E5 Etappen 21-25

Vom Etang de Neal

Nach Dol-de-Bretagne

Montag, 25. März 

Der Pizzaautomat

  • Vorbei an den Steinderln führt unser Weg zurück zum Etang de Neal.
  • Dort werden gerade im aufwendigen Verfahren Rohre verlegt.
  • Über Feldwege und kleine Sträßchen führt unser Weg heute großteils und durch einige idyllische, kleine Orte, die uns in ihrer Schönheit immer wieder überraschen.
  • Durch Felder und Obstgärten, bei denen schon zaghaft die ersten Blüten hervor kommen.
  • Einmal kommen wir an einer riesigen Solaranlage vorbei, die fast wie eine sehr große Satellitenschüssel ausschaut – so eine, mit der man Signale aus dem Weltall empfangen kann.
  • Wir kreuzen eine Voie Verte, doch gehen sie leider nicht entlang.
  • Das absolute Highlight heute ist, als wir langsam hungrig werden und tatsächlich einen kleinen Ort erreichen (normalerweise sind wir zu dem Zeitpunkt mitten im Wald fernab von jeglicher Zivilisation).
  • Das einzige Problem ist, dass es nichts gibt, was im entferntesten wie ein Café oder Restaurant ausschaut.
  • Ihr könnt euch also vielleicht vorstellen, wie sehr wir uns freuen, als wir mit knurrenden Mägen auf einmal einen Pizzaautomaten entdecken! Wir stoßen Freudenschreie aus und machen einen kleinen Freudentanz – so gut das eben mit unseren schon bissi müden Füßen möglich ist.
  • Ausgerüstet mit zwei warmen Pizzen setzen wir uns auf ein Bankerl, das es gibt – heute ist echt unser Glückstag! – essen selig vor uns hin und sind uns einig: Das ist das beste Essen, das wir bisher in Frankreich gegessen haben!
  • Gestärkt ziehen wir weiter entlang eines Sees, wo wir die Ruinen einer zerfallenen Kirche entdecken.
  • Der Weg führt uns zu einem Kanal, dem wir fast bis Dinan folgen werden.
  • Für unsere nächste Pause entdecken wir einen gemütlichen Baumstamm mit Astgabel, auf dem wir uns beide zurücklehnen und ausstrecken können.
  • Zwei Wanderer kommen vorbei und sagen, anerkennend nickend: “Ah, votre fauteuil!” – Genau!
  • Als wir weitergehen, sehen wir Tiere im Kanal schwimmen: „Schau, Biber!”, sage ich zu Matthäus, doch als wir eines der Tiere an Land gehen sehen, stellt sich heraus: Es sind keine Biber, sondern Bisamratten.
  • Wir kommen vorbei an einer Mühle, einer Art Schloss, einem Künstlerpark und Eseln (in der Reihenfolge).
  • Ein umgefallener Baum quer über dem Weg macht das Vorankommen schwierig. 
  • Wir treffen auf einen Radfahrer, der uns vorhin überholt hat und jetzt, da er eh absteigen musste, sich beim Baum einen Snack gönnt.
  • Unterhalb von Dinan liegt die kleine Stadt Lehon, die uns total überrascht.
  • Hier befindet sich eine alte Abtei, die wir wie durch Zufall entdecken.
  • Sie ist wunderschön und wir drehen eine Runde durch den Kreuzgang, in dem wir sofort die Ruhe und Stille spüren, die oft von Kreuzgängen ausgeht.
  • Wir stürzen uns wieder ins Getümmel der Gassen von Lehon, wo erstaunlich viel los ist, nur um kurz darauf auf einem Allee-artigen Weg am Ufer unterhalb der Felsen, auf denen Dinan liegt, zur Stadt hinzuspazieren.
  • Auf der anderen Uferseite entdecken wir eine Gruppe von Touristen auf Segways das Ufer entlang racen.
  • Um nach Dinan zu gelangen, müssen wir auf den Felsen hinauf und verwenden dafür einen kleinen Weg, der fast so wirkt, als wäre er abgesperrt.
  • Wir ignorieren das Schild und kraxeln trotzdem hinauf, nur um ihn dann oben auch abgesperrt zu finden – ups, es war wohl doch dieser Weg gemeint, aber gut hinaufgekommen sind wir ja.
  • Dinan ist wunderschön, aber komischerweise wie ausgestorben – vor allem haben zu unserem Erstaunen alle Restaurants heute zu?!?
  • Die einzigen Menschen, die wir sehen, sind andere Touristen, die auch verzweifelt und vergeblich ein offenes Restaurant suchen.
  • Snacks it is und gute Nacht! 

