
Von Châteauvillain
nach Bourbonne-les-Bains
Sonntag, 5. Mai


Die Pilgerherberge
- Los geht es heute gemütlich auf eine ebenso gemütliche Etappe, nachdem wir leckere Pain au Chocolats zum Frühstück gegessen haben.

- Über Feldwege ziehen wir los unter grauem Himmel.
- Immer mehr schaut es nach Regen aus und die düsteren Regenwolken bilden einen totalen Kontrast zu den im Sonnenschein gelb leuchtenden Rapsfeldern – ein faszinierendes Bild.

- Bald lassen wir die offenen Felder hinter uns und ziehen hinein in saftig grüne Wälder, die nach Frühlingsanfang riechen und ausschauen.




- Mein Wanderhighlight ist unsere Pause mit Nutella-Baguette! Nicht sehr wander-gesund, aber leider geil.



- Den Großteil des Tages sind wir fernab jeglicher Zivilisation, doch gegen Ende kommen wir immerhin an ein paar einsam gelegenen Bauernhöfen vorbei, wo wir auch liebe, kleine Lämmer herumhüpfen sehen.

- Unsere Unterkunft heute ist eine echte Überraschung: Sie liegt in dem sehr kleinen Ort (bestehend aus sage und schreibe fünf Häusern, wobei ich bei circa der Hälfte nicht sicher bin, ob sie bewohnt sind) Mormant und ist eine Pilgerherberge.

- Die Tür steht einfach offen, schreibt unsere Gastgeberin, und so ist es auch: Wir freuen uns gleich beim Eintreten über das Kaminfeuer, das schon brennt, und noch mehr über den Kuchen, der am Tisch steht.
- “Denkst du, den können wir einfach essen?”, frage ich Matthäus und wir beschließen: Ja, können wir.
- So machen wir uns also eine Jause mit warmem Tee und echt leckerem Kuchen und sitzen nachher gemütlich vor dem Kamin, als unsere Gastgeberin anklopft.

- “Ah, ihr seid ja schon gut angekommen!”, sagt sie erfreut: “Ich hab meinem Mann gesagt, er soll Ausschau halten, aber er hat nichts gesehen…”, fährt sie fort und verdreht die Augen.
- Sie schaut in die Küche und meint: “Oh, und ihr habt schon meinen Kuchen entdeckt, sehe ich!” Schuldgefühle machen sich in uns breit: “Wir haben ihn gegessen!” sage ich schuldbewusst und füge versöhnend hinzu: “Und er war sehr gut!”
- Unsere Gastgeberin lacht und meint: “Dafür war er doch da!”, und fügt dann zu unserer absoluten Freude hinzu: “Und freut mich, dass er euch geschmeckt hat! Wenn ihr wollt, steht auch ein Abendessen am Herd, das könntet ihr für einen kleinen Aufpreis dazu buchen – und Frühstück findet ihr im Kühlschrank.” Mega! Dankbar sagen wir ihr, gerne buchen wir das dazu und sind echt froh, mal wieder etwas anderes als Pizza essen zu können.
- Am Abend, als wir gerade mit Matthäus’ Eltern telefonieren, bricht wieder ein richtig krasses Gewitter aus, das das Kaminfeeling noch gemütlicher macht – wow!

- Wir schauen außerdem ins Pilger-Statistik-Buch und finden heraus, dass wir den Altersdurchschnitt der im Buch eingetragenen Pilger drastisch senken…
- Mehr Statistiken findet ihr hier:
Montag, 6. Mai


The Midpoint – die Hälfte des E5 ist geschafft!




- Nach dem Frühstück aus dem Kühlschrank geht es los und die erste Sehenswürdigkeit am Weg liegt gleich einen Steinwurf entfernt: Hier im Ort befinden sich die eher verfallenen und ruinösen Überbleibsel der Abbaye de Mormant, die trotz des schlechten Zustands von einer einst sehr schönen Klosteranlage zeugen.





- Wir kommen durch nicht viel Zivilisation heute, da unser Weg hauptsächlich durch Wälder und Nationalparks führt.
- Leffonds liegt am Weg, das offenbar am Protest gegen fragt mich nicht was (vermutlich irgendeine EU-Verordnung) teilnimmt und daher das Ortsschild verkehrt herum aufgehängt hat.







- Zum Mittagessen gibt es Pizza-Reste und Calzone! Lecker!

