E5 Etappen 46-50

Von Paris

nach Villeblevin

Samstag, 20. April

Paris, Paris, Louvre, Shakespeare und Notre Dame

  • Fancy Frühstücksbuffet im Hotel, dann los – zuerst durch die fancy Pariser Innenstadt – vorbei an der Oper und auf zum Louvre. 
  • Logischerweise ist hier mehr los und wie tausend andere Touristen schießen wir ein Glaspyramiden-Selfie.
  • Die Seine entlang spazieren wir Richtung Notre-Dame und kommen auf dem Weg dorthin durch das Quartier Saint-Germain-des-Prés mit seinem charmanten Stadtbild voller kleiner Gässchen und mit der berühmten Buchhandlung “Shakespeare & Company” – wohl die einzige Buchhandlung der Welt, vor der immer eine Riesenschlange ist – so auch jetzt.
  • Wir schauen also nicht hinein, sondern spazieren weiter, zu der sich immer noch in Renovation befindlichen Notre-Dame.
  • Wir gehen direkt am Seine-Ufer entlang, wobei wir uns nicht ganz sicher sind: Geht der Weg da eh weiter?! “Ah schau”, meine ich auf einen Läufer zeigend: “Der kommt aus der Richtung, von irgendwo muss er ja wohl kommen.” – Also spazieren wir hinein in die Sackgasse, die nach einem halben Kilometer endet – wo vermutlich der Läufer umgedreht ist – na super!
  • Nach dem Schock über den Umweg brauch ich erst einmal eine Pause, also machen wir uns auf die Suche nach einem Café, wobei wir natürlich auch bald fündig werden und mich ein kleines, feines, mit riesigen Teddy-Bären ausgestattetes Café sofort anspricht – es erinnert mich ans Café Teddybär von der Marianne in Waidhofen.
  • Die Seine entlang geht es weiter, dann über einen riesigen Güterzug-Umschlagplatz hinein in den riesigen Park “Bois de Vincennes”, in dem sich auch der Pariser Zoo befindet.
  • Der Weg ist hier sehr schön und voller Natur und wir begegnen einigen Läufern.
  • Einmal kommen wir sogar an einer Art Park-Festival vorbei – mit voll nicer Musik, die mich in meinem noch frischem Zustand gleich zum Tanzen anregt.
  • Über eine riesige Straße (hier jagen sich die Gegensätze), die wir mithilfe einer Brücke queren, erreichen wir die Marne, den zweiten großen Pariser Fluss, an der ein erstaunlich schöner Wanderweg entlang führt.
  • Die Marne-Seine-Mündung ist auch sehr schön und ab hier folgen wir wieder der Seine in immer industrieller werdende Außenbezirke Paris’.
  • Die Strecke zieht sich hier ganz schön, es sind noch einige Kilometer, bis wir endlich Villeneuve-Saint-Georges erreichen, wo wir ein Quartier für die Nacht gefunden haben.
  • Wir haben es eher wegen der Lage als wegen des Preises gebucht, aber es war für Pariser Verhältnisse erstaunlich günstig und wir wissen bald auch schon, warum: Als wir ankommen, ist bei dem Haus unten Baustelle und auf unser Klingeln reagiert niemand.
  • Wir versuchen unseren Gastgeber anzurufen, aber er hebt nicht ab.
  • Dementsprechend sind wir erleichtert, als ein Mensch des Weges kommt, das Tor öffnet und Richtung Haus geht.
  • Dieser erklärt uns allerdings nur auf Französisch: Nein, er sei dafür nicht zuständig.
  • Endlich erreichen wir unseren Gastgeber telefonisch, der uns gar nicht erwartet hat (Wir fragen uns, wie das passieren konnte: Wir haben bisher in etwa der Hälfte der Quartiere der Einfachheit halber via Booking gebucht und bis auf den Typen in Ploermel –siehe Etappe 16-, der uns immerhin erwartet, aber nicht die Tür geöffnet hat, hatten wir noch nie größere Probleme.)
  • Er entschuldigt sich aber sehr freundlich und erklärt, wo die Schlüssel sind.
  • Der Dude von vorhin, stellt sich heraus, ist unser “Mitbewohner” und das Ganze ist sehr merkwürdig, eher unangenehm, denn mit ihm teilen wir Bad, Küche und Wohnzimmer.
  • Das Zimmer ist natürlich gar nicht fertig, aber wir brauchen nach dem Wandertag Ruhe (und sind nicht so in Plauderlaune mit dem “Mitbewohner”, der auch alles andere als Plauderlaune ausstrahlt), daher chillen wir trotzdem erst einmal im Zimmer, das wir vermeintlich beziehen.
  • Endlich kommt unser Gastgeber daher und richtet doch das andere Zimmer für uns her und entschuldigt sich noch mehrmals und bietet uns zur Versöhnung eine extra, gratis Übernachtung an.
  • Nein Danke!

