
Von Bourbonne-les-Bains
in die Vogesen
Freitag, 10. Mai


Der Schokoeier-Hund (nicht Hase)
- Heute scheint die Sonne, und wie!

- Keine zwei Kilometer in der Etappe habe ich also wieder sämtlichen Sonnenschutz angezogen, eingeschmiert und aufgesetzt.



- Die Etappe hat rund 30 Kilometer, aber kein Problem – uns geht es gut und die Wege sind tolle, entspannte Waldwege. Langsam beginnen wir unser anfänglich angestautes 30-Kilometer-Etappen-Trauma zu bewältigen, scheint’s.
- Wir kommen so gut voran, dass wir uns bei Kilometer acht auf einem Bankerl mit wunderschöner Aussicht eine Snack-Pause gönnen und der Familie eine Nachricht schicken von dem wunderschönen Ausblick.

- Kurz nach der Pause biegen wir ab vom GR7, an dem wir keine Unterkünfte (60 Kilometer lang…) gefunden haben und machen stattdessen eine Variante, die dem roten Dreiecksweg folgt.






- Kaum sind wir auf den Weg abgebogen, denken wir uns: Ha, hier könnte genauso gut der GR verlaufen, denn es ist Gatsch, Gatsch, Gatsch und umgefallene Bäume und das Ganze wunderschön eingerahmt von Stacheldrahtzaun und Hohlweg.
- Immerhin, als wir von dem Waldweg auf die Straße kommen, sehen wir zum Trost einen Esel.
- Pünktlich bei Kilometer 16, von dem wir denken, dass er circa die Hälfte markiert, kommt ein Bankerl im Schatten daher, das wir gleich ergattern (OK, der Ansturm war nicht soo groß) und wo wir uns unser Baguette mit Pastete und Käse schmecken lassen.




- Wir packen gerade ein, als ein Hund seinen Kopf von hinten durchs Bankerl durchstreckt und mit seiner Zunge – schwupps – den letzten Kleckerer Pastete aufsaugt.
- Gut, dass ich den Rest schon eingepackt habe.
- Was wir allerdings nicht eingepackt haben und was jetzt am Boden liegt, sind die leere Packung Schokoeier (ein Oster-Abverkaufsartikel, der mich sehr erfreut hat), die wir mit Mist vollgestopft haben.
- Diese Packung sieht der Hund, schnappt sie sich total begeistert und rennt triumphierend damit davon.
- Bevor wir überhaupt richtig gecheckt haben, was los ist, ist er schon um die Ecke zum Hof verschwunden.
- Mmmh, sollen wir ihm nachrennen und unseren Mist wegräumen? Naa, lassen wir ihn, denken wir und setzen so unseren Weg, erleichtert um eine Schachtel Mist, fort.
- Kurz nach dem Ort sehen wir noch einige – von uns liebevoll Bratbankerl getaufte – Bänke (rote, metallische Bankerl in der prallen Sonne) und eine ist sogar besetzt!

- Der Weg führt uns durch weitere kleine Örtchen, eines davon hat ein steinernes, wunderschönes Waschhaus, das noch richtig gut erhalten ist und uns begeistert, denn es kommt kaltes Wasser aus dem Hahn, mit dem wir uns abkühlen.



- Nicht mehr lang und wir erreichen Monthureux und unser Hotel durch eine lange Landschaft von Feldern, auf denen ein sehr einsamer Bauernhof liegt.







- Im Hotel checken wir ein, duschen und essen im Restaurant, das sich wieder als überraschend gut und auch mit gehobener Küche herausstellt – mega!
- Dann klingt der Abend mit der Wachstumsrunde aus – voll schön!
Samstag, 11. Mai


Saint Marie?! Nein, Ba-ba-ba-ba-ba-banküberfall


- Erster Stopp heute ist beim Carrefour Express und der Boulangerie, wo wir uns für die nächsten Tage eindecken, in denen wir wieder viel im Nichts sind und es keine Orte, geschweige denn Supermärkte am Weg gibt.

- Wir erstehen frische Erdbeeren, die wir gleich bei unserer Pause auf einem Bankerl, das mitten im Wald auftaucht (?!?!), verdrücken – mega!


- Wahrscheinlich, denken wir uns, ist das Bankerl da, weil sich hier eine alte Eisenbahnbrücke befindet, von der aus man Bungee Jumpen kann.











- Anscheinend führt hier auch eine Voie Verte entlang und eine Mountainbikestrecke, die aber SEHR wild ausschaut.
- Von der Voie Verte aus kommt uns eine radfahrende Familie entgegen, die auf die crazy ausschauende Mountainbike-Strecke abbiegt – und das mit zwei jüngeren Kindern (ich schätze eher jünger als zehn, aber bin notorisch schlecht im Alter Schätzen – erst recht von Kindern) und einem Fahrradanhänger!