Dienstag, 26. März

Gezeitenkraftwerk und bewegliche Brücken 

  • In unserem Hotel gibt es unten ein Café, in dem wir ein super Frühstück und sehr guten Kaffee bekommen.
  • Wir spazieren durch das mittelalterliche und befestigte Dinan, bevor wir vom Hügel absteigen.
  • Hier finden wir den zur Stadt gehörigen Hafen am Kanal, der in punkto Schönheit der Stadt um nicht viel nachsteht.
  • Statt – wie es der Wanderweg natürlich macht – dem Fluss zu folgen, der tausend Schleifen macht, gehen wir die kürzere Variante durch das Tal entlang einer Bahnlinie.
  • Wir gehen Sträßchen und Pfade entlang, die schließlich in größere Wege münden, die uns an die Voie Verte erinnern.
  • Auf einmal sehen wir eine Weiche, die offenbar oder hoffentlich nicht mehr in Betrieb ist und von der tatsächlich eine Voie Verte wegführt.
  • Wir sehen sogar noch alte Bahnhofsgebäude entlang der Strecke.
  • Durch kleinere Wege quer durch einen nicht so idyllischen Ort gelangen wir wieder zum Fluss, der uns zum großen Kanal führt – Richtung Meer.
  • Hier erreichen wir eine Bucht, durch die man – wie wir allerdings erst jetzt herausfinden – nur bei Ebbe gehen kann, da sie bei Flut unter Wasser steht.
  • Wir haben Glück, es ist Ebbe und so kommen wir ohne Probleme durch – Puh!
  • Die Strecke ist wunderschön, mit dem Sand und dem Meer, das weit draußen sanft auf den Strand läuft.
  • Schließlich erreichen wir eine große Brücke, beziehungsweise eine Schleuse mit Gezeitenkraftwerk, über die wir die andere Kanalseite und dort auch die Ausläufer von Saint Malo erreichen.
  • Gerade als wir auf der kleinen Fußgängerbrücke stehen und die riesige Schleusenanlage bewundern, ertönt eine Stimme aus einem Lautsprecher: “Bitte weitergehen, nicht auf der Brücke stehen bleiben!” 
  • “Der meint sicher nicht uns”, sage ich zu Matthäus.
  • Vorsichtshalber gehen wir trotzdem ein Stück weiter von der Brücke hinunter und kaum haben wir den letzen Schritt hinunter gemacht, beginnt es laut zu blinken und piepsen und das Schleusentor öffnet sich langsam, während sich die Brücke zu drehen beginnt.
  • “So viel dazu”, kommentiert Matthäus trocken, “‘der meint gar nicht uns.’”
  • Offenbar ist es ein Spektakel, das stündlich stattfindet, und ein paar Deutsche Touristen überhöre ich sagen, dass sie extra dafür hergefahren sind.
  • Es ist auch toll anzuschauen, wie sich die mächtige Anlage in Bewegung setzt.
  • Nicht weniger beeindruckend ist das dahinter liegende Gezeitenkraftwerk, über das wir spazieren und es so aus aller Nähe betrachten können.
  • Bald schon erreichen wir die Ausläufer von Saint Malo, einer befestigen Stadt am Meer.
  • Wir schießen ein Foto von mir vor der Sacré-Coeur-Schule.
  • Und stoßen auf eine zweite bewegliche Brücke, vor der wir gemeinsam mit vielen anderen Leuten warten, da sie gerade offen ist.
  • Die Stadt ist imposant mit den dicken Stadtmauern, die noch vollständig erhalten sind, doch heute sind wir müde, gehen ins Hotel und bewegen uns nicht mehr hinaus, sondern bestellen stattdessen Poutine(!) – nice!