Sonntag, 21.April 

Au Revoir, Paris!

  • Frühstück im Bett! Da haben wir heute gar keine Hemmungen…
  • Dann Aufbruch zuerst durch das Areal eines Spitals, wo wir nicht ganz sicher sind, ob das eh Ok ist, dass wir da einfach durchspazieren – dann durch die zuerst noch schirchen Pariser Vorstädte hinaus in einen Park, der in einen Wald übergeht.
  • Erfrischend, wenn auch voller Menschen: Läufer, Walker, Radfahrer, Reiter, alle sind an diesem gemischt wettermäßigen, aber überwiegend sonnigem Sonntag aus der Stadt ins Grüne geflohen.
  • Wir feuern remote meine Familie an, die heute Wien-Marathon-Staffel/ Halbmarathon rennt und sind ganz stolz, dass wir unsere Halbmarathonstrecke in unter fünf Stunden schaffen – schon eine Leistung, wenn man die Länge der vorherigen Etappe bedenkt und den Fakt, dass wir uns beide eher müde fühlen – auch (oder vor allem) in den Beinen.
  • Es ist eine spannende Mischung heute aus Wegen: Während man zuerst die Nähe der Stadt noch deutlich spürt – allen voran an der Anzahl der Läufer – gehen wir später durch Waldabschnitte, die sich sehr weit weg von jeglicher Zivilisation anfühlen, wonach dann wieder riesige Industriegebiete auftauchen, durch die wir auf Straßen, so breit, dass locker mehrere LKWs nebeneinander passen, wandern.
  • Hie und da gehen wir die Seine entlang, wo es dann wieder breite und gut genutzte Radwege gibt, die meist sehr schön ausgebaut sind, manchmal aber auch durch Industriegebiete führen.
  • Wir kommen in einem Ferienpark unter, der uns ein Niederlande-Feeling vermittelt und wo es zwei Restaurants gibt, weshalb wir uns schon freuen, heute wieder mal “gescheit” abendzuessen.
  • Fehlanzeige: Die beiden Restaurants ham es geschafft BEIDE Sonntag als Ruhetag auszuwählen! No kidding!
  • Tja, stattdessen bestellen wir Pizza direkt zu unserem Ferienhäuschen, was auch ganz nett ist.
  • Wir entdecken außerdem zu unserer Freude, dass es ein Schwimmbad im Parkarsenal gibt, das wir sogleich nutzen.
  • Allerdings ist das Wasser saukalt und es gibt keine Liegen, weshalb das Ganze eine recht kurze Angelegenheit ist.
  • Skypen mit Matthäus’ Eltern und ab ins Bett!

Montag, 22. April

Fontainebleau und Buchgeschäft

  • Zum Frühstück gibt es Pizza – die Resterln von gestern – njam!
  • Heute ist eine Entspannungsetappe, was super ist, weil wir den Fontainebleau-Wald erreichen, den ich schon gut von mehreren Bouldertrips kenne und – wo ich überlegt habe – von Bois-le-Roi, unserem heutigen Etappenziel aus, bouldern zu gehen.
  • Die Wege sind genauso entspannt – die meiste Zeit vom Tag gehen wir einfach die Seine entlang, startend in Mée, bald schon Melun erreichend und immer entlang breiter Spazierwege.
  • Vorbei an einem riesigen Gebäude auf der gegenüberliegenden Seine-Seite, wo wir zweimal hinschauen, bis wir die Wachtürme und den Stacheldrahtzaun entdecken und feststellen: Da ist ein Gefängnis.
  • Kurz darauf führt der Weg entlang einer breiteren und ungemütlicheren Straße, auf der einige Autos unterwegs sind – kein Wunder, so nah bei Paris.
  • Für die schirche Strecke werden wir entschädigt, als das erste Highlight des Tages am Wegesrand auftaucht: Ein Foodstand, bei dem man frische Produkte von Höfen aus der Gegend kaufen kann.
  • Begeistert besorgen wir eine Packung Erdbeeren und verzehren diese an Ort und Stelle.
  • Außerdem decken wir uns mit bissi Wurscht, Käse und Brot ein für die nächsten Etappen.
  • Weiter geht es über schöne, kleine Wald- und Feldwege bis zu der Stelle an der Seine, wo wir den Fluss über eine große, stark befahrene Brücke überqueren.
  • Zu Fuß gehen wir einen riesigen Kreisverkehr entlang, und nehmen die Ausfahrt Richtung Supermarkt, wo wir uns mit weiterem Essen für die nächsten Tage eindecken und wo wir als einzige Leute weit und breit zu Fuß ankommen – einen riesigen Parkplatz überquerend.
  • Über die riesige Straße, die nach der Brücke weiterführt, erreichen wir den doch schnuckeligen Ort Bois-le-Roi, direkt am Waldrand vom Fontainebleau-Wald gelegen.
  • Unsere Gastgeberin ist unterwegs, hat sie uns geschrieben, daher hat sie den Schlüssel zu ihrer Wohnung bei einer kleinen Trafik am Hauptplatz hinterlegt, wo er uns sogleich ausgehändigt wird.
  • Wir beziehen also unser Quartier, das zu meiner absoluten Freude mitten in einem Buchgeschäft liegt 🙂 – ein Traum!
  • Leider hat das Buchgeschäft gerade geschlossen, da es von unserer Gastgeberin betrieben wird.
  • Anstatt klettern zu gehen mache ich zuerst einmal einen Powernap und stelle fest: Ich bin nicht mehr bereit für den knapp 5 Kilometer weiten Spaziergang hin zum Boulderareal.
  • Stattdessen stellen wir zu unserer absoluten Freude fest – wie uns auch unsere Gastgeberin erzählt, als sie retour kommt – dass sich direkt vor der Haustür ein Pizzatruck befindet!
  • Pizza again it is – da können wir nicht widerstehen.
  • Wir unterhalten uns super mit dem Verkäufer über den E5, unser Abenteuer, das Wandern und italienische Pizza. =) 
  • Dann satt und zufrieden ab ins Bett!