- “Das könnte meine Familie sein”, sage ich zu Matthäus und er stimmt mir zu.
- Wir fragen uns: Sollen wir sie warnen? Na, sie werden es schon merken, denken wir dann, denn sie rasen eher an uns vorbei, als dass sie in angenehm gemütlichem, gesprächsreifem Tempo unterwegs sind.
- Es geht viel durch Wälder heute, wofür wir dankbar sind, denn es ist richtig warm geworden und die Sonne prallt vom Himmel.

- In einem Tal liegt ein “Ort”, der aus drei Höfen besteht und Sainte Marie heißt, was wir natürlich super lustig finden.




- Hier begegnen wir auch wieder unseren Radfahrern, die offenbar umgedreht sind (wenig überraschend) und uns jetzt wieder einholen.
- Bei einem Spielplatz am Weg gibt es eine mega Schaukel, die ich sofort quietschfidel nutze.
- Nach unserer Pause kommen wir wieder auf einen größeren Forstweg, auf dem offenbar gerade Holzarbeiten im Gange sind, was mega spannend zu sehen ist – all die großen Maschinen!

- Hier begegnen wir schon wieder unserer Radler-Familie, wo beide Eltern mittlerweile dazu übergegangen sind, sehr verzweifelt auf ihr Handy zu schauen – oje…
- Sainte Marie ist definitiv nicht Programm, denn bei der Sonne hab ich mein Banküberfall-Outfit angezogen und als ich so in eine Bank hineinlatsche, komme ich mir doch etwas komisch vor.
- “Denkst du, wenn ich jetzt zum Bankomaten gehe, kommt die Security?”, frage ich Matthäus und probiere es aus – alles geht gut, ich bekomme sogar Geld (nachdem ich meine Bankomatkarte hineingeschoben habe und niemand anders ausgeraubt habe als mich selbst).
- Entspannt kommen wir am Nachmittag bei unserer Unterkunft bei Niederländern “Tussen de Bronnen” an, wo uns Michel schon begrüßt und uns alles zeigt.



- Michel erzählt begeistert, er habe schon öfters den Dekan der TU Delft beherbergt: “Und der schlaft sogar im Zelt, stell dir vor!” Ich solle ihm schöne Grüße ausrichten (aja, sicher, mach ich in meinem nächsten Kaffeeklatsch mit ihm, den wir regelmäßig abhalten…)


- Zum Table d’Hotes essen wir gemeinsam mit anderen Gästen, einer belgischen Motorradgruppe und zwei Niederländern, mit denen wir uns super unterhalten.
- Die beiden waren ursprünglich auf Durchreise in den Süden hier (ah, das kennen wir, das Prinzip), sind aber hier hängengeblieben, meinen sie lachend und kommen nun seit einigen Jahren regelmäßig hierher, weil es ihnen so gut gefällt.
Sonntag, 12. Mai – Muttertag!


L’Escargoterie – die Schneckenfarm
- Frühstück mit den Niederländern, die allerdings alle in totaler Aufbruchstimmung sind und ein bisschen Nach-Urlaubs-Depressionen an den Tag legen.
- Als wir allerdings beim Frühstück besprechen, dass heute ja Muttertag ist, meint Patricia: “Jeden Tag sollte Muttertag sein!” – stimmt <3, wo sie Recht hat, hat sie Recht.
- Zu dem Anlass rufe ich also gleich die Mama an, die gerade in Gerasdorf ist und mit der ganzen Familie (außer mir…) versammelt – der Papa hat sogar eine Torte gebacken – moooi, da krieg ich gleich Vermiss-Family-Depression.
- Damit starten wir, nachdem wir uns von Miranda und Michel, wirklich tollen Hosts, verabschiedet haben, auf die heutige Etappe, die uns zunächst über wunderschöne Sträßchen in einen Wald hineinführt.

- Darüber sind wir in Anbetracht der hinunterprallenden Sonne wieder einmal sehr dankbar – man muss schon sagen, wir haben herrliches Wanderwetter zur Zeit.



- Der Zubringerweg zum GR 7 ist recht wild und führt uns bisschen durchs Unterholz, aber der GR 7 ist heute ein richtig schön dicker Waldweg, den man eigentlich nicht übersehen kann (obwohl wir trotzdem auf ersten Anhieb falsch abbiegen…).







- Gemütliche Mittagspause mit Baguette und Tapenade machen wir im Schatten, bevor uns unser Weg zum Canal de Vosges und dort die Radroute, die “Voie Bleau” entlang führt.




