
Von Josselin
Zum Etang de Neal
Mittwoch, 20. März


Skulpturenpark und Tunnel
- Das Frühstück ist natürlich wie immer großartig, besonders da wir es heute mit Blick aufs Château Josselin genießen.

- Zuerst einmal haben wir dann das New Hope-Talking Hands Meeting, bevor wir recht spät los starten den Kanal entlang – anstatt irgendwelcher Schleifen irgendwohin, die unser Weg machen möchte.

- Gleich beim Stadtausgang entdecken wir ein Waschhaus, das man früher zum Wäschewaschen genutzt hat.








- Das Stück entlang des Kanals heute ist wieder sehr schön.
- Es gibt natürlich Pausen und zwar wahre Gourmet-Pausen mit Rehrücken, Popcorn und Cabanossi.


- Ein Stück des Weges ist so eine Art Künstlerweg, wo allerlei Holzschnitzereien am Wegesrand stehen.





- Da gibt es sogar einen Tunnel, durch den der Weg führt, mit einem Schild beim Eingang “Attention passage glissant”.

- Das könnte das Motto des gesamten GRs sein.
- Das Schild ist dort nicht ohne Grund: Es ist super rutschig.


- Nachher führt der Weg uns über ein Stück Voie Verte und einige kleine Sträßchen.





- Bald schon erreichen wir das Städtchen Ploermel.

- Dort haben wir via Booking ein Appartement gebucht, das wir zwar auf Anhieb finden, dann stimmt aber weder der Schlüsselcode noch ist irgendwer per Telefon erreichbar – na super…
- Da stehen wir also vor verschlossener Tür und fragen uns: Was jetzt?!
- Vor lauter Verzweiflung und weil wir uns kurz fragen, ob das Ganze ein Scam ist, rufen wir die Booking-Hotline an und berichten ihnen, was Sache ist.
- Es funktioniert super und die Mitarbeiterin, das muss man lassen, ist sehr kompetent.
- Booking gibt den Hosts eine halbe Stunde zum Reagieren und diese halbe Stunde verbringen wir mit Einkaufen.
- Retour mit den Einkäufen sitzen wir schon wieder uns leicht dumm vorkommend vor dem Appartement, als auf einmal ein Typ daherkommt und meint, er habe uns auf seiner Kamera gesehen und sei übrigens der Host.
- Freundlicherweise öffnet er uns also endlich die Tür und als ich den Fernseher mit YouTube-Funktion direkt vor dem Bett entdecke, bin ich zumindest etwas versöhnt mit dem Appartement.
- Wir kochen Tomaten-Mozzarella-Nudeln und genießen diese im Bett, während wir Klettern schauen – nice!

Donnerstag, 21. März


Die Gralskirche und die weiße Lady
- Frühstück in der Unterkunft mit Klettern schauen. 🙂
- Besuch beim Bäcker fürs zweite Frühstück – made my day mit super gut gelauntem Bäckereiverkäufer.
- Kurzer Zwischenstopp beim Intersport – heute Früh hab ich festgestellt: Mein Wandersocken hat ein Loch – besser hätte das Timing nicht sein können!

- Wandersocken sogleich erstanden – auf geht es auf die Voie Verte entlang des Sees.
- Herrliches Wetter, die Sonne kommt heraus und strahlt vom Himmel.




- Wir kommen an Fabiennes ehemaliger Schule, dem Lycee agriculture vorbei, wo gerade ein Mud-Run stattfindet, schaut und hört sich nach einer riesigen Gaudi an – mit Gatschrutsche und allem.
- Kontrastprogramm gibt es gleich gegenüber in Form eines sehr gepflegten Golfplatzes, auf dem eine Handvoll Leute eher träge und Golfwagerln vor sich hinschiebend entlangschlurft.
- Obwohl es Donnerstag ist, sind – wahrscheinlich dank des schönen Wetters – viele Menschen draußen unterwegs: Radfahrer, Läufer, Spaziergänger.






- Radfahren scheint in Ploermel übrigens der Trend-Sport zu sein: Wir sehen einige Rennrad-Rudel und Mountainbike-Gangs.
- Nach dem See gehen wir (eine Schleife des Weges auslassend) auf kleinen Straßen und Wegen direttissima nach Treherontec, einem kleinen, unscheinbaren, aber sehr malerischen bretonischen Dorf mit tollen Steinhäusern, wo sich angeblich die Gralskirche befindet (“das kann ja jeder behaupten”) – auf jeden Fall markiert der Ort den Start des Teils unseres Wanderweges, der uns ins sagenumwobene Foret-de-Broceliande-Gebiet führt, wo die Artuslegenden – so wird gemunkelt – ihren Ursprung haben.









