E5 Etappen 101-105

Vom Lochbauer

nach Palú im Fersental

Samstag, 15. Juni 

Wellnesstag mit Vivian (und Farzam)

  • Gemütliches Frühstück von 8:00 – 10:00 Uhr (voll ausgenutzt) mit Riesenauswahl – alles bio und regional, versteht sich.
  • Außer Jacuzzi, Sauna und Entspannen steht heute nichts am Programm und das tut auch mal ganz gut.
  • Zum Abendessen spazieren wir dann doch zu einer nahegelegenen Alm (was wäre ein Tag ohne Wandern), die anscheinend eher von lokalen Leuten genutzt wird, wir Fremde fallen sofort auf. 
  • Insgesamt ist die Gaststube sehr urig.
  • Vivian fragt nach Salat mit Löwenzahn oder Bergkräutern und Brennesselknödeln, aber da hätt’ ich ihr schon beim zur Tür Hineinkommen sagen können, dass der Wirt eher etwas von “Schweinsbraten mit Knödel” oder “Zwiebelrostbraten” versteht und ihm der Wunsch nach Bergkräutersalat eher suspekt vorkommt.
  • Wir bestellen also Bier (obwohl Vivian sich unbeirrt einen Spritzer irgendeiner Art gönnt) und lassen uns das deftige Essen schmecken. 
  • Einen Stammtisch gibt es selbstverständlich auch – “Dohogandedeoiweidohogan” – wir übersetzen für Vivian: “Da sitzen die, die immer da sitzen”. 

Sonntag, 16. Juni 

Ötzi aus dem Eis 

  • Gemütliches Frühstück, einpacken, uns von Farzam, Astrid und Alexander (unsere Hosts) verabschieden und dann geht’s auch schon los. 
  • Vivian kommt das erste Stück der Etappe mit uns 🙂
  • Über Almwiesen und teils kleine, überschwemmte Wege geht es hinauf zum Ort Langfern, der aus einer Kirche und einem Gasthof besteht. 
  • Von hier aus führt ein Netz aus breiten, gut befestigten, kinderwagentauglichen Wanderwegen über die Anhöhe.
  • Vivian begleitet uns noch ein Stück entlang der Wege und langsam bahnt sich auch schon die Sonne ihren Weg durch die dichte Wolkendecke. 
  • Bis Jenesien gibt es keine Einkehr mehr, deshalb beschließt Vivian doch umzudrehen und wir legen das letzte Stück nach Jenesien und dann den Abstieg nach Bozen alleine zurück. 
  • Der Weg ist steil, aber kurz, dafür sehen wir am Weg “Sarumans Turm” – sehr beeindruckend. 
  • In Bozen tummelt es sich an diesem mittlerweile wunderschön sonnigen Sonntagnachmittag nur so in den Straßen und wir schieben uns durch die Menschenmassen Richtung Südtiroler Archäologiemuseum, das – dank Wetter – erfrischend leer ist.
  • Das Museum ist super gut aufbereitet und eine 5000 Jahre alte Leiche mitsamt spannendem Kriminalfall und fesselnder Geschichte anzuschauen, kann nicht anders als uns beeindrucken – toll! 
  • Krass ist, dass man tatsächlich die Pfeilspitze noch im Körper stecken sieht und diverse Knochenbrüche, die Ötzi hatte, gut erkennbar sind. 
  • Es gibt auch eine Webcam vom Fundort (der ca. auf 3000m Höhe in der Nähe des Similauns liegt, aber mehr dazu später), bei der wir beschließen: Da möchten wir auch später mal auftauchen, wenn wir an der Fundstelle vorbei wandern.
  • Ab ins Youth Hostel, wo wir übernachten – entspannt zu zweit im Zimmer und gemütlicher Abendausklang mit lauwarmer Sommernacht am Balkon.