- Wanderer oder Spaziergänger sind wir bisher keinem begegnet, dafür treffen wir auf einige Radfahrer hier an diesem sonnigen Sonntagnachmittag.
- Über kleine Sträßchen erreichen wir die Ausläufer von Uzemain, wo wir heute unterkommen: Wir haben etwas ganz Besonderes gefunden: Eine Schneckenfarm, auf der ein Tiny House steht.






- Super toll und es schaut genauso aus, wie es klingt: Anne Marie empfängt uns und zeigt uns das Tiny House und fragt, ob wir später eine Schneckenverkostung machen möchten – natürlich!





- Nach dem Duschen also schauen wir zu ihr hinauf auf die Terrasse, die wunderschön in der Sonne liegt und wo sie uns sogleich ein Glaserl Wein einschenkt (Rosé vom Markt) und schon einen Schnecken-Aperitiv vorbereitet hat.




- Wir probieren uns durch Schnecken in Butter mit Kräutern und Schnecken mit getrockneten Tomaten und probieren sogar Schnecken mitsamt Schale.
- Alles ist wirklich köstlich und super lecker – die Schnecken ham eine ähnliche Konsistenz wie Muscheln und sind sogar noch ein bisschen geschmackvoller als diese.
- Anne Marie erzählt uns, dass sie viele Gäste aus den Niederlanden, Deutschland und der Schweiz hier hat und die meisten gar nicht die Kostprobe möchten.
- Wir lachen und meinen, dass man bei uns auch gar keine Schnecken isst, sondern das etwas echt Französisches ist.
- In Frankreich isst man sie gerne, meint Anne Marie – vor allem zu Weihnachten sei es Tradition.
- Die Schneckenfarm betreiben ihr Mann und sie seit einem Jahr, letzte Saison war also ihre erste, nachdem ihr Mann ein bisschen aus dem Blauen heraus beschlossen habe, seinen Job an den Nagel zu hängen und stattdessen eine Schneckenfarm aufzubauen.




- Am 20. Mai, erzählt Anne Marie weiter, werden die Babys hinausgesetzt und bleiben und gedeihen dann bis Oktober und dann – njam, njam!
- Sie zeigt uns auch ein besonderes Schnecken-Exemplar mit ganz geschwungenem Haus – wow, voll schön, aber auch unpraktisch für die Schnecke wahrscheinlich.

- Nach dem tollen Erlebnis verbringen wir einen gemütlichen Abend im Tiny House, beobachten wieder ein tolles Gewitter, lesen, rätseln und unterhalten uns über Schnecken und Essensbräuche.




Montag, 13. Mai – Fatimatag (sagt Opa)


Race zum Supermarkt
- Wir werden von der Sonne geweckt, die ins Tiny House hineinscheint. =)
- Während wir gemütlich Frühstück im Bett machen, beginnt es zu regnen und wir denken schon: “Oje, das wird was”, doch bis wir eingepackt und noch eine schnelle Buchungs-Session gemacht haben, hat es auch schon wieder aufgehört.
- Kurz vor 12 Uhr starten wir also los und verabschieden uns schweren Herzens vom Tiny House, von der Schneckenfarm und von Anne Marie, von der wir noch einige Schneckenpasteten als Proviant besorgen – eine echt besondere Unterkunft!


- Die Wege, über die uns der GR 7 heute führt, sind – wenn auch schlecht beschildert – wunderschön.





- Die Landschaft wird hügeliger und bekommt ein eher gebirgiges Flair – wir steigen auf und ab in Täler, durch die kleine Flüsse fließen.


- Außerdem kommen wir an einigen Quellen vorbei, die tolle Erfrischung bieten, worüber wir heute – an diesem erneut sonnigen, heißen Tag – schon sehr dankbar sind.








- Wir kommen durch kleine Orte, die aus verstreuten Höfen mit Kuhweiden dazwischen bestehen, durch die kleine einspurige Sträßchen führen, die auf beiden Seiten von Holzzäunen eingerahmt werden, was in dem sommerlichen Wetter dem ganzen einen sehr schönen und idyllischen Charakter verleiht.




- Ganz in Ruhe genießen können wir die Landschaft allerdings nicht, denn die Supermärkte in Remiremont machen um halb 8 zu und mit Lieferservice schauts – bis auf einen traurigen MCi – schlecht aus.