- Wir kommen vorbei an Pferden – es scheint eine richtige Pferde-Gegend zu sein, kein Wunder – Reitwege gibt es sicher en masse!
- Außerdem haben wir ausgerechnet, dass wir auf der heutigen Etappe die ersten 1500 Kilometer des E5 geschafft haben und damit die Hälfte des gesamten E5 hinter uns liegt!
- Wooow! Unglaublich! Wir schießen also stolz – inspiriert von der Route 66 (hier noch einmal die Blogeinträge zur Route 66 😉 ) – ein Midpoint-Foto – das Einzige, was fehlt, ist ein Merchandise-Stand, bei dem man Leiberl kaufen kann “I’m hiking the E5”, “Thruhike E5 – halfway done” oder so.


- Wir bekommen noch mehr Route 66 Feeling, als wir auf einer Straße entlang gehen, die parallel zu einer Autobahn verläuft – wie viele Abschnitte der Route, auf denen wir unterwegs waren.

- Weiter geht es durch Wälder hin zu einem Stausee, an dem der Ort Saint Ciergues – und damit auch unsere heutige Unterkunft – liegt.
- Zum Schluss muss man aufsteigen und zwar auf ganz schön steilen Pfaden!




- Um kurz vor 6 erreichen wir leicht außer Atem unsere Unterkunft, die von Niederländern geführt wird und wo wir Abendessen dazu gebucht haben.
- Ich reiße noch Witze: “Das Essen gibt es sicher pünktlich um 6!”
- No kidding, kaum haben wir unser Zimmer bezogen und uns Josée und Pierre in Empfang genommen, sagen sie: “Essen gibt es übrigens um 6!”
- OK! Eine sehr schnelle Dusche also…
- Josée und Pierre stellen sich als Bilderbuch-Klischee-Niederländer heraus, wirklich die Niederländischsten Niederländer, die wir kennen, und haben auch noch dazu Niederländische Gäste, weshalb wir beim Abendessen unsere Niederländisch-Kenntnisse auspacken und uns ausgeschlossen auf Niederländisch unterhalten.
- Wir unterhalten uns jedenfalls gut, und finden heraus, warum es hier so viele Niederländische Bed&Breakfasts gibt – auf dem Weg in den Urlaub nach Südfrankreich bietet sich für viele Niederländer auf der Durchreise dieser Ort als Zwischenstopp an – so auch für die anderen Gäste, mit denen wir uns beim Abendessen so gut unterhalten.
Dienstag, 7. Mai


Seen, Befestigungsstadt und Camping im Fass
- Frühstück gemeinsam mit unseren Niederländischen Mit-Gästen, die sich dann schnell am Weg weiter in den Süden machen – mit dem Auto, versteht sich.


- Wir verabschieden uns von Josée und Pierre und queren die Staumauer, bevor es auf einen kleinen Weg entlang des Seeufers geht.
- Er verläuft zwar parallel zur Straße, aber von dieser kriegt man meist gar nicht so viel mit und es ist sehr schön hier am Seeufer.




- In der Gegend gibt es einige Seen und auch einige Wanderwege an ihnen entlang.
- Über kleinere Wege gelangen wir in die auf Hügeln gelegene, kleinere und befestigte Stadt Langres, die total schön ist.








- Was noch schöner ist, ist, dass es Mittagszeit ist und daher einige Restaurants offen haben und Mittagsmenüs anbieten – endlich haben wir ein dafür passendes Timing!
- Wir ergattern noch einen Platz in einem sehr vollen Lokal am Hauptplatz und haben Glück, denn wir bekommen die zwei letzten Menüs, wobei es schon von der Beilage bissi weniger gibt und wir daher als Ausgleich noch eine andere Beilage bekommen.
- Nice! Es schmeckt mega, dazu (im Preis inkludiert) gibt es einen halben Liter Wein und wir genießen das Frankreich-Feeling und den Huzzle Buzzle, der uns umgibt.




- Von hier ist es nicht mehr weit zum Lac du Liez, an dem der Campingplatz liegt, auf dem wir heute in einem kleinen Häuschen/Fass übernachten.
- Einer der Wege steht komplett unter Wasser, so dass wir schon denken, wir müssen umdrehen und eine Alternativroute suchen, doch als wir auf eine nahe gelegene Brücke klettern, stellen wir fest, dass es eine nicht so weite Umgehung gibt und die Wege wieder zusammenführen – Puh!








- Beim Campingplatz angekommen checken wir ein und stellen fest, dass unser Häuschen ganz weit weg von der Rezeption und vom Schwimmbad (das es gibt!) liegt.
- Macht nix, es war ja unsere Erholungsetappe heute, also sind wir noch recht frisch und decken uns erst einmal im kleinen Supermarkt mit Essen für die nächsten Tage ein, bevor wir uns ins Schwimmbad begeben, das angenehme Plansch-Temperatur hat und das wir sehr genießen.



