E5 Etappen 31-35

Von Domfront

zum „Haus am Waldrand“

Freitag, 5. April 2024

Geradeaus durch den Wald zum Spa

  • Frühstück im Bett gibt es zum krönenden Start in den Tag.
  • Hauptsächlich allerdings dank nicht so guter News: Matthäus ist bisschen krank und groggy und mehr Ausruhen heute Früh schadet nicht.
  • Also essen wir Marmeladenbrote, Mandarinen, Banane und Kekse und schauen zu meiner riesigen Freude Klettern – die Asian Qualifiers für die Olympischen Spiele – und all das im Bett!
  • Gemütlich geht es dann los durch den wunderschönen Ort Domfront, vorbei an unzähligen Fachwerkhäusern hinein in den Wald und Parc Naturel (aber da bin ich nicht ganz sicher), durch den uns der Weg heute führt.
  • „Waldwege“ können unserer Erfahrung nach alles mögliche sein: Von Bachbetten mit Bach drinnen über total vergatschte Pfade bis hin zu Forstraßen, die man ohne Mühe entlanggehen kann.
  • Zumindest ein Bachbett sehen wir, sonst aber sind die Wege in sehr gutem Zustand und wir kommen gut voran.
  • Das Wetter ist besser geworden, obwohl es immer noch grau in grau ist, aber es hat immerhin aufgehört zu regnen.
  • Zu unserer Überraschung begegnen wir anderen Fernwanderern und das in Mehrzahl! (bei der Handvoll, die wir bisher gesehen haben, schon eher erstaunlich).
  • Einmal sehen wir einen verwunschen wirkenden und halb eingestürzten Turm mitten im Wald – da versteht man, wie Sagen entstehen.
  • Weiter geht es – immerzu durch den Wald – hinein in den Kurort Bagnoles d’Orne, in dem wir den Altersdurchschnitt enorm senken.
  • Es ist ein Ort, der die besten Jahre schon hinter sich hat und immer noch den Flair eines Ortes für reiche Leute, die auf Kur fahren, versprüht – ein Gebäude in einstiger 19. Jhd-Pracht reiht sich ans andere, Hotels, ein Casino am See, Bäder, Thermen und dazwischen der ein oder andere Urlauber prägen das Ortsbild, obwohl insgesamt jetzt in der Nebensaison alles eher ausgestorben wirkt.
  • In unserem Hotel gibt es auch ein Spa, das wir natürlich sogleich nutzen und eine einstündige Spa-Session ganz für uns privat buchen.
  • Whirlpool, Sauna, Hammam – es gibt alles, was das Herz begehrt, und wir genießen es sehr – unseren Abendausklang im Spa =)

Samstag, 6. April 2024

Hubschrauber, Wald und Straßengraben

  • Frühstück im Hotel, langsam fertig machen und los geht es.
  • Ab zur Bäckerei, wo wir nicht die Einzigen sind an diesem Samstagmorgen und wo wir uns eindecken mit Croissants, Pain au Chocolats, Baguette (Linsenbaguette!) und Sandwiches.
  • Bald schon lassen wir Bagnoles d’Orne und damit auch die Zivilisation hinter uns und biegen ein in verlassene Waldwege – ganz merkwürdig nach den „vielen“ Menschen, die in Bagnoles unterwegs waren.
  • Obwohl wir noch einmal einen Glimps der Action erhaschen, als wir beim Flugplatz vorbeigehen, wo gerade ein Hubschrauber startet, der stark den Eindruck erweckt, er wäre ein Touristenhubschrauber für Rundflüge über die schöne Natur.
  • Wir erleben die schöne Natur stattdessen hautnah, als wir wieder durch Gatschwege und über Waldwege stapfen.
  • Immerhin ist der Zustand der Wege ein bisschen besser als gestern.
  • Trotzdem sind sie so schlecht, dass wir keinen Samstagsnachmittagsspaziergängern begegnen oder vielleicht liegt es daran, dass wir schon wieder im unerreichbaren Parc National sind oder daran, dass kein Parkplatz in der Nähe ist.
  • Zur Halbzeit erreichen wir einen See, wo wir eigentlich Pause machen wollen, was sich als ein totaler Reinfall herausstellt, denn der See ist schon wieder so ein unnahbarer französischer See, in dem man erstens nicht baden darf und wo zweitens rundherum ein Zaun gespannt ist, dass man nicht auf dumme Ideen kommt – und das hier im Nichts!
  • Geschlagene 2 km später ist immer noch kein Bankerl, Baumstamm oder sonstwas aufgetaucht, also setzen wir uns zur Pause einfach in die Wiese neben dem Feld, die am wenigsten gatschig ist.
  • Auf einem Stück Weg sehen wir einen Bauern mit Traktor, den wir kurz darauf nicht unweit davon – dank Schlenker des GR – wieder am Feld sehen.
  • Einmal begegnen wir einem alten, eher gebrechlich wirkenden Mann, und ich denk noch: „Boah, Respekt, dass er zu Fuß unterwegs ist!“, bis wir kurz darauf sein Auto im Graben entdecken – dann denken wir: „Gott sei Dank ist er noch im Stande zu Fuß unterwegs zu sein und da wird er schon beim Bauernhof jemanden finden, der ihn rausholen kann.“
  • Das bestätigt uns wenig später eine Frau, die kurz darauf unseres Weges kommt: Jaja, da wohne ihr Sohn, der habe einen Traktor.
  • Einkaufen in Carrouges, schöner Ort mit alten Steinhäusern, dann Chillen im schönen Gite.