Dienstag, 23. April

Bouldersession am Wanderweg

  • Perfekter Start in den Tag mit einem Frühstück im Buchgeschäft. <3
  • Im wunderschönen Sonnenschein – allerdings auch in der Kälte – starten wir los, hinein in den Fontainebleau-Wald.
  • Vorher gibt unsere Gastgeberin uns Walnüsse und wir freuen uns zwar sehr, fragen uns aber, wie wir die Nüsse knacken sollen.
  • Nachdem wir es eine Weile vergeblich mit dem Messer versucht haben, gehen wir zu ihr und probieren auf Französisch nach einem Nussknacker zu fragen.
  • Sie versteht zwar unsere Frage, hat aber keinen bei der Hand – dafür verschwindet sie kurz in einem Nebenraum und kommt stolz mit einem Hammer zurück.
  • Rabiat öffnen wir die Nüsse also und verzehren sie endlich genüsslich.
  • Gestärkt starten wir unsere heutige Etappe – hinein in den Wald mit seinen vielen kleinen Felsen, die sich ideal zum Bouldern eignen.
  • Quasi um die entfallene Bouldersession gestern wieder wett zu machen, lege ich heute einige kurze Bouldersessions am Weg ein – allerdings nichts schwieriges, so mit Wanderschuhen.
  • Wir erreichen eine große Lichtung mit einem steinernen Aussichtsturm, der zwar schon bissi alt ist, dafür aber stabil ausschaut und auf den wir es – zu unserer eigenen Überraschung – gut hinauf schaffen und dann den Ausblick über den Wald genießen – so weit das Auge reicht, erstrecken sich vor uns Baumwipfel.
  • Die Lichtung selbst besteht aus dem weißen, feinen, für die Gegend sehr charakteristischen Sand, was ihr mit den dunklen Bäumen rundherum eine gewisse Mystik verleiht.
  • Über die Seine gelangen wir in einen anderen Wald und lassen Fontainebleau schweren Herzens hinter uns.
  • Der andere Wald ist weniger mystisch und schön und insbesondere verlaufen hier riesige Stromleitungen, die wahrscheinlich Paris mit Strom versorgen.
  • Diese hört man sogar, bevor man sie sieht – ein richtig lautes Knistern und Knacksen erfüllt die Luft.
  • Weiter geht es über gelb blühende Rapsfelder (sie sind zurück!) und mit tollen Ausblicken auf die rundum liegende und eher grün und von Feldern dominierte Landschaft, bis wir schließlich den nächsten größeren Ort – Montereau-Fault-Yonne – erreichen, wo sich auch unsere heutige Unterkunft befindet.
  • Hier fließen Seine und Yonne zusammen, ein sehr schöner Flusszusammenfluss, um den herum das Städtchen gewachsen ist – es erinnert uns ein bisschen an Passau.
  • Die Unterkunft finden wir sofort – sie befindet sich direkt neben einem größeren Post-Speditions-Platz voller gelber Postautos, das Einzige, was sich schwieriger als gedacht gestaltet, ist das Hineinkommen: Wir haben zwar ein Anleitungsvideo bekommen, doch Matthäus’ Handy hat auf einmal keinen Empfang und wir können das Video nicht abspielen – tja, diese Technik.
  • Nach einer Weile Herumgehen und das Handy in die Höhe Halten und mehrmaligem An- und Ausschalten schaffen wir es und können endlich unsere Unterkunft und vor allem unser Bett beziehen – Yeah!

