
Route 66 – Abschnitt 5
von Holbrook, Arizona bis Santa Monica, Kalifornien
Donnerstag, 26.Oktober
Außerirdische Begegnungen, The Eagles und Cars
Holbrook, AZ – Seligman, AZ (1970 Meilen/ 3152 km)

- Um 7h wachen wir in unserem Tipi auf und sind dank Zeitverschiebung (2 Stunden, wegen Sommerzeit) gleich hellwach und ready to go.
- Los geht es durch den Route 66-besessenen Ort Holbrook, in dem an jeder Ecke Dinosaurierstatuen stehen, besonders vor einem Shop, dem Rock Shop, der diese aufgestellt hat, um den Shop attraktiver zu machen, was so gut funktioniert, dass wir extra vorbeifahren, weil wir die Dinosaurier sehen möchten (der Shop hat allerdings geschlossen).




- Nach einem schnellen Einkauf bei einer Art Walmart geht es auf Richtung Petrified Forest National Park, wobei wir auf ca. halber Strecke draufkommen: Wir haben vergessen zu tanken und nun zeigt die Tankanzeige, wir hätten noch „90 Miles remaining“ – klingt viel, geht aber besonders auf der Interstate, wie wir sie heute viel fahren, schneller weg, als man denkt.
- Nichtsdestotrotz fahren wir zum Parkeingang, zeigen unser Nationalparkticket, das sich wirklich ausgezahlt hat, und machen uns auf über die typische Straße, die einfach quer durch den Nationalpark führt und immer wieder Parkmöglichkeiten mit bestimmten Attraktionen bietet.
- Mittlerweile sind wir so auf Amerikanischen Nationalparktourismus getrimmt, dass wir sogar beginnen, Fotos einfach aus dem offenen Autofenster beim Parkplatz zu schießen und gar nicht mehr auszusteigen….
- Immerhin drehen wir zwei kurze Runden (also zu Fuß, nur, dass ihr mich nicht falsch versteht) durch Landschaften, in denen man versteinerte Bäume wie Sand am Meer herumliegen sieht, die aber trotzdem sehr beeindruckend sind.
- Es ist faszinierend, wie die Strukturen des Holzes genau erhalten sind, so dass die Baumstämme wie Holz ausschauen, bis man ihr Inneres sieht, das in allen möglichen marmorfarbenen Tönen glänzt.


- Wir lernen, dass die versteinerten Bäume hier folgendermaßen entstanden sind: Vor ca. 218 Millionen Jahren standen die Bäume an einem Flussbett. Umgefallene und durch Fluten mitgerissene Bäume kamen im Flussbett zu liegen und mit der Zeit wurden die Baumstämme durch Erosion – vor allem während Fluten – unter einer Schicht Schlamm und Sand begraben. Diese Schicht wirkte konservierend auf das Holz und erhielt somit die Stämme in ihrer ursprünglichen Form. Mineralhaltiges Wasser durchströmte immer wieder die Schicht und somit auch das Holz, welches die Mineralien einlagerte, die über Millionen von Jahren dann von Holz zu Stein wurden. Durch die Schlammschicht und den Konservierungsprozess nahmen dann die Mineralien genau die Form der Holzmaserung an, wodurch die Baumstämme immer noch so aussehen, als wären sie aus Holz.
- Ein auch sehr beeindruckender Abstecher führt uns vorbei an in allen möglichen Farben schimmernden Felsen, bei denen man sehr gut die verschiedenen Ablagerungsstufen sehen kann und die verschiedenen Mineralien zum Vorschein kommen.
- Wir sind begeistert, wie unterschiedlich die Nationalparks sind, die wir zu Gesicht bekommen.



- Hier befindet sich auch ein Route 66 Andenken: Ein altes Auto, das auf der Stelle, an der die Route einst verlief aufgestellt wurde.


- Nachdem wir in Holbrook abgefahren sind, um unseren Tank zu füllen, machen wir uns beruhigt auf weiter über die Interstate zum nächsten Stopp, Winslow.
- Am Weg dorthin passieren wir einige alte, verlassene Trading Posts und stoßen schon wieder auf „Road closed“ Schilder und Dead ends.