Sonntag, 7. April

„Ants, Ants everywhere!“

  • Wir brechen auf und spazieren zunächst einmal zum circa 2 km entfernten Carrouger Schloss, das hier als Befestigung an der Grenze der Normandie während des 100-jährigen Krieges erbaut wurde.
  • Der gesamte Schlosskomplex ist sehr gut erhalten und liegt wunderschön, umgeben von einem 10 Hektar großen Park, der auch einen Besuch wert ist.
  • Durch diesen spazieren wir hin zum Schloss, das – was mir super gefällt – von einem Wassergraben umgeben ist, was besonders gut zur Geltung kommt im strahlenden Sonnenschein.
  • Wir besorgen Tickets und los geht unsere Self-guided-Tour im Innenhof, von wo aus man super die verschiedenen Flügel aus den verschiedenen Jahrhunderten sieht: Sowohl die befestigte Burganlage aus dem 14. Jahrhundert, als auch die “klassische Burg”, die eher aus “Sehen-und-Gesehen-Werden” Gründen im 16. Jahrhundert erweitert wurde.
  • Vieles der Inneneinrichtung ist noch original erhalten, was den Räumlichkeiten und der ganzen Atmosphäre noch einmal das richtige Flair verleiht und einen Besucher fast schon eintauchen lässt in die Zeit, in der hier Adel und Gutsherren ein- und ausgingen.
  • Wieder durch das kleine, feine Städtchen Carrouges gelangen wir auf den Wanderweg.
  • Unser Weg führt uns heute durch viel Wald über Wege in allen Größen: Forstwege, kleine Pfade, Trampelpfade, Hohlwege – aber alle haben sie eines gemeinsam: Sie sind immens gatschig!
  • Recht gegen Ende kommt noch einmal eine besonders arge Gatsch-Stelle, kurz bevor wir – zu unserer riesigen Erleichterung – auf einer Straße weitergehen. 
  • Eine kleine Straße wohlgemerkt, die, wie es ausschaut, ins Nichts führt – immerhin ein Nichts, in dem sich unsere Unterkunft befindet.
  • Diese ist klein und charmant, leidet allerdings unter einer akuten Ameisenplage, die so schlimm ist, dass wir uns so Bärensäcke zum Aufhängen für unser Essen wünschen.
  • So gut es geht, verstauen wir alles, was offen ist, hängend von der Decke und hoffen aufs Beste.

Montag, 8. April

Gewitter und Umwege, die sich auszahlen

  • Gemütliches Frühstück in der Unterkunft, gemeinsam mit tausend Ameisen, aber auch wie gewohnt köstlich: Croissant, Pain au Chocolat und der frisch gepresste Orangensaft dürfen natürlich nicht fehlen.
  • Los geht es über ganz schöne Feldwege, hinein in den grauen Tag unter bewölktem Himmel.
  • Auf einmal sehen wir vor uns Blitze und echt recht aus dem Nichts überrascht uns ein Gewitter.
  • Wir schauen uns um, die umliegenden Bauernhöfe sind alle mindestens einen halben Kilometer weg und dem kurzen Abstand zwischen Blitz und Donner nach zu urteilen ist das Gewitter direkt über uns – oje!
  • Am freien Feld sein ist nicht ideal, doch die Höfe sind zu weit weg, daher beschließen wir notgedrungen in ein kleines Wäldchen zu flüchten, wo wir den ärgsten Regenguss abwarten.
  • Dieser erwischt uns trotzdem so heftig, dass wir und insbesondere unsere Schuhe nachher total durchnässt sind.
  • Das Gute: So macht es uns auch nichts mehr, durch die Bäche, zu denen die Wege mittlerweile mutiert sind, durchzustapfen.
  • Meine Schuhe haben praktischerweise auch schon mehrere Löcher – immerhin kann das Wasser so bequem durchfließen – also hinein, aber auch wieder hinaus!
  • Erstaunlicherweise hört es wenig später kurz auf zu regnen, sodass wir unsere Mittagspause im Trockenen machen können.
  • Zufällig entdecken wir direkt beim Bankerl, das wir hierfür auserkoren haben, ein Schild und finden heraus: Hier hat eine sehr alte Straße entlanggeführt! Älter als die Römerstraßen, meint Matthäus – nice!
  • Wir wandern also auf historischen Pfaden!
  • Kurz darauf werden wir durch den wieder einsetzenden Regen vertrieben, ganz nach dem Motto: “Genug Pause für euch.”
  • Tatsächlich sind wir super erleichtert, dass heute unsere Pausenetappe ist und wir nach 13 km unser Ziel für heute erreichen: Alençon.
  • Der Wanderweg macht schon wieder komische Schlenker durch das Städtchen, doch mittlerweile ist meine Willenskraft nicht mehr stark genug, um mich dem zu widersetzen und wir stellen überrascht fest: Manche Schlenker zahlen sich aus!
  • Wir spazieren durch ein tolles Schloss, vorbei an einem runden Theater und durch sehr pittoreske Höfe.
  • Da fragt man sich ja: Wie viele Schlenker haben wir schon ausgelassen, die sich auch ausgezahlt hätten?! “Das Gute ist”, meint Matthäus in seiner gewohnt trockenen Art: “Wir werden’s nie wissen.”
  • Wir finden unsere Unterkunft nach zwei Anläufen und nach einem Gespräch mit der Vis-a-Vis-Nachbarin (“Wir haben ein Zimmer bei Ihnen gebucht.” “Was?! Nein, das glaube ich nicht.”), da die Adresse falsch angegeben war.
  • Dann ins Bett fallen, klettern schauen und gute Nacht.