- Das erste, was mir ins Gesicht springt, als wir den Ort erreichen – dreimal dürft ihr raten – ist ein Café, in das wir uns sogleich begeben.


- Das von einem Belgier geführte Café ist klein und fein und hat obendrein tolle Musik (gerade spielt es eine Jazz-Version von “Another brick in the wall”).
- Die Gralskirche ist nett, allerdings finden wir drinnen weder den Gral noch die düstere Stimmung, die man sich von so einer sagenumwobenen Kirche im Dan-Brown-Stil doch erwartet hätte.



- Auf geht es auf einen Rundweg, über den der GR 37 führt, vorbei am Goldenen Baum und zum Feenspiegel – ein See, der sehr ruhig und schön in einer Senke liegt.

- Um dorthin zu gelangen, muss man allerdings eine ganz schöne Kraxel-Partie über Felsen hinlegen – crazy für den Mainstream-Touristenweg.




- Apropos: Die Hälfte des Rundweges, vor allem der Teil hinein ins “Tal ohne Wiederkehr”, ist dank Jagdsaison bis Ende März gesperrt.
- “Wow”, meint Matthäus, “sie sperren ihre Haupt-Touristenattraktion wegen der Jagd!”
- Und damit auch unseren Wanderweg.
- Kurz sind wir ratlos, denn es gibt auch kein Schild “Umleitung”, doch wieder einmal sind wir froh in Zeiten des Internets einfach nachschauen zu können und finden tatsächlich auf Komoot einen Weg, der sogar eine Abkürzung ist.











- Auf schönen Waldwegen gelangen wir zum Schloss Trécesson, das nicht über der Landschaft thront, sondern im Gegenteil sehr versteckt ist.
- Erst wenn man um die Kurve biegt, erblickt man es – vorher ist schwer zu erahnen, dass sich hier ein Schloss befindet.


- Es liegt wunderschön umgeben von Wasser und ist schon prächtig – es ist bewohnt, lesen wir nach, und in Privatbesitz.
- Schon allein dank seiner Lage ist es natürlich sagenumwoben.

- Matthäus holt sein Handy heraus und liest von ein paar Geschichten und Legenden, die sich um das Schloss ranken.
- “Sicher von einer weißen Lady”, meine ich und Matthäus bestätigt: “Von einer weißen Lady, die bei Vollmond am Dach erscheint.”
- Wir schauen nach, doch leider ist nicht Vollmond.
- Unsere Unterkunft ist ganz in der Nähe in einem Kaff – wir schauen bei der Suche danach scheinbar so verloren drein, dass ein Bauer mit dem Traktor neben uns zu stehen kommt und meint: “Das Schloss ist in die andere Richtung.” Die ganze Verwirrung wird perfekt, als ich mitten im Satz, als ich zur Antwort ansetze, das Schild unseres Gites sehe und total begeistert den Satz unterbreche um zu rufen: “Ah, c’est là!” Und als mich der Bauer verwirrt anschaut, füge ich den Namen unseres Gites hinzu: “Le Chat Noir!” Kopfschüttelnd fährt der Bauer von dannen, während wir unser Gite beziehen.




Freitag, 22. März


“Eisstadion hat begonnen”
- hat der Papa (oder eher sein autocorrect) heute in die WhatsApp-Gruppe geschrieben und tatsächlich – auch hier riecht und schaut alles aus nach Frühlingsbeginn.
- Zuerst hängt aber noch ein dichter Nebel über dem Wald, was ihn noch mystischer erscheinen lässt.

- Als wir heute zum zweiten Mal am Chateau de Trécesson vorbeikommen, können wir besser verstehen, wo all die Schauergeschichten herkommen.

- Die Wege, die uns wieder in den Foret de Broceliande hineinführen, sind im GR-Stil gatschig und heute führt unser Weg entlang eines militärischen Sperrgebietes, das man gar nicht bemerken würde, wäre nicht hier und da ein Schild “Zone militaire defense d’entrer”.





- Puh, nur nicht falsch abbiegen, denken wir uns, vor allem als wir wenig später hören, wie im Sperrgebiet scharf geschossen wird.