- Dank dem Hit „Take it easy“ von den Eagles im Jahr 1972 und der Zeile „Well, I’m a standing on a corner in Winslow, Arizona“ wurde Winslow vielleicht nicht gerade weltberühmt, aber „USA“-berühmt sozusagen und zieht einige amerikanische Touristen an, die begeistert Fotos mit der „Standing at the Corner“ Statue schießen.
- Dazu spielt es, um die richtige Stimmung zu erzeugen, den Song laut aus Lautsprechern des gegenüberliegenden Souvenir Shops, der natürlich nicht fehlen darf.
- Wir finden das Geschehen sehr spannend und beobachten das Ganze gemütlich Kaffee trinkend von der gegenüberliegenden Straßenseite aus.




- Die Straße führt nun durch ebenso schöne bergige und felsige Landschaft wie gestern, es ist toll und überall entlang der Straße finden sich Route 66 Schilder und Hinweise.






- Der Ort Geronimo ist fast wie die Höhlen schon meilenweit im Vorhinein angekündigt – ich weiß allerdings nicht, warum.





- Weiter geht es auf zum ebenso bekannten Meteoritenkrater, ein riesiger Krater, in den ein Meteorit eingeschlagen hat.
- Dieser ist wieder einmal schon groß neben der Interstate beworben und hat eine sehr gut ausgebaute Straße, die zum Visitor Center (und sonst nirgendwo hin) führt.




- Wir haben einfach einen Krater mitten in der Wüste erwartet, stattdessen finden wir ein riesiges Visitor Center, mit Museum, Film, Show, riesigem Shop, Gelände zum Krateranschauen und Café vor.
- Daher schauen wir erst einmal durch die gut gestaltete Ausstellung, die erklärt, wie Meteoritenkrater zustande kommen und wo auf der Welt es überall welche gibt. Einen haben wir eh vor kurzem gesehen mit Christine und Fritz, das Nördlinger Ries. Dieses hat einen Durchmesser von etwa 25km – ist also deutlich größer als der Krater hier – aber nichtsdestotrotz sieht man wunderbar den Kraterrand.



- Dieser hier hat gerade einmal einen Durchmesser von 1,2km, was nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, wie klein der Meteorit war, der den Krater verursacht hat (ca. 45m und ein Stück davon sieht man am Bild unten).

- Natürlich nutzen die Amerikaner die Chance uns 1. einen patriotischen Film, der wenig mit Meteoriten, aber viel mit Amerika zu tun hat, zu zeigen und 2. das Weltall und die Amerikanischen Weltraumerfolge in den Vordergrund zu stellen.
- Wir erstehen im riesigen Souvenirgeschäft noch ein Mitbringsel für Magda und Michi, die wir demnächst besuchen, und machen uns dann auf den Weg.


- Bald schon erreichen wir Two Guns, eine ehemalige Westernstadt, die einst ein beliebter Touristenstopp auf der Route 66 war, aber von der heute nur noch Ruinen übrig sind.





- Dort telefonieren wir auch kurz mit Magda und Michi, um noch die letzten Details für unseren Besuch abzuklären.
- Wir kommen an einer verlassenen Tankstelle vorbei – wie man viele entlang der Route 66 findet – und unsere Straße führt wieder entlang der Bahnroute, was natürlich toll ist, da wir ständig Züge vorbeirattern sehen, die ich fleißig fotografiere und filme, um sie dann dem Sebi, der sehr zugbegeistert ist, zu zeigen.


- Kurz darauf erreichen wir auch schon die echte Zugstadt Flagstaff, die auch der Gateway von der Route 66 zum Grand Canyon ist. Dieser liegt ca. 60km nördlich von hier, doch da wir ihn ja schon mit Julian besucht haben, beschließen wir, uns diesen Abstecher zu sparen.




- Stattdessen vertreten wir uns in Flagstaff wieder ein bisschen die Beine und schauen uns in der Stadt um. Hier befand sich das Grand Canyon Cafe und als ich das Schild entdecke, bin ich im ersten Moment begeistert und meine zu Matthäus: „Schau, das Cafe hat sogar noch offen!“, bis wir im zweiten Moment feststellen: Es ist heute ein Fleischhauer.