Mittwoch, 27. März

Saint Malo und Mediathek

  • Pausentag 🙂
  • Daher beschließen wir, der Stadt Saint Malo einen ausführlichen Besuch abzustatten und rund um die Stadtmauern zu spazieren, wie es der GR natürlich auch machen möchte.
  • Es zahlt sich aus – es ist schon beeindruckend, zu sehen, wie sich die mächtigen Mauern aus dem Meer erheben und die Wellen unbändig dagegen prallen.
  • Innerhalb der Mauern reiht sich ein Steinhaus ans andere.
  • Natürlich fehlen auch die alten Kanonen, alle zwei Meter aufgestellt, und die Touristen, die Selfies davor schießen, nicht.
  • Meinem Reisetagebuch gehen langsam die Seiten aus, daher bin ich auf der Suche nach einem neuen und nehme das zum Anlass, Matthäus in alle Buchgeschäfte der Stadt zu zahen (zu seiner Erleichterung sind es nur zwei plus ein Comicladen).
  • Ich genieße die ausführliche Suche nach einem neuen Reisetagebuch, bei der ich auch ins ein oder andere Buch einen Blick werfe und es sehr genieße, wieder so echte Bücher in der Hand zu halten (sonst verwende ich beim Wandern meinen E-Reader).
  • Zu meiner riesigen Freude willigt Matthäus dann auch noch ein, einem Café einen Besuch abzustatten, der Tag ist perfekt! 
  • Schließlich spazieren wir am Hafen vorbei zur Mediathek, wo man Computer gratis nutzen kann, und verwenden einen, um organisatorische Dinge zu erledigen und ich schreibe ein bisschen Blog.
  • Endlich holen wir dann die Rucksäcke vom Hotel ab und ziehen los auf die heutige Etappe: Etwa drei Kilometer den Strand von Saint Malo entlang bis zu einem Hotel am anderen Ende des Strandes. 
  • Auf der Promenade ist in dem sonnigen Wetter einiges los und wir lassen uns in der Menschenmenge treiben, heute total entspannt und ohne Hast und Eile. 
  • Je weiter wir uns von der Innenstadt entfernen, desto weniger ist los und wir genießen den Strand-/ Kai-Spaziergang in der frischen Brise, die vom Meer hinüber bläst.
  • Auch hier sind sehr schöne Stadtteile von Saint Malo und wir finden unser Hotel “La Rotonde” auf Anhieb.
  • Direkt gegenüber entdecken wir einen Waschsalon! 
  • Und das, wo ich heute Früh nachgeschaut habe und zu Matthäus gesagt habe: “Ich finde keinen Waschsalon in Saint Malo.” 
  • Tja, wir entdecken ihn erst, als wir schon alles von Hand gewaschen haben.
  • Danke auch! 
  • Unser Hotel ist irgendwie italienisch, daher gönnen wir uns zum Abendessen köstliche Pizzen und dann gute Nacht!

Donnerstag, 28. März

Küstenwege und der erste Blick auf Mont Saint Michel 

  • Die Küstenwege sind zurück in ihrer alten Frische: Bergauf, bergab führt der kleine Pfad die Küste entlang und will schon wieder jede noch so absurde Schleife mitnehmen.
  • Ist auch verständlich, wenn man bedenkt, dass es sich bei diesen Wegen um ehemalige Zöllnerpfade handelt und die Zöllner ja wohl kaum eine Schleife auslassen konnten – das hätten sonst die Schmuggler gefeiert (die müssen fit gewesen sein, diese Zöllner).
  • Allerdings ziehen wir da heute – auch aufgrund meiner sehr schwankenden aber tendenziell nicht so guten Stimmung – einen Schlussstrich und kürzen ab, wo’s geht.
  • Man muss hingegen lassen: Die Wege und das Wetter sind wunderschön und ein richtiges Erlebnis! 
  • Entlang an Betonstegen, über Felsen und über weitläufige Sandstrände, die bei Flut unter Wasser stehen, führen die kleinen Pfade.
  • Die Schwankungen der Gezeiten gehören hier übrigens zu den höchsten in Europa.
  • Bei einer Stelle des Weges teilt Komoot uns mit: “Achtung, gefährliche Stelle!“, und fügt hinzu: “Es könnte Ausrüstung erforderlich sein!”
  • Tatsächlich ist es eine ganz schöne Kletterpartie die Felsen hinauf, die wir allerdings glücklicherweise ohne Ausrüstung meistern.
  • Bei einer anderen Stelle wünschen wir uns wieder einmal, Komoot hätte eine Funktion “Gezeiten-Warnung”, denn während der Weg über größere Steine durchs Wasser bei Ebbe kein Problem wäre, stehen die Steine jetzt, wo die Flut langsam kommt, teilweise schon unter Wasser, was die Querung nicht nur sehr rutschig macht, sondern auch für nasse Schuhe sorgt.
  • Wir überqueren die rutschigen Steine dennoch, doch hinter uns drehen Wanderer um und uns kommen Wanderer entgegen, die uns nach dem Wegzustand fragen.
  • An manchen Stellen mutet die Küste fast mediterran an: Zedern säumen das Ufer und versprühen den typischen Nadelholzgeruch, den man mit Urlaub an der Adria verbindet.
  • Sonst erinnern uns die Küstenpfade sehr an die GR 34 Abschnitte am Anfang unserer langen Wanderung (siehe hier).
  • Das Highlight ist, als wir kurz vor Cancale um eine Kurve biegen und vor uns die Bucht des legendären Klosters Mont Saint Michel liegt und tatsächlich: In der Ferne in den riesigen Wolken sehen wir schon die Umrisse der Klosterinsel.
  • Vor und rund um den Ort Cancale liegen viele Austernfarmen und wir sehen die Anlagen, wie sie sich so weit das Auge reicht über die Küste erstrecken.
  • Cancale hat einen markanten Leuchtturm, über dessen Anblick wir uns sehr freuen, als er endlich auftaucht.
  • Ich hab noch nachgeschaut, wann Gründonnerstags-Messe wäre, allerdings habe ich versehentlich für “Carrouges” geschaut (da sind wir erst in circa zwei Wochen) – dort befindet sich eine sehr schöne Kathedrale und die Messe wäre um 20 Uhr übrigens.
  • Das ist eher hinfällig, denn als wir ankommen, wollen wir nirgends mehr hin außer ins Bett!

Freitag, 29. März

Der 24/7 Austernautomat

  • Frühstück in der Unterkunft und weiter geht es – entlang des Küstenweges.
  • Hier ist die Küste sehr flach und einiges an Land ist Überschwemmungsgebiet, das regelmäßig von der Flut unter Wasser gesetzt wird.
  • Es erinnert uns sehr an die niederländischen Dünenlandschaften und wechselt sich ab mit Sand- und Kiesstränden.
  • Hier reiht sich eine Austernfarm an die andere und wir sind begeistert, als wir einen 24/7 Austernautomaten entdecken – doch leider ham wir gerade keine Lust auf Austern – und vor allem auf den Abstecher hin..
  • Unser Weg entfernt sich schließlich von der Küste, da wir heute noch einen Abstecher nach Dol de Bretagne machen, dem Ort, der vor allem bekannt ist für seine riesige Kathedrale. 
  • Über Feldwege erreichen wir den Fuß des Mont Dol, einer Erhebung, die man trotz ihrer nur 400 Höhenmeter schon Kilometer vorher sieht, da es sich um die einzige Erhebung weit und breit handelt.
  • Wir erklimmen den “Berg” natürlich und schießen stolz ein “Gipfelselfie”.
  • Ein schöner, kleiner Ort liegt direkt hinter dem Hügel, durch den wir durchgehen und weiter Richtung Dol de Bretagne.
  • Wir haben eine Unterkunft im Ort, allerdings auf der anderen Seite der Autobahn an einer Stelle, die gar nicht so leicht zu Fuß erreichbar ist.
  • Abenteuerlich eine große Straße entlang gehend erreichen wir die Unterkunft und sie ist mega nett – von einem jungen Paar mit fünf Kindern geführt.
  • Wir checken ein und ziehen dann los: In die Karfreitagsmesse in der Kathedrale.
  • Ins Zentrum des Ortes sind es allerdings noch circa 2km und keine einfachen, stellen wir fest, zumindest wenn man die große Straße meiden will.
  • Über gatschige Straßen und eine leicht geflutete Unterführung gelangen wir in den Ort und haben am Weg dorthin noch eine Begegnung der besonderen Art: 
  • Auf einer abgezäunten Weide sehen wir ein Tier: „Ah, ein Tier”, denken wir beide, bis wir genauer hinschauen und sehen: Es ist ein Wildschwein!
  • Wir finden heraus, die Karfreitagsmesse dauert ewig(!!), also deutlich länger als eine Stunde, doch die Kathedrale ist sehr schön gotisch und toll anzuschauen.
  • Schließlich essen wir noch ein Sandwich vom Bäcker, unerlaubterweise im Zimmer, und schlafen dann sofort ein.

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