wir verfahren uns heute einige Male…
- Es findet ein Farmers Market in Carthage statt, den wir allerdings links liegen lassen und stattdessen machen wir uns auf die malerische Strecke nach Joplin auf, wo es schöne Murals (Wand-Graffitis) gibt.


- Kurz nach Joplin überqueren wir die Staatslinie nach Kansas, ciao Missouri!
- Gerade einmal 13 Meilen der Route 66 (weniger als 1%) verlaufen durch Kansas und trotzdem sieht man auf diesen 13 Meilen sehr viel und der Staat tut sein Bestes, das kurze Stück Straße zu promoten und erhalten.




- Im Nelsons Old Riverton Store aus dem Jahr 1925 machen wir unsere Mittagspause und essen ihre köstlichen Sandwiches in ihrem einladendem Patio sitzend.
- Der Store hat wirklich noch einige Elemente aus dem Baujahr erhalten und ist daher schon eine Sehenswürdigkeit an sich.


- Weiter geht es über noch mehr malerische Straßen zur Marsh Arch Bridge aus dem Jahr 1923, über die man ausnahmsweise auch einmal drüber fahren darf – zu unserer Überraschung.
- Kurz darauf erreichen wir die Oklahoma Staatsgrenze, ein Staat, in dem wir uns jetzt längere Zeit aufhalten werden.
- Kurz nach der Staatsgrenze machen wir einen tollen Fund: Das Coleman Theater in Miami (ausgesprochen: Mei-am-ma), im Jahr 1929 im Art-Deco Stil gebaut.

- Dieses wurde gemeinschaftlich durch Spenden und tatkräftige Unterstützung der Einwohner von Miami liebevoll renoviert – und darum können wir es nun in seiner vollen Pracht bewundern.
- Wir haben mega Glück, denn als wir ankommen, startet gerade die letzte Führung und unser Guide plus das ältere Paar, das an der Führung teilnimmt, sind echt tolle Leute und wir unterhalten uns sehr gut.
- Der Guide erzählt uns von der Geschichte des Theaters und – noch viel spannender und unterhaltsamer – alle möglichen Anekdoten und Geschehnisse, die hier stattfanden.


- Natürlich spukt es hier, und die „blaue Lady“ soll man immer wieder bei Konzerten und Vorstellungen auf einem der Logenplätze zu Gesicht bekommen – vorausgesetzt, man glaubt an sie, natürlich.
- Das Theater ist im Louis XIV Stil gebaut, bodenhohe Spiegel und geschwungene übertriebene Sitzmöbel befinden sich überall – aber man muss sagen: es hat schon Stil.


- „This is the couch on which Bill Cosby had sex with Camille“, sagt unser Guide und deutet auf eine random Couch – ja sicher.
- Außerdem erzählt er uns davon, dass hier öfter sehr bekannte Künstler, Sänger, sonstwas eingeladen waren, die so gehypt waren, dass scharenweise junge Teenagerinnen eintrafen, um die „Celebreties“ mit eigenen Augen zu sehen und vielleicht sogar ein Autogramm zu erhaschen.





- Um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, ist dann regelmäßig eine der jungen Damen bewusstlos geworden (gefainted) und eigens dafür gibt es Sofas, auf denen die bewusstlose Dame von einem galanten Herren platziert wurde und dann unter ständigem Fächergewedel ihrer Mitstreiterinnen und unter den Blicken aller Anwesenden heroisch wieder zu sich kommen konnte.
- Witzigerweise findet heute eine Hochzeit statt und wir marschieren also in unserer total feinen Aufmachung (nicht) mitten durch den sehr schön hergerichteten Saal, in dem schon die ersten Gäste eintrudeln, um noch einen Blick auf den Dachboden, der voller Saaltechnik etc. ist, zu werfen.
- Nach ca. 2h geht die Führung zu Ende und wir quatschen noch eine Weile mit unserem Guide, der uns Übernachtungs-Empfehlungen gibt, die immer willkommen sind.

- Weiter geht es über richtig historische Abschnitte der Route 66, darunter sogar einige der ältesten Originalabschnitte – wow! – entgegenkommen darf einem dabei allerdings besser niemand und meist passt unser dicker SUV gerade so auf die Straße drauf.




- Teilweise ist die Straße überhaupt schon ganz weg und wir fahren dirt roads; eine Stelle, an der wir froh über unseren SUV mit seiner „Rock & Dirt“-Funktion sind.


- Wir erreichen den Ort Foyil, bekannt für seinen berühmtesten Einwohner, Andy Payne, der den 1928 „Bunion Derby“, einen Ultramarathon von der Ost- bis zur Westküste der USA gewann und zu dessen Ehren hier eine Statue errichtet wurde.

- Kurz darauf erreichen wir Claremore, wo wir in einem kleinen feinen Route 66 Motel unterkommen.