Montag, 17. Juni 

Bo-Extreme Aufstieg: 800 Höhenmeter in 2km (“ein mittlerer Berglauf”)

  • Der Tag startet mit einem unterhaltsamen Frühstück im Bozener Youth Hostel, bei der wir verwundert das sehr rege Treiben einer riesigen Asiatischen Reisegruppe beobachten, die anscheinend hier auch untergekommen ist – am anderen Tisch sehen wir eine etwas gehangovert aussehende Jugendgruppe lethargisch frühstücken – eine interessante Mischung aus Leuten, die im Youth Hostel übernachten.
  • Heute lassen wir zu unserer Erleichterung den heißen Bozener Talkessel hinter uns und steigen wieder auf in die Berge – allerdings nicht ohne vorher eine vierspurige Straße in einer Kurve zu queren, um auf den Wanderweg zu gelangen – Hallo, Italien!
  • Wir erreichen die Talstation der Kohler Seilbahn, einer der ältesten Seilbahnen der Welt, die uns heute in 7 Minuten zum Gipfel bringen könnte. 
  • Wir lassen sie aber natürlich links liegen und folgen stattdessen dem “Bo-Extreme” Berglauf-Weg, der von den hiesigen Bergläufern angeblich als Trainingsstrecke genutzt wird (wir sehen niemanden) und uns in 2km über 800m den Berg hinauf führt. 
  • Der Weg ist dementsprechend steil, teilweise ausgesetzt, hie und da mit Stahlseilen gesichert und führt geradewegs unter der Seilbahn hinauf – hie und da kraxelt man mit Händen und Füßen über Felsen – ein richtiger Steig. 
  • Trotzdem finden wir im Internet einen Blogeintrag zu dem Berglauf von einem Trailrunner, der die technische Anforderung des Weges mit Schwierigkeit 3 von 5 bewertet und wir fragen uns, was der sonst so rennt – den Cottbuser Höhenweg?!
  • Oben ist dank Seilbahnstation viel los, zu viel nach unserem Geschmack, also ziehen wir weiter zur Schneiderwiesen Alm, wo wir einkehren. 
  • Das Essen ist RICHTIG gut – eines der besten bisher in Italien – wir sind begeistert!
  • Die Ausblicke, die man von hier in der Höhe aus hat, sind auch großartig und die Wege verlaufen wunderschön durch Wald und Wiese.
  • Ein Hochmoor gibt es hier auch, da wachsen ganz besondere Pflanzen, die wir sonst noch nicht am Weg gesehen haben – sehr spannend und schön anzusehen.
  • Wir erreichen einen gesperrten Weg, wobei ich meine: “Nein, nein, das Zeichen steht neben dem Weg, der ist schon offen!” – Naja, der Weg ist voller umgefallener Bäume und man sieht förmlich die Sturmschäden und einmal müssen wir an Holzarbeiten vorbeihatschen, die gerade im Gange sind (aber zum Glück sind die Holzarbeiter uns wohlgesinnt und wir kommen ohne Probleme daran vorbei – der Vorteil als Fußgänger). 
  • Wir erreichen Maria Weißenstein/ Pietralba, wo wir in einem ur fancy Hotel unterkommen, dass erstaunlich günstig ist – mit Halbpension 70€/Person. 
  • Abendessen, Kloster im Abendlicht betrachten, lesen, Abend ausklingen lassen und gute Nacht! 