Mittwoch, 24. April

Bikini, Kunst und Wandersocken

  • Zuerst einmal haben wir heute einen Produktivitätsschub und buchen für einige Etappen Unterkünfte in der kritischen Gegend, in der wir jetzt mehrere Tage lang gesucht haben und eher schwer etwas gefunden haben.
  • Dann wird gefrühstückt, bevor wir zur Boulangerie spazieren, um uns fürs Abendessen eindecken.
  • Hier, in Montereau-Fault-Yonne, reiht sich übrigens eine Boulangerie an die andere und wir haben gar keine Mühe eine zu finden.
  • Vorher sehen wir schon verheißungsvoll viele Menschen mit Baguettes unterm Arm vorbeirennen – nice, voll das Klischee-Frankreich-Bild.
  • Nächster Stopp ist im schirchen Industriegebiet, wo sich allerdings ein dringend notwendiger Intersport befindet, denn mittlerweile fallen nicht nur meine Wandersocken auseinander, sondern auch mein zweites Paar Wanderschuhe löst sich langsam auf – ich frag mich langsam, was ich falsch mache beim Gehen.
  • Was ich auch endlich finde (und schon ewig gesucht habe) ist ein neuer Bikini – wow, so ein erfolgreicher Einkauf!
  • Mit den neuen Wanderschuhen geht es also los auf die Gott sei Dank eher kürzere Etappe, die uns über sehr schöne Feldwege und Wiesen führt.
  • Auf einer solchen Wiese legen wir eine Rast ein und ich hab einen richtigen Moment der Dankbarkeit, dass wir dieses Abenteuer erleben dürfen – es ist wirklich überwältigend schön! 
  • Bald schon erreichen wir Villeblevin und kommen an der Schule vorbei, vor der Werbung gemacht wird für einen Schulausflug zur Ferme de Flo, wo wir lustigerweise morgen übernachten. =)
  • Unsere Unterkunft heute Nacht ist etwas echt Besonderes: Wir kommen bei einem Niederländischen Künstlerpaar in einer Wahnsinns-Villa mitten im Ort unter.
  • Das Gebäude ist sehr beeindruckend und mit viel Liebe und einem Blick fürs Schöne (wie viele Gebäude in Frankreich übrigens) renoviert und wir freuen uns sehr, als uns Moos, unsere Gastgeberin, in Empfang nimmt und uns den Aufenthaltsraum mit dem im Kamin brennenden Feuer zeigt.
  • Noch mehr freuen wir uns, als sie uns unser Zimmer, ein sehr luxuriöses Kaiserappartement mit Badewanne, zeigt – mega!
  • Sie meint, sie habe zur Zeit nicht so viele Gäste und da habe sie uns ein Upgrade gegeben! 
  • Zur Begrüßung trinken wir zuerst einmal einen Kaffee und Tee und wärmen uns vor dem Kamin auf und ich quatsch ein bisschen Niederländisch mit unserer Gastgeberin.
  • Wir entdecken ein Spieleregal mit “Pandemie”, auf das wir uns gleich stürzen – die Niederländische Version allerdings und ohne Infektionswürfel – dafür verwenden wir die Trivial Pursuit Marker, was auch funktioniert.
  • Nachher verchillen wir den Nachmittag mit Schreiben, Lesen und die tolle Atmosphäre des Wohnzimmers Genießen, von dem aus man in den wunderschönen Garten hinaus blickt.
  • Spontan bietet unsere Gastgeberin zum Abendessen Suppe an, was wir dankbar annehmen und dabei mit einem anderen Gast ins Gespräch kommen, der circa in unserem Alter ist und hier auf einer Geschäftsreise untergekommen ist.
  • Wir unterhalten uns mit ihm übers Wandern (nachdem seine Arbeit traditionell französisch kein Essensthema sein darf und er alle Fragen darüber sehr kurz und knapp beantwortet) und sind ganz begeistert, als er ein paar GRs kennt, unter anderem den GR20 auf Korsika, den er mit einem Freund demnächst in Angriff nehmen will – und zwar in 10 statt den vorgeschlagenen 18 Etappen – sehr ambitioniert!
  • Zum Abschluss dieses wunderschönen Tages gönne ich mir noch ein Bad in der tollen Badewanne und schlüpfe dann gut aufgewärmt ins Bett – gute Nacht!

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