Dienstag, 9. April

Es ist noch Suppe da!

  • Ich habe mein Handy bei unserer Unterkunft Le Verger (die Ameisen) vergessen und freundlicherweise bringt unsere Gastlady dieses heute Früh in Alençon vorbei (“Ah”, sagt sie am Telefon, “kein Problem, da bin ich in 5 Minuten!”)
  • Zunächst einmal führt unser Weg weiter durch das schöne Städtchen, vorbei an der wunderschönen Kathedrale, in die wir einen Blick hinein werfen und entlang des Flusses, bei dem wir ein Waschhaus entdecken.
  • Entlang von kleineren Sträßchen und dann vielen Forstraßen geht es wieder einmal ab durch den Wald, bis wir zu einer Stelle kommen, bei der wir die Autobahn queren müssen.
  • Die Unterführung steht total unter Wasser, so dass wir einen größeren Umweg über kleine Sträßchen und eine Brücke machen müssen.
  • Ironischerweise hat uns direkt davor ein Schild “Bonne randonée sur le GR 22” gewünscht – danke auch!
  • Wir sehen Esel! Und ich komme wieder ins Träumen, wie es wohl wäre, mit einem Esel zu wandern…
  • Weiter geht es durch den Wald mit obligatorischen Gatsch-Stellen, bis wir die entspannten Forststraßen verlassen und wieder kleinen Sträßchen folgen.
  • Langsam kriegen wir Hunger und finden bei einer riesigen Kreuzung mitten im Wald tatsächlich ein Bankerl – mit Tisch! Sowas hat man lange nicht gesehen…
  • Wir kommen an einem See vorbei, der schon wieder einmal in Privatbesitz ist und wo alles verboten ist, was Spaß macht – insbesondere Schwimmen – das überrascht uns schon bissi, so mitten im Wald.
  • Gott sei Dank sind wir dank der doch frischen Temperaturen gar nicht zu so illegalen Badeaktionen verlockt.
  • Die Straßen führen den ganzen Tag auf unserer Karte in schnurgeraden Linien durch den Wald, weshalb wir annehmen, dass es bis zum Schluss Forststraßen sein werden, aber falsch gedacht: Die Forststraße geht abrupt über in einen kleinen Pfad, der total steil bergauf und bergab – aber dafür schnurgerade – durch den Wald führt.
  • So bei Kilometer 25 hebt das unsere Stimmung nicht gerade.
  • Wir sind also heilfroh, als wir endlich aus dem Wald hinausstolpern und ein Haus sehen – unsere Unterkunft, das Haus am Waldrand.
  • Unsere Hosts sind ganz überrascht, dass wir aus dem Wald kommen, ja sie seien zwar am Waldrand, meinen sie, aber die meisten ihrer Besucher kämen aus der anderen Richtung – mit dem Auto, nicht zu Fuß.
  • Trotzdem wissen sie 1A, was so müde Wanderer brauchen und umsorgen uns total lieb und herzlich: Sie schalten gleich eine Waschmaschine mit unserer Wäsche ein (die wirklich dringend mal wieder gewaschen werden muss) und trocknen sie sogar für uns und bieten uns warme Suppe an, ein Angebot, das wir total dankbar annehmen.
  • Mega! Vom Bad und vom Bett aus können wir durch die Dachfenster die Bäume und später dann den wunderschönen Sternenhimmel betrachten.
  • Made my day!

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