- Durch ein verwunschen wirkendes Tal führt unser Weg einen Bach entlang, von wo aus Komoot behauptet, man könne links abbiegen und so auf kurzem Weg Paimpont erreichen.









- Nur nicht zu sehr auf Komoot vertrauen, lernen wir, denn es gibt weder eine Brücke über den Bach, noch einen Weg, der den Hügel hinauf führt – na super…
- Wir machen also die deutlich längere Schleife über die Autobrücke und Straße und sehen uns zum Schluss zu einem richtigen Sprint gezwungen, um Paimpont zu erreichen, bevor das Museum schließt.



- Leicht außer Atem kommen wir in dem schönen Städtchen an, wo es außer dem Museum auch noch ein schönes Schloss gibt.

- Das König-Artus-Museum, das uns Larry empfohlen hat, ist wirklich toll gestaltet: Man wird durch eine interaktive Ausstellung geführt und erfährt über den Wald, seine Bedeutung für die Bewohner und den König-Artus-Mythos.
- Wir lernen, das Broceliande “marshy hill” bedeutet, was wir sehr passend finden.
- Zum Schluss gibt es einen ganz dunklen Raum, in dem langsam Lichter angehen, die wie ein Sternenhimmel rund um uns leuchten und eine Stimme sagt: „So, jetzt gehe hinaus in den Wald und suche deinen ganz persönlichen Baum!”
- Das finden wir eine sehr schöne Geste, wäre nicht der Wald übersäht von “Privat, betreten verboten”, “Gesperrt wegen Jagd”, “Betreten verboten, videoüberwacht” und “Achtung militärisches Sperrgebiet”-Schildern.
- “Aber was ist, wenn mein Baum im videoüberwachten Wald ist?”, fragt Matthäus in einem verzweifelten Tonfall.
- Wir ziehen trotzdem los hinein in den Wald über gatschige Wege.











- Bei einem Fluss, über den wir natürlich keine Brücke entdecken, verzweifeln wir kurz, bis wir doch eine entdecken und uns mega freuen, nur um dann festzustellen: Da müssen wir gar nicht drüber, eigentlich geht unser Weg da hinten hinterm Zaun weiter.


- Also kraxeln wir über den Zaun und erreichen die Straße Richtung Plelan-le-Grand.
- Der Name ist überhaupt nicht Programm: Der Ort ist so klein und unscheinbar, dass wir ganz überrascht sind, als unser Hotel praktisch aus dem Nichts auftaucht.


- Noch überraschter sind wir über das kleine Restaurant, das wirklich exquisit ist und total fancy, so dass wir uns in den Jogginghosen und Badeschlapfen leicht underdressed fühlen.

- Matthäus lässt sich einen wirklich köstlichen Hirschen schmecken, wir gönnen uns einen Wein dazu und freuen uns einfach über diesen unerwartet tollen Abend, den uns Plelan-le-Grand beschert hat – vielleicht ist ja doch was dran am “Grand”.
Samstag, 23. März


König-Artus-Schwert
- Frühstück im Hotel und los geht’s.

- Es ist bewölkt, wirkt regnerisch und unser Weg führt uns abwechselnd über gatschige Abschnitte und schöne Wiesen.














- Auf einmal erreichen wir “La Chambre au Loup”, einen wunderschönen Nationalpark, der wie aus dem Nichts auftaucht.


- Weidengebüsch und Gräser wachsen auf schroffen Felsen, durch die unser Weg führt.
- Mitten im Park beginnt es so stark zu regnen, dass wir es gerade noch so schaffen unsere Ponchos anzuziehen.





- Weiter geht es über kleinere Sträßchen und Wege bis zum Lac de Trèmelin.
- Hier befindet sich das König-Artus-Schwert, der Legende nach wird der- oder diejenige, der/die es herausziehen kann, König.






- Ich probiere natürlich mein Glück, doch es soll nicht sein: Das Schwert bewegt sich kein Stück – ich bin gar nicht so traurig darüber – ich hätte nicht auch noch ein Stück Eisen mit mir herumtragen wollen.

- Hier gönnen wir uns auch eine Mittagspause, bevor wir weiterziehen ins Städtchen Iffendic.
- Es beginnt voll zu schütten, was gar nicht so schlecht ist, da wir ohnehin noch einkaufen gehen wollten.





- Also retten wir uns in den Supermarkt und lassen uns Zeit, was uns nicht schwer fällt, da wir beide nach 25km eh schon bissi Meier sind.
- Als wir den Supermarkt wieder verlassen, erstreckt sich vor uns auch wunderschöner Regenbogen.

- Unsere Unterkunft heute ist bei Nathalie daheim, die uns ganz besorgt mehrmals schreibt, wann wir ankommen und wann wir frühstücken möchten.
- Wir schreiben “7:30h” und sie antwortet mit “Mmh, aber wie wäre es mit halb 10?!”
- Gut also halb 10 it is.
- Nachdem wir uns über Felder und entlang der Bahn durch teils überwucherte Streckenabschnitte geschlagen haben, taucht Montauban endlich in der Ferne auf












- Gestern haben wir schon lachen müssen, da es auf Google ein “Foto vom Inhaber” gibt, auf dem eine Katze abgebildet ist.

- Vom Inhaber werden wir auch laut miauend begrüßt, als wir ein bisschen später als geplant ankommen. Nathalie selbst ist unterwegs an diesem Samstagabend, was uns nicht ganz Unrecht ist, da wir eh bissi fertig von der Etappe sind.


- Ab geht es in die Dusche und dann ins Bett, wobei es keine fünf Minuten dauert, da liegt auch schon der “Inhaber” bei uns im Bett. 🙂
Sonntag, 24. März


Der berühmte Etang de Neal
- Um halb 10 zum Frühstück treffen wir Nathalie, unsere super liebe, aber zu dem Zeitpunkt etwas verschlafene Gastgeberin.
- Sie habe nicht viel Schlaf bekommen, erzählt sie, denn sie wäre gestern auf einer Faschingsfeier in Vitré gewesen und sei von dort aus heute Früh hergefahren – wow!
- Oje und wir treiben sie auch noch so früh aus dem Bett!
- Sie fragt, wo wir heute hingehen und wir meinen: „Zum Etang de Neal” – „Wohin?!“, fragt Nathalie nach, “Das sagt mir nix!”
- “Gutes Zeichen”, sagt Matthäus später zu mir: “Unser Ziel sagt Leuten, die 20 Kilometer entfernt wohnen, nichts.“
- Wir verabschieden uns schweren Herzens von der wirklich tollen Nathalie und ihrer Katze, bevor wir losziehen Richtung Etang de Neal.

- Bald schon erreichen wir besagten Neal, einen kleinen Baby-Fluss, eher ein Bacherl, an dem der Weg echt wunderschön durch einen lichten Wald entlangführt.









- Wir kommen vorbei an einer stillgelegten Bahnstrecke, die schon recht zugewuchert ist, aber sicher einst sehr szenisch war.

- Über einen ganz schmalen Pfad kraxeln wir über Stock und Stein den Hügel hinauf.








- Weiter entlang kleinerer Sträßchen erreichen wir den Etang, der super unspektakulär ist, so dass wir verstehen, warum Nathalie ihn nicht kennt.

- Vorbei kommen wir an den vielleicht etwas berühmteren “Megalythes de Lampoy”.

- “Schau, da sind die Steinderln!”, rufe ich, als ich das Schild entdecke.
- Die Stonehenge-artige Formation ist schön anzusehen, aber jetzt auch nicht wahnsinnig spektakulär.



- Von hier ist es auch nicht mehr weit zu unserer Unterkunft, die wir via Google Chat gebucht haben, eine lustige Geschichte: Offenbar haben wir mit dem Sohn geschrieben, der gemeint hat: “Ruft bitte meinen Papa an, der möchte das telefonisch bestätigen.”, woraufhin wir mehrere Male erfolglos probiert haben, besagten Papa anzurufen. Schließlich haben wir dem Sohn wieder geschrieben und recht sofort einen Rückruf von seinem Vater bekommen.
- Es stellt sich heraus, dieser ist sehr freundlich, allerdings etwas misstrauisch gegenüber ausländischen Telefonnummern, deren Vorwahl er nicht kennt.
- “Ah, vous êtes Autrichiens!”, sagt er dann lachend.
- Es ist gerade eine Feier, als wir ankommen, und die Eltern außer Haus, doch freundlicherweise zeigt uns der Sohn, der etwa in unserem Alter ist, wo die Unterkunft ist.
- Obwohl es die günstigste Unterkunft bisher ist, ist alles voll schön und wir lassen entspannt den Abend ausklingen.