- Auf der original Route 66 fahren wir weiter nach Williams.
- Hier befinden sich wieder einmal sehr alte Abschnitte der Route 66, die oft über Dirt Roads verlaufen und auch teilweise sehr schön durch den Wald führen.
- Das ist sehr schön, jetzt in der Abenddämmerung, bis auf einmal ein Hirsch auf der Fahrbahn ist (siehe Foto unten: der Hirsch und ich).

- Williams ist genauso eine Bahnstadt wie Flagstaff und von hier fährt die Grand Canyon Railway, die zwischen hier und dem Grand Canyon Nationalpark täglich pendelt.
- Wir haben tatsächlich gestern kurz überlegt, ob wir mit dieser fahren möchten – allerdings wäre dann alles andere vom heutigen Programm flachgefallen, da wir hier schon sehr früh am Morgen hätten sein müssen und dafür auch den Großteil der hier doch so schönen und spannend zu fahrenden Route 66 durch die Interstate hätten ersetzen müssen. Daher haben wir uns schweren Herzens dagegen entschieden und uns gewünscht, wir hätten doch noch ein oder zwei Tage mehr Zeit, um das tolle Zugerlebnis auch mitzunehmen. Naja, man kann nicht alles haben und schließlich sind wir ja vorrangig hier, um die Route 66 entlangzufahren.


- Lustigerweise kommt gerade, als wir in Williams ankommen, der Grand Canyon Zug retour und fährt in den Bahnhof ein. Sehr nice, dann haben wir das immerhin noch miterlebt!


- Langsam wird es dunkler und im wunderschönem Licht der Abenddämmerung fahren wir weiter bis Seligman, wo wir heute beschließen zu übernachten.

- Seligman gibt sich voll seiner Route 66 Legacy hin und leibt und lebt förmlich für die Route. Es wimmelt nur so von historischen Motels, Restaurants, Diners und alten Autos, die zum Nostalgiegefühl beitragen.



- Außerdem, so erklärt uns später unser Motel Dude, haben einige der alten Autos, die sich hier befinden, „Charaktere“ des Films „Cars“ inspiriert.



- Wir kommen lustigerweise in einem Motel unter, das von einem Deutschen geführt wird, der allerdings vor 20 Jahren in die USA gezogen ist und seitdem nicht mehr zurückgeblickt hat. Als wir ihn fragen, ob er sich hier wohlfühlt, oder doch irgendwann wieder nach Deutschland zurückwill, sagt er sehr entschlossen „Ja, er fühle sich hier wohl und nein, er möchte auf keinen Fall zurück.“ Er spricht auch nicht mehr wirklich deutsch, hat aber witzigerweise einen ganz schön deutschen Akzent in seinem sonst einwandfreien amerikanischem Englisch. Als er hört, dass ich aus Österreich bin, empfiehlt er uns begeistert ein Restaurant, das von einer Österreichisch-amerikanischen Freundin von ihm geführt wird (mit dem typisch österreichischem Namen „Lucy“) und in dem es Wiener Schnitzel gibt.

- Na gut, wir haben eh Hunger – we might as well – also spazieren wir zum Restaurant hin (das eine Meile von hier entfernt ist, was beeindruckend weit ist bei den ca. 20 Einwohnern die Seligman hat – aber hey, ein amerikanischer Ort halt).
- Dort bestellen wir mutig ein Wiener Schnitzel und sind ganz begeistert, als es – wider Erwarten – mit Kalbfleisch zubereitet ist und köstlich schmeckt. Wow! Und das mitten auf der Route 66 mitten in der Pampa.
- Unser Zimmer hat übrigens passend zum heutigen Tag das Thema „Eisenbahn“ und begeistert uns dementsprechend – mega!


Freitag, 27.Oktober
Romeo go Homeo
Seligman, AZ – Barstow, CA (2280 Meilen/ 3650 km)

- Früh starten wir heute los, um rechtzeitig den Joshua Tree Nationalpark zu erreichen, wo ich ein Klettercamp übers Wochenende gebucht habe.
- Die Strecke ist wieder einmal sehr malerisch und Roadtrip-geeignet und es ist wunderschön in dem morgendlichem Licht.



- Bald schon tauchen am Straßenrand die berühmten roten Burma Shave signs auf, die ich vehement als „Burma Sharma“ bezeichne – kein Mensch weiß, warum…
- Diese wurden aufgestellt von der Burma-Vita Firma, die die Burma Shave brand eingeführt haben, eine brushless shaving cream, die dann durch die berühmten Roadsigns beworben wurde.

- In den 50er Jahren ging es der Firma nicht mehr so gut und 1963 wurde sie von Philip Morris geschluckt. Ironischerweise wurde Burma Shave 1997 von der American Safety Razor Company wiedereingeführt als nostalgische Rasiercreme – allerdings mit Brushing kit, was ein bisschen lustig ist, wenn man bedenkt, dass Burma-Shave selbst Roadsigns aufstellte, die sich lustig machten über „Grandpa’s old-fashioned shaving brush.“

- Hier eine Best-of-Sammlung von verschiedenen Burma-Shave signs:
- Die Grand Canyon Caves sind das nächste angepriesene Touristenvergnügen – allerdings finden wir heraus, dass die Caves mittlerweile „vorübergehend“ geschlossen sind, da es einen Vorfall gab, bei dem mehrere Touristen über mehrere Stunden hinweg in einem Lift in den Caves stecken geblieben sind – nicht cool.
- Wieder einmal führt uns die Route 66 über ehemalige Abschnitte, die auf Dirt roads verlaufen, vorbei an einer Fabrik, zu der sogar eine eigene Zugstrecke führt.



- Der Zug, der gerade abfahrt, fahrt so nahe an uns im Schritttempo vorbei, dass ich Matthäus frage: „Hey, wenn du das Fenster aufmachst und deinen Arm rausstreckst, denkst du, du könntest den Zug berühren?“ worauf dieser nur mit einem verzweifelten „Wirklich, Marie?!“ Blick antwortet.

- Wir erreichen die gefürchtete Mojave Wüste, zu der unser 40er Jahre Guide schreibt, man solle sie möglichst in der Nacht fahren – wirklich empfehlenswert bei Autos ohne Klimaanlage.
- Wir in unserem gut klimatisiertem SUV haben gar kein Problem so untertags gemütlich durch die Wüste zu cruisen.

- Abschnitte der Straße führen auch durch Indianerreservate, unter anderem die der Hualapai Nation, wo wir tanken, da wir die Erfahrung gemacht haben, dass die Indianerreservate weniger Steuern auf Sprit erheben.






- Außerdem schicken wir eine Postkarte aus dem Indianerreservat und sind gespannt, ob die mit der amerikanischen Post gesendet wird und ankommt (an Gerald: also falls du das liest – hast du sie bekommen?)
- Wir erreichen Hackberry, ein sehr verschlafener Ort, in dem es allerdings den Hackberry General Store aus dem Jahr 1934 gibt, wo sich auch eine ehemalige Tankstelle befindet.




- Nächster Stopp ist Kingman, wo es eine alte Dampflok der Santa Fe Eisenbahn gibt und ein großes Visitor Center, in das wir kurz hineinschauen und von wo aus wir eine Postkarte versenden (Erinnert ihr euch, dass wir von der gesamten Strecke Postkarten an unsere Familien verschicken?)





- Weiter geht es durch die immer hügeliger werdende Wüste und durch viel, viel Nichts – wobei das Nichts landschaftlich sehr schön ist.



- Wir fahren über den historischen Black Mountain Pass, der uns unter anderem durch den Ort Oatman führt, der bekannt ist für die Wildesel, die sich hier frei herumbewegen und insbesondere auch gerne auf der Straße chillen, weshalb man jede Kurve extra langsam fahren sollte.





- Das stellt sich als eine gute Idee heraus, denn schon vor Oatman laufen uns die ersten Esel über den Weg – cool!

- Oatman selbst hat einen Westernstadt-Flair und es wimmelt hier tatsächlich von den Eseln, die ein bisschen wie indische Kühe wissen, dass ihnen die Autos und Menschen nichts tun und sich auch dementsprechend nicht gerade scheu verhalten.
- Kurz nach dem Pass erreichen wir die Grenze zu Kalifornien, die einen mit Pauken und Trompeten mit einer historischen Brücke begrüßt, die nicht mehr befahrbar ist, aber wie auf der „historic66.com“ Website steht, falls man ein Auto hat, dass für Sandy Washes geeignet ist, kann man durchaus versuchen, den Verlauf der historischen Route 66 abzufahren.



- Wir beschließen, dass unser SUV, der sogar über eine „Sand and Dirt“ Taste verfügt, die unseres Wissens nach einfach die Schleuderassistenz abdreht, sehr gut für Sandy Washes geeignet ist und probieren daher unser Glück.


- Sagen wir so: Es ist ein Erlebnis, doch irgendwann kommen auch wir an den Punkt, an dem wir feststellen: Umdrehen ist die beste Taktik.



- Zum Einen wissen wir nicht recht, wo die richtige Straße verläuft und wo genau wir nach ihr suchen sollen und zum Zweiten stoßt sogar unser Auto an seine Grenzen, als es einfach über eine Felskante hinauffahren soll…und so gut kennen wir es nach 10 Tagen Autofahren auch nicht, dass wir das riskieren…


- Also erreichen wir doch über die Interstate Kalifornien, in dem sofort zur Begrüßung die Straßen von Palmen gesäumt sind -wie man es sich erwartet.



- Es geht weiter durch die Mojave Wüste und immer entlang der Santa Fe Bahnstrecke, die uns ja schon seit – Achtung jetzt kommt‘s – Santa Fe begleitet.

- Im „Ort“ Goffs befindet sich ein Schulhaus aus dem Jahr 1914, dem wir einen Besuch abstatten, was sich als spannender als erwartet herausstellt.
- Die Guides freuen sich wie Hutschpferde, dass endlich einmal ein Besucher vorbeikommt und sofort haben wir ein Guide zu Touristen Betreuungsverhältnis von 4:1.








- Sie erzählen uns, dass Goffs einst eine ansehnliche Stadt war (obwohl ich mir da bei dem was Amerikaner heute als „Stadt“ bezeichnen nicht sicher über die Ansehnlichkeit bin.. ), die Bedeutung dank der Errichtung der Santa Fe Eisenbahnstrecke erlangte und zwar aus folgendem Grund: Um über den Black Mountain Pass zu kommen, mussten die Loks damals von einer weiteren Lok unterstützt werden, die hier in Goffs angehängt wurde – ebenso wurden hier die Loks von herunterfahrenden Zügen, die auch benötigt wurden und zwar zum Bremsen, wieder abgekoppelt.
- Das änderte sich natürlich, als Dieselmotoren stärker wurden und das komplizierte und zeitraubende Vorgehen nicht mehr nötig war, und somit geriet Goffs in Vergessenheit und mutierte eher zu einer der Geisterstädte, wie man sie so oft entlang der Route 66 findet.
- Ansonsten ist das Schulmuseum eher ein wildes Sammelsurium von Schul- vermischt mit Route 66-Artefakten.
- Was ganz cool ist: Sie haben das ehemalige Eisenbahngebäude, das sich hier befand, originalgetreu nachgebaut.

- Wir machen uns auf – weiter durch die Mojave Wüste und viel Nichts.
- In Amboy kommen wir vorbei am historischem Roys Motel, das sehr zu ausschaut, aber vor dem ein Schild „Vacancy“ hängt. Matthäus meint dazu: „Ja, sehr viel Vacany, sogar Vacancy of an owner.“
- Ebenfalls in Amboy machen wir einen kurzen Zwischenstopp bei einer ebenso historischen Tankstelle, bei der ich Kaffee besorge und wir unsere Wasserflaschen auffüllen.


- Den Kaffee verschütte ich bei den anschließend folgenden Dirt Roads zielgerecht im gesamten Fahrer- und Beifahrerbereich des Autos…immerhin ein bisschen was davon landet auch in mir.

- Kurz nach Amboy befindet sich der Amboy Krater, ein schlafender Vulkan, dessen Lavastrom vom letzten Ausbruch bis kurz vor die Straße reicht, was faszinierend ausschaut.
- Kurz darauf erreichen wir das Bagdad Café, das einst ein integraler Bestandteil der Route 66 war, heute aber eher zu ausschaut.

- Weiter geht es immer entlang der Bahnstrecke hinein nach Barstow.







- Dort gibt es einige schöne Murals und ein Eisenbahnmuseum, das natürlich schon zu hat, als wir Barstow erreichen, aber trotzdem möchte ich die Eisenbahnen anschauen, die davor zur Schau gestellt sind.



- Matthäus hat ein bisschen Stress, da ich ja das Kletterwochenende gebucht habe und um 18h im Joshua Tree Nationalpark sein sollte.
- Wie die Feuerwehr – naja nicht ganz, aber so ähnlich – fahren wir also von Barstow zum Joshua Tree Nationalpark, wo wir fast pünktlich ankommen, aber das ist eine andere Geschichte.


Montag, 30.Oktober
Wo bitte ist die Giant Orange?
Barstow, CA – Santa Monica, CA (2448 Meilen/ 3940 km)

- Von gestern Abend auf heute haben wir in Barstow im Economy Inn, unserem letzten Route 66 Motel übernachtet.
- Passend zum Rhythmus der letzten Tage stehen wir um 6h auf, um früh loszustarten, so dass wir in LA vielleicht den ärgsten Feierabendverkehr vermeiden können und pünktlich zum Sonnenuntergang Santa Monica erreichen.
- Immer noch führt die Straße durch die Mojave Wüste und weit und breit ist nichts als Sand und kleine Wüstensträucher – es ist wunderschön im morgendlichen Licht, aber zugleich sehr einsam.



- Wieder kommt richtiges Roadtrip-Feeling auf, als wir die schnurgerade Straße entlangcruisen – so sehr dass wir fast am Elmer‘s Place vorbeigefahren wären.
- Elmer’s Place ist eine riesige Kunstinstallation eines etwas exzentrischen Künstlers, der mithilfe von allen möglichen Sammelsurien an Flaschen und sonstigem Müll, den Reisende der Route 66 mitgebracht haben, eine riesige Fläche dekoriert hat.




- Zuerst schaut es sehr geschlossen aus und wir trauen uns fast nicht einfach aufs Grundstück, doch die zahlreichen Schilder „Welcome“ und „Come in!“ überzeugen uns dann doch und wir spazieren durch die sich scheinbar endlos über die Fläche erstreckenden Flaschenskulpturen – faszinierend.


- Als nächstes erreichen wir den kleinen Ort Victorville, von wo aus es bergauf auf den Cajun Pass geht – allerdings diesmal über eine gut ausgebaute Straße, an der sich einst das Summit Inn befand, ein beliebtes Diner für Route 66 Reisende, das allerdings mittlerweile – wie so Vieles – geschlossen hat.
- Stattdessen machen wir einen Halt in Victorville selbst in Richie’s Real American Diner, wo wir ein Frühstück essen, das durchaus mit den Denny’s Frühstücks mithalten kann: Bacon, Egg, Oreo Milk Shake, Coffee mit Refills und ein Burrito.


- Nachdem wir den Pass überquert haben, führt die Straße abwärts Richtung San Bernadino, dem ersten Vorort/ Ausläufer von Los Angeles, was man sofort daran bemerkt, dass der Verkehr dichter wird.




- In San Bernadino befindet sich der erste McDonalds, der Ursprung des riesigen Imperiums, in dem sich heute ein Museum voller kurioser Sammelsuriumstücke befindet und in das wir auf einen Sprung hineinschauen.


- Es gibt so witzige Dinge aus allen möglichen Ländern, wie zum Beispiel einen McRaclette aus der Schweiz oder eine Sammlung von Matchbox Zügen aus Japan.








- Wenig später soll es angeblich eine „Giant Orange“ geben, die wir allerdings vergeblich suchen – es hätte uns schon misstrauisch machen sollen, dass selbst Google diese nicht kennt.
- Ab hier beginnt der eher zache Teil der Strecke – die vielen Ampeln und der immer dichter werdende Verkehr machen das Vorankommen deutlich mühsamer und wir kriechen nur langsam weiter.



- Wir kommen durch Arcadia, wo sich der Santa Anita Park befindet, eine Strecke für Pferderennen mit Gebäuden im Art Deco Stil, der sehr sehenswert sein soll – allerdings findet gerade leider kein Rennen statt und die Tickets sind anscheinend auch schon weit im Voraus ausverkauft.

- Als nächstes erreichen wir Pasadena und über den Broadway dann Los Angeles Downtown, wo die ursprüngliche Route 66 geendet hat (was nur noch dank einer sehr kleinen Tafel erkennbar ist).







- Unser Guide von 1949 schreibt auch, dass die Beschreibungen in Downtown enden und wer nach Santa Monica weiterfahren möchte, soll bitte Locals nach dem Weg fragen – tja, so hat das damals noch funktioniert.

- Wir verlassen Downtown LA wieder und machen uns über den Sunset Boulevard auf Richtung Hollywood, das ich mir deutlich fancier vorgestellt habe, als es ausschaut.




- Wir beschließen, einen Stopp beim Walk of Fame einzulegen und bereuen es ein bisschen, als wir auf dem Abstecher von der Route 66 dorthin im ärgsten Stau auf der ganzen heutigen Strecke stehen.
- Wir parken im riesigen Hollywood Einkaufszentrum, von wo aus man auch einen Blick auf das berühmte Schild hat, und machen uns dann auf zum Walk of Fame.



- Das Flair hat ein bisschen was vom Strip in Las Vegas: Es wimmelt nur so von Leuten und überall sind Stände oder Menschen, die alle möglichen Dinge verkaufen, während dazwischen Musiker und andere Künstler die Menge bespaßen.




- Wir verweilen nicht allzu lange, bevor wir uns über den Santa Monica Boulevard aufmachen auf die letzten Meilen der Route bis fast an die Küste: Die Route 66 endet kurz vorher an einer Kreuzung.




- Wir parken in der Nähe und spazieren zurück, um – wie beim Start auch zu Fuß – unser Finisher Foto zu schießen, bevor wir uns ins Getümmel am Santa Monica Pier schmeißen.


- Ah, vorher verschicken wir natürlich auch noch die letzten Postkarten von der Route 66!

- Es ist wirklich wunderschön: Der von Palmen gesäumte Strand verläuft in beide Richtung die Bay entlang und der hölzerne Pier führt dazwischen hinaus aufs Meer.
- Es gibt hier ein Riesenrad, eine Achterbahn, mehrere Jahrmarktstände und viele Trink- und Essensstände.



- Was wir auch entdecken sind ganz viele Route 66-Schilder und -Referenzen: Vor dem einen Schild stehen die Leute sogar Schlange, um ein Foto damit zu machen! Gut, dass wir unser Finisher Foto schon beim Originalende geschossen haben.







- Mittlerweile ist es nicht mehr so lange bis zum Sonnenuntergang und dementsprechend voll ist es auf dem Pier.

- Trotzdem spazieren wir ganz nach vorne und bewundern den Blick auf den endlos scheinenden Pazifik, der sich vor uns erstreckt.
- Dann machen wir uns auf die Suche nach einen Café, von wo aus wir den Sonnenuntergang in Ruhe betrachten können, und finden zwar kein Café, dafür aber ein Restaurant.
- Dort ergattern wir einen super Platz mit Blick auf Palmen, Strand und Meer und die untergehende Sonne und bestellen – dummerweise, denn wir haben selbst noch Essensvorräte übrig – Calamari und Oktopus.

- Wir bereuen es allerdings nicht, denn das Essen ist köstlich – und das will was heißen, nachdem wir erst kürzlich mit wirklich leckeren Calamari und Oktopus aus Griechenland verwöhnt worden sind!
- Zufrieden chillen wir also im Restaurant, genießen den Blick auf den Sonnenuntergang und freuen uns, die Route 66 mit so einem tollen Ende abzuschließen!