Dienstag, 18. Juni 

Zeitreise durch mehrere Millionen Jahrhunderte

  • Frühstück gibt es im Hotel, das wir natürlich in vollen Zügen genießen und dann recht früh aufbrechen auf unsere lange Etappe. 
  • Zuerst besuchen wir noch die Klosterkirche, die sehr barock ist. 
  • Dann lassen wir die angenehme Kühle der Kirche hinter uns und starten in der prallen Sonne auf der 1200m gelegenen Hochebene los – in die doch spürbare Hitze. 
  • Bei der ersten kleineren Steigung am Start treffen wir sogleich andere E5 Wanderer, die heute bis Truden wandern wollen – nice! 
  • Nicht lang und wir erreichen das Geoparc-Bletterbach-Zentrum. 
  • Hier bekommen wir Helme für die Durchquerung der Bletterbachschlucht und eine Erklärung, wo genau der Weg entlangführt, wobei der Typ meint: “Ich empfehle euch diesen zu nehmen, da braucht man nur eine Stunde länger und sieht viel mehr.” – “Na wenn wir schon mal hier sind”, sage ich und beschlossen ist’s. 
  • Mit wunderschönen Ausblicken über die faszinierende Schlucht, durch Gesteinsschichten, die die Geschichte von über 250 Millionen Jahren erzählen, steigen wir über einen recht steilen, aber gut gesicherten Steig ab – hinunter in die Schlucht und zum Bachbett voller Geröll. 
  • Der Guide hat Recht: Es lohnt sich und wie im Grand Canyon wirkt die Größe der Schlucht erst so richtig auf uns, als wir ganz unten sind und die hohen Felswände uns umrahmen. 
  • Als wir sehen, wie die Leute über die Steine im Bachbett balancieren (oder kugeln eher), verstehen wir all die Warnungen bezüglich “Trittsicherheit und festes Schuhwerk erforderlich”. 
  • Das Naturspektakel ist allerdings ungetrübt schön und zu schnell kommt die Abzweigung nach links hinauf und hinaus aus der Schlucht – ab in den Ort Radein, wo ein weiteres Besucherzentrum und Museum ist und wo wir unsere Helme zurückgeben. 
  • Während wir im Museum einen Film anschauen, kommt eine Gruppe Schweizer hinein und diskutiert neben der – unglücklicherweise im Kinosaal platzierten – Helm-Ausborge- und -Rückgabestelle lautstark, welcher wohl am besten passt (wie kann das bitte so schwierig sein, besonders da die Helme, wie uns der Typ im anderen Zentrum erklärt hat, One-Size Modelle sind, die man selbst einstellen kann. 
  • Wir steigen ab nach Truden, nur um dann auf der anderen Seite wieder aufzusteigen und zwar mehr als 1000 Höhenmeter zur Horn Alm, die zu meinem totalen Missmut schon geschlossen ist, als wir endlich oben ankommen. 
  • Vorbei am Weissensee, der mittlerweile fast nur noch Sumpflandschaft ist, steigen wir wieder ein bisschen ab und dann auf zurück zu der Hochebene, von der aus wir heute losgestartet sind. 
  • Einchecken im Gasthaus Fichtenhof, Abendessen und total müde nach der langen Etappe ins Bett! 