- Zum Abendessen gönnen wir uns Pizza und Bier. =)


Mittwoch, 8. Mai


“Op woensdag gaat de zon schijnen”
- schreibt unser heutiger Gastgeber, nicht notwendig zu sagen, dass es sich dabei um einen Niederländer handelt und er behält recht: Den ganzen Tag ist es zwar bisschen bewölkt, aber immer wieder zeigt sich die Sonne und am Nachmittag ist es sogar voll schön sonnig!

- Los geht es entlang des Lac du Liez auf wunderschön ebenen und gut gehbaren Feldwegen.
- Hier campen – ähnlich wie wir es oft im Delftse Hout gesehen haben – einige Angler am See.




- An einer Stelle queren wir einen Fluss und die “Brücke” besteht aus zwei nebeneinander gelegten Telefonmasten aus Beton, die sich aber ganz schön durchbiegen, als wir darübergehen.










- Schnell erreichen wir unser Ziel, Vicq, worüber wir schon sehr viel lachen mussten, da die Niederländer, die wir in Saint Ciergues getroffen haben, den Ort konsequent mit einem Fahnen-“F” vorne ausgesprochen haben…
- In Vicq erwartet uns schon unser Gastgeber, James, der uns das “Tiny House”, in dem wir übernachten, zeigt, das allerdings das Gegenteil von tiny ist.

- Nur rudimentär ist es wie ein tiny house: Es gibt nur ein Plumpsklo und die Dusche ist etwas ganz besonderes: Diese liegt draußen Richtung Pferdestall und ist eine Cowboy-Dusche: Man steht fast wie in einer Tränke (wie es sie so gibt für Viecher) und duscht sich mit einer Art Schlauch ab – crazy, aber cool!
- Das Haus ist ein richtig schön altes Steinhaus.
- James bringt uns später netterweise noch frische Zucchini vorbei, die wir mitsamt Nudeln, die wir im Schrank finden, zu einem leckeren Abendessen verarbeiten – njam!


- Dieses essen wir im Hinterhof, in dem ein toller großer Holztisch steht, den James aus einem einzigen Baumstamm gezimmert hat (“DAS war eine Arbeit!”)

- Talking Hands Meeting, dann noch vor dem Haus die letzten Sonnenstrahlen genießen und den aufziehenden Sternenhimmel bewundern.

Donnerstag, 9. Mai


Sonnenschein und wunderschöne Wiesen und Wälder
- Ausgedehntes Frühstück auf dem riesigen Holztisch im Freien.
- Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und es verspricht ein wunderschöner Tag zu werden.
- James kommt daher und fragt uns, ob es uns stört und schwupps grasen friedlich drei Pferde auf der Wiese direkt vor uns – mooi.

- Cool, wie man sie laut schmatzen und Gras abrupfen hört.
- Wir unterhalten uns mit James über Pferde und ich erzähle ihm, dass ich die Idee hatte, einen Esel zum Wandern mitzunehmen.
- Er meint, mit seinen Pferden sei er schon viel gewandert, das sei ein Leichtes, aber mit Eseln stellt er sich das deutlich schwieriger vor, die seien viel sturer und eigenwilliger.
- Wir schauen kurz, was sich so in der Familiengruppe tut, denn heute ist Lauras Konfirmation – da freuen wir uns natürlich mit ihr mit. =)
- Sonst ziehen wir dann im strahlenden Sonnenschein los auf eine ebenso schöne Etappe, die uns durch tolle Hügellandschaften, grüne Wälder und entlang von kleinen Tümpeln voller Kaulquappen bringt – wow!







- Viel Asphalt steht leider auch am Programm, da wir ja unterkunftstechnisch bisschen von der Originalroute abweichen mussten, aber bald schon erreichen wir wieder den GR7 und mit ihm Wiesen, Wälder und Gatsch.
- Für unsere Jause sind wir erleichtert, als wir ein schönes Platzerl im Schatten eines großen Baumes finden, denn die Sonne prallt ganz schön hinunter.


- Ebenso froh sind wir darüber, dass unser Weg großteils durch Wälder führt – die spenden Schatten und strahlen Kühle aus.
- An einer Stelle geht es steil bergab in eine Schlucht, wo wir ein Reh von ganz nahe sehen – ich glaube, so nah hab ich ein Reh überhaupt noch nie gesehen.







- Wir übernachten heute in Bourbonne-les-Bains, einer Thermenstadt, die uns an Bagnoles d’Orne erinnert.
- Der Ort ist total in die Jahre gekommen und mit ihm seine Bevölkerung…





- Wir übernachten in einem Hotel, das schon sehr schön ist – nicht so veraltet, wie wir es erwartet hätten – und wo es angeblich einen Pool gibt, der allerdings zur Zeit wegen Sanierung geschlossen ist – ooh.

- Abendessen im Hotelrestaurant und gute Nacht!