- Daher starten wir gewissermaßen einen Endspurt zum Ort hin und schaffen es tatsächlich noch rechtzeitig zum Supermarkt im Ort, wo wir uns mit Abendessen Zutaten, das wir dann in der Wohnung, in der wir heute unterkommen, zubereiten und genüsslich verspeisen.
- Unsere Hosts sind ein bisschen kompliziert und wollen die Wohnung unbedingt persönlich übergeben (und eine Kaution von 500€ in bar!), doch da wir wandern, nicht vorhersagen können, wann wir ankommen, und meistens nicht zuverlässig Empfang haben, ist das voll das Hin und Her.
- Am Ende müssen wir ein ganz schönes Zeiterl auf sie warten, da sie nicht in Remiremont selbst wohnen – aber immerhin scheint die Sonne – bisschen mühsam finden wir es trotzdem (nicht sehr nice nach einem langen Wandertag und schon Abendessen-hungrig auf kalten Steintreppen herumzusitzen und zu warten…)
- Patricia, die eigentlich sehr nett ist, zeigt uns alles und meint bei der Waschmaschine “Die werdet ihr eh nicht brauchen” – Dude, deswegen haben wir die Wohnung doch überhaupt gebucht!


- Wäsche waschen, kochen, Klettern schauen und gute Nacht!
Dienstag, 14. Mai


Bain Nordique und Le Dôme
- Los geht’s und unser erster Stopp ist der Supermarkt, wo wir uns schon wieder – diesmal etwas sortierter – eindecken mit Essen für die nächsten Tage in den “Bergen”, also rund um den Ballon d’Alsace.


- Da finden wir auch ein “Marie Thérèse” Bier, was mich natürlich total begeistert, wovon wir gleich ein, zwei Flaschen mitnehmen für unseren heutigen Abend, an dem wir uns eine luxuriöse Unterkunft gegönnt haben: Eine Kugel mit Hot Tub!
- “Bier zum Wandern?!” meint Matthäus, “Na gut, aber du schleppst es den Berg hinauf!”, und sicher – der Challenge fühl ich mich gewachsen!







- Daraufhin habe ich zu Matthäus’ absoluter Freude (not) den ganzen Aufstieg lang einen Ohrwurm von “Und ich taufe meine Kinder mit Bier”… (wobei ich das “mit” immer mit “nach” ersetze).
- Hier im Alsace sind die Wanderwege mit bunten Symbolen markiert, was bisschen Farbe und eine nette Abwechslung zu den rot-weiß gestreiften GR Markierungen bringt.
- Außerdem beginnen – kaum haben wir Remiremont verlassen – kleine gebirgige Bergpfade – ein Wandertraum!



- Wir sind begeistert, genauso wie wir uns freuen, mal Höhenmeter machen zu können – ein steiler Aufstieg steht gleich zu Beginn der Etappe an und bringt uns nach all den flachen Kilometern, die wir in den Beinen haben, ganz schön ins Schnaufen!
- Der Ausblick, den wir dann auf Remiremont haben – wenn auch durch den dichten Wald – macht die Mühen bezahlt.

- Das Wetter ist auch wieder einmal herrlich – so kommt der Wald wunderschön grün leuchtend echt zur Geltung!
- Hie und da kommen wir an Felsen vorbei, die mich gleich in Kletter- und Boulderlaune versetzen.




- An einer Stelle sehen wir in der Ferne schon die höchste Erhebung der Vogesen, den Ballon d’Alsace, auf den unser Weg uns auf der Etappe übermorgen hinaufführt.
- Die Etappe ist kurz, denn wir wollen den Hot Tub maximal nutzen natürlich – trotzdem brauche ich einmal ziemlich abrupt eine Pause – glücklicherweise taucht in dem Moment ein Bankerl an einem See auf.

- Matthäus packt gerade noch Essen aus, da bin ich genauso abrupt wieder ready zum Weitergehen – zur Kugel! Seufzend packt Matthäus alles Essen wieder ein…
- Diese ist so toll, wie wir es uns vorgestellt haben – voll schön gemacht und man schlaft fast im Freien – aber doch nicht!



- Während der Hot Tub noch aufheizt, machen wir eine Nachmittagsjause mit Kaffee und Tee und ich schreib bisschen.




- Dann denken wir: “So, jetzt könn ma in den Hot Tub!”, doch es stellt sich heraus: Ich bin es definitiv gewohnt Hot Tubs in subpolaren Regionen zu beheizen und hab so sehr angefeuert, dass das Wasser jetzt mehr als 40°C hat! Man kann Hot Tubs also auch zu heiß heizen!

- Daher müssen wir ihn erst noch auskühlen lassen, wir haben ja schließlich keinen Schnee bei der Hand, den wir hineinwerfen könnten zum Abkühlen.

- Derweil gönnen wir uns ein Abendessen, machen schon einmal das Bier auf und schaffen es dann doch noch im Hellen in den Hot Tub hinein, der allerdings immer noch so heiß ist, dass wir immer wieder zum Abkühlen hinaus müssen.




- Am Schluss genießen wir den Sternenhimmel im Hot Tub und schlafen später schön gewärmt unter dem Sternenhimmel im gemütlichen Bett ein – mega!