Mittwoch, 19. Juni 

Der Heilige See

  • Das eigentlich tolle Frühstück mit großartiger Aussicht wird bisschen in den Schatten gestellt von den Tiraden, die unsere Gastwirtin und die Frühstücks-Herricht-Dame abwechselnd loslassen über “die da oben” (wer auch immer das sein mag), den Fakt, dass sie durchs Steuerzahlen ausgenommen werden, die Monokultur (“Im Tal, alles Monokultur!”), “Die Tiere, die nicht als Lebewesen betrachtet werden!” (Hä?! fragen wir uns, was meint sie, und ein bisschen ambivalent außerdem, als sie das ausgerechnet da sagt, während sie uns eine riesige Wurstplatte fürs Frühstück hinstellt.)
  • Wir sind erleichtert, als wir uns verabschieden und weiterziehen – nur mein optimistisches Weltbild, das alle Menschen im Grunde genommen gut sind, hat einen kleinen Dämpfer bekommen. 
  • Immerhin erscheint gleich nach Gfrill ein Kräutergarten und Kneippbad, durch das man barfuß waten kann, was die Stimmung wieder bisschen hebt. 
  • Spätestens als wir uns einen Kaffee im total netten Rifugio Potzmauer gönnen, ist die gute Laune wiederhergestellt, vor allem da die Wirte total cool sind. 
  • Auf halbem Weg heute liegt der Lago Santo, der Heilige See, um den sich allerlei absurde Legenden ranken, wie er entstand.
  • Fakt ist: Der wunderschön gelegene See ruft in der angestauten Hitze nur danach, dass wir hineinspringen und ein Bad im kühlen Wasser nehmen, was wir sogleich tun und selig unter der Sonne Seele und Körper entspannen.
  • Nach einer Jause bestehend aus Grissini mit Salametti ziehen wir über teils steile und über glitschige Steine führende Wege – eine Bergschule/ Reisegruppe überholend – weiter, als uns ein paar Italienische Jugendliche entgegenkommen (in Badeschlappen) und nach einer ungefähren Zeitangabe für den Weg bis zum See fragen.
  • Als wir aus dem kühlen Wald auftauchen, eröffnet sich vor uns ein wunderbarer Blick auf wunderschön auf Hügeln gelegene Orte mit den so charakteristischen, italienischen Steinkirchen und auf die Weinberge, auf denen viel Müller-Thurgau angebaut wird. 
  • Spätestens als wir den Ort Fane erreichen, haben wir das Gefühl wir haben auf einen Schlag Italien erreicht – hier herrscht kein Zweifel mehr: Enge Gassen, Steinhäuser zwischen denen sich kleine Brücken spannen, Wäsche, die aus dem Fenster und über die Straßen hängt, und in der Luft hängende Hitze, die sich anfühlt, als könnte man die Luft schneiden.
  • In Fane setzen wir uns in ein Café, gönnen uns Kaffee und Eis und ziehen gestärkt weiter, um in den Bergen kurz nach Fane eine Gruppe von älteren Menschen zu treffen.
  • Diese sprechen uns sofort begeistert und wild gestikulierend auf Italienisch an. 
  • Ungeachtet der Tatsache, dass wir kein Italienisch sprechen, reden sie weiter auf Italienisch auf uns ein, sind ganz aufgeregt, unterbrechen sich gegenseitig als sie uns wild gestikulierend und deutend erklären, wo der Weg weitergeht – dank Gestik und Lateinunterricht verstehen wir sogar in groben Zügen, was sie uns sagen wollen. 
  • Wir steigen – ganz nach ihrer Anweisung – ab zum Fluss, den wir über eine Brücke queren, und biegen ab zum Schloss, von dem nur noch eine Ruine übrig ist – aber besonders die rundum liegenden Weinberge lassen erahnen, wieso sie Dürer so fasziniert haben, dass er sie auf einem Bild festgehalten hat.
  • Letzter Aufstieg nach Segonzano, der wie gewohnt sehr steil ist und schon finden wir das “Casa Bianca”, das weiße Haus, in dem sich unser Hotel befindet. 
  • Ganz so schnell finden wir es nicht, obwohl uns die Italiener am Weg genauestens erklärt haben, wo es liegt und wie wir es erkennen: “Bianca, bianca!” – Jetzt, wo wir in Segonzano sind, muss ich darüber lachen, denn die Hälfte der Häuser in dem Ort sind weiß! 
  • Wir checken ein und freuen uns wie Hutschpferde als wir den Pool entdecken – nice, eine Abkühlung! 
  • Abendessen und gute Nacht! 

Donnerstag, 20. Juni 

Die Piramidi von Segonzano

  • Heute haben wir einen langsamen Tag und lassen uns gemütlich Zeit, da die Etappe nicht so lange ist und das Frühstück mit frischem Obst sehr, sehr lecker.
  • Zuerst führt unser Weg uns durch die Felsformationen der Piramidi von Segonzano, die wir von unten aus durchgehend nach oben aufsteigend durchqueren, was echt ein Erlebnis ist.
  • Diese beeindruckenden Steinpyramiden sind auf natürliche Art und Weise entstanden – und stehen in tollsten Formen in den Himmel. 
  • Durch teilweise recht verwilderte Wege abwechselnd mit Landstraßen erreichen wir den Passo Redebus, wo wir sogleich einkehren, uns Kaffee und Kuchen gönnen und wilden Motorrädern beim um die Kurve Rasen zuschauen.
  • Es beginnt zu regnen, doch bald schon kommen wir wieder in den geschützten Wald und obwohl die Berge niedriger werden, sind die Aussichten wunderschön.
  • Schließlich erreichen wir Palu, wo wir in unserer Unterkunft eine E5-Wandergruppe, die sechs Tagesetappen ab hier geht (nach “Verona”, versichern sie uns alle) treffen. 
  • Wir können uns am besten mit dem Bergführer unterhalten, was Sinn ergibt, da er sich wie wir Gedanken über die morgige Etappe macht, das Wetter, den Zustand der Wege, etc. und selbst schon einige Abschnitte des E5 über die Alpen gewandert ist, worüber wir uns begeistert mit ihm unterhalten.

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