E5 Etappen 71-75

Von den Vogesen

nach Basel

Mittwoch, 15. Mai

Baguette im Briefkasten

  • Wir hören schon beim Aufwachen, wie der Regen auf die Kugel herunterprasselt – ein vielversprechender Start in den Tag.
  • Frühstück in der Hoffnung, dass der Regen bald aufhört (hat er nicht) und dann also doch verabschieden von der coolen Kugel und losziehen.
  • Der Weg führt uns tiefer hinein in die bergige Landschaft der Vogesen – allerdings auf zuerst eher breiten, Forststraßen ähnlichen Wegen und kleinen Sträßchen.
  • Den ganzen Tag hängen dichte Wolken am Himmel – nur hie und da reißt es bisschen auf und wir sehen doch etwas von der Aussicht auf die waldige, hügelige Landschaft und erblicken sogar hie und da den Ballon d’Alsace, über den unser Weg morgen führt, in der Ferne aufragen.
  • An einer Stelle kreuzen wir eine Passstraße mit einem sehr verlassen aussehenden Hotel und Gite, die wir beide nicht auf irgendeiner Plattform gefunden haben (und wir kennen sie alle!) und die wohl eher Stoff für Horrorfilme als Übernachtungsmöglichkeit bieten.
  • Wir kommen entlang eines wunderschönen Sees, der mich total an Schweden erinnert – so mitten im Wald mit kleinem Häuschen.
  • Nach einer kurzen Regenpause bricht auf einmal ein richtiger Schauer über uns herein und wir nutzen ein Refuge, das am Weg liegt, als Schutzhütte und essen dort gleich zu Mittag – super, dass es gerade jetzt aufgetaucht ist.
  • Es ist zwar rudimentär eingerichtet und einfach, doch es gibt sogar einen Ofen zum Wärmen und man könnte hier auch übernachten – im Notfall.
  • Kurz darauf erreichen wir schon die Ausläufer des “Ortes”, wo auch die Auberge liegt, in der wir heute unterkommen, und entdecken dort einen Briefkasten – mit Baguette darin! Toller Service!
  • Wir finden eine Schafherde, die sogar zum Anfeuern zu uns kommt – mega!
  • Kurz bevor wir die Auberge Grammont erreichen, überrascht uns noch einmal ein heftiger Regenschauer, so dass wir triefend nass ankommen und erfreut feststellen, dass der Gasthof auf Wanderer eingestellt ist, denn es gibt sogar einen Trockenraum, in dem wir all unsere Sachen aufhängen, die am nächsten Tag tatsächlich über dem Kaminfeuer getrocknet sind! Super!
  • Den ganzen Abend schüttet es noch wie aus Eimern, was wir erfreut vom Fenster aus dem Warmen beobachten.
  • Abendessen gibt es auch – neben einer riesigen Gruppe, die später noch ankommt und sehr quietschfidel ist – kein Wunder bei der Menge an Wein, die fließt. 😉

Donnerstag, 16. Mai

Dumb und D’Amber und der Ballon d’Alsace

  • Um halb 10 schon brechen wir auf – erstaunlich früh – und das nach unserem ausgiebigen Frühstück.
  • Wir zahlen und verabschieden uns und starten los, möglichst flott, um dem Regen zu entkommen, der um 3 Uhr stärker werden soll.
  • Das gelingt super, als ich meine neuen Wanderschuhe, die schon beim Losgehen wehtun, wechsle, und mit den alten sprinten wir förmlich auf den Berg.
  • Vorbei am Chalet de Longeligoutte, das wir Gott sei Dank nicht brauchen, da es gerade gar nicht regnet.
  • Zuerst sind die Wege noch breiter, doch schon bald werden sie kleiner und steiniger, aber dafür auch sehr steil.
  • Die Aussichten sind wirklich lohnenswert – und sogar besser als gestern – weil wir weiter oben sind, aber auch, weil es weniger bewölkt ist.
  • Einmal stehen wir bei einer Kreuzung und fragen uns auf welchem Weg es wohl weitergeht und ich schaue ratlos drein, bis Matthäus fragt: „Wahrscheinlich sollten wir einfach dem Pfeil folgen.“ „Dem Pfeil?“ frage ich, „welchem Pfeil?“ Und Matthäus schaut mich ausdruckslos an und zeigt stumm auf den Waldboden, auf dem aus Stecken ein riesiger Pfeil ausgelegt ist. Ach so, DER Pfeil.
  • Unser erster Gipfel – ein Vorgipfel des Ballon d’Alsace – ist der Ballon de Servance, der sogar schon oberhalb der Baumgrenze liegt! Wahnsinn – so hoch waren wir auf der Wanderung noch nie.
  • Hier befindet sich auch das Refuge Luthier – mein Lieblingsrefuge in der Gegend.
  • Es gibt einen Ofen, eine mega Aussicht aus schön großen Fenstern und gemütliche Sitzgelegenheiten. =)
  • Auf einem schön großen Tisch im Freien (es regnet immer noch nicht!) essen wir unser Sandwich vom Bäcker und genießen die Aussicht und Ruhe.
  • Über wirklich kleine Wegerl gelangen wir hinauf auf den Ballon d’Alsace, einen Wander-Hot-Spot.
  • Hier gibt es ganz viele Karten und es führt eine Armada von Wanderwegen über den Gipfel – unter anderem auch der E2, der hier auf den E5 trifft! Der E2, lernen wir, führt von den Niederlanden nach Nizza.
  • Oben ist eine riesige Hochebene, über die wir wandern und wo wir auch eine Überblickstafel finden, auf der eingezeichnet ist, welche Orte in welche Richtung wie weit entfernt liegen – und einige der Orte erkennen wir sogar!
  • Von hier aus ist es noch weiter als gedacht zur Unterkunft und unser Weg führt mitten durch ein Skigebiet, weshalb ich gleich große Lust auf Skifahren bekomme und einen Ohrwurm.
  • Weiter geht es über kleine Pfade hin zur Auberge Fluhr, wo wir unterkommen und die deutlich mehr Berghütten-Flair und Gemütlichkeit ausstrahlt als unsere vorherige Unterkunft (Auberge Grammont).
  • Das Highlight ist wohl das Bier – von einer kleinen Craft Bier Brauerei, mit dem genialen Namen “Dumb & D’Amber” – mega!

Freitag, 17. Mai

Crazy Abstiegsetappe und Hupf in Gatsch

  • Heute komm ich schon wieder nicht in die Gänge – vor allem, weil draußen schon der Nebel hängt und es eher nach schirchen Wetter ausschaut.
  • In den ärgsten Nebel hinein starten wir los und schnell zeichnet sich ab, dass heute nicht so mein Tag ist – ich sudere von Minute eins an…
  • Zu allem Überfluss verlaufen wir uns gleich am Anfang im Nebel und landen hinter irgendeiner Skipisten-Absperrung, finden dann aber glücklicherweise wieder zurück auf den richtigen Weg.
  • Bald schon kommen wir in den Wald, durch den wir absteigen und der zugegebenermaßen wunderschön ist – langsam lichtet sich der Nebel und dadurch wirkt der lichte Wald sehr schön!
  • Wir kommen wieder an ein paar Refuges vorbei, darunter das Refuge Baerenkopf, das allerdings sehr zu ausschaut, und das Refuge Neuberg, in dem wir unsere Mittagspause machen.
  • Weiter geht es auf dem sich ewig ziehenden Abstieg durch den Wald, der schier kein Ende zu nehmen scheint.
  • Endlich erreichen wir einen Ort und lassen damit die Vogesen hinter uns und erreichen wieder Zivilisation, doch auch hier zieht sich der Weg noch ewig hin – und einige Kilometer liegen noch vor uns, verrät ein Blick auf meine Uhr.
  • Entlang des Flusses führt der schöne Weg und sogar die Sonne zeigt sich, doch meine Stimmung bessert sich nicht.
  • Wir sehen schottische Hochlandrinder und ein Storchennest – mit Storch!
  • Außerdem bieten sich immer mal wieder tolle Ausblicke zurück auf die Vogesen, wo sich der Ballon d’Alsace in die Höhe hebt – wunderschön!
  • Dazwischen gibt es verwucherte Wege, Gatsch und umgefallene Bäume.
  • Im beginnenden Sonnenuntergang erreichen wir einen Campingplatz und sehen – unsere Schatten sind schon sehr lang!
  • Der Weg geht weiter Richtung See, wobei es hier wieder sehr gatschig wird, worüber ich gleich lautstark sudere – zu Recht, wie sich herausstellt, denn kurz darauf rutsche ich aus und habe literally einen “Hupf in Gatsch und Schlog a Wölln”-Moment.
  • Als Resultat bin ich von oben bis unten voller Gatsch, aber erstaunlicherweise, stellt Matthäus glücklich fest, besser gelaunt – hie und da braucht man wohl so einen “Down to earth”-Moment, um wieder klarer zu sehen und Dinge mit etwas mehr Humor zu nehmen…
  • Zum Schluss kommt noch ein Highlight: Der Weg führt entlang eines echt schönen Sees, der besonders toll ausschaut jetzt im Licht der untergehenden Sonne.
  • Wow!
  • Trotzdem sind wir heilfroh, als wir endlich unser Hotel für heute erreichen, fallen ins Bett und gute Nacht!

Samstag, 18. Mai

Schnecken sammeln verboten!

  • Wir haben Hollersaft gemacht (der Holler blüht!), den wir heute als Proviant mitnehmen – lecker schlecker!
  • Los geht es durch Burnhaupt und hinaus über Feldwege und kleine Sträßchen, die uns durch die wieder flache Ebene führen.
  • Es ist unspektakulär – sowohl landschaftlich als auch Weg-technisch, nur hie und da kommt man durch kleine, nette Ortschaften.
  • Ich habe schon wieder Grund zum Sudern, denn der Weg führt großteils über unbewaldete Felder und Asphalt – und daher sind wir den ganzen Tag der hinunterprallenden Sonne ausgesetzt.
  • Wir kommen durch einen Ort, wo gerade ein Jahrmarkt auf- (oder vielleicht auch ab-) gebaut wird – überall stehen LKWs und Anhänger mit Jahrmarktständen und grotesken Figuren.
  • Außerdem sehen wir einen Miniatur-Eiffel-Turm und müssen an “Ich, einfach unverbesserlich” denken.
  • In einem etwas größeren Ort am Weg, Illfurth, schauen wir einen Sprung in den Supermarkt und besorgen frische Erdbeeren und ich gönn mir einen Eiskaffee, die wir beide sogleich verzehren – lecker!
  • Kurz nach dem Ort haben wir eine tolle Aussicht auf Illfurth und im Hintergrund sieht man den Ballon d’Alsace aufragen – mega!
  • Außerdem blüht überall Holler, da nehmen wir gleich wieder einen mit zum Hollersaft machen – dieser hat sich als Wegzehrung bewährt. 
  • Einmal führt unser Weg durch den Wald und wir sehen ein kurioses Schild, das Schnecken Sammeln verbietet. 
  • “Ein solches Schild braucht man auch nur in Frankreich!”, meint Matthäus.
  • Die Ortsnamen sind schon seit einer Weile eher deutsch als französisch und so auch der des Ortes, in dem wir übernachten: Wahlbach
  • Auch im Hotel begrüßt uns der Rezeptionist auf Deutsch.
  • Das Hotel ist in einem tollen Fachwerkhaus, in dem wir ein Zimmer mit Balkon haben, auf dem wir am Nachmittag noch entspannt chillen und dann im Hotelrestaurant Abendessen, wobei wir feststellen, dass auch die Küche eher deutsch als französisch ist.

Sonntag, 19. Mai – Pfingsten

Au Revoir France!

  • Wir starten los im schönsten Sonnenschein auf unsere letzte Etappe in Frankreich, nachdem wir beim Frühstück zum krönenden Abschluss zu zweit vier Pain au Chocolats verdrückt haben.
  • Der Weg führt uns über schön breite und entspannte Feldwege und durch einige kleine, elsässische Dörfer, die alle einige schöne Fachwerkhäuser haben, von denen allerdings auch einige zum Verkauf stehen, fällt uns auf.
  • Die Sonne prallt erbarmungslos vom Himmel und wir sind schon wieder auf Feldwegen – ohne Bäumen weit und breit oder irgendetwas anderem, das Schatten spendet.
  • Wir freuen uns so sehr über jede Wolke, die vor die Sonne zieht, dass wir uns zurückerinnern an die Texas State Fair und das Schweinerennen (mehr dazu hier).
  • Wir hören “Harry Potter and the Prisoner of Azkaban” fertig – höchste Zeit, denn heute Früh haben wir Teil 5 bekommen, der mit 29 Stunden eindeutig der längste ist.
  • In einem kleinen Wäldchen, durch das wir extra langsam gehen, um den Schatten voll auszukosten, treffen wir zwei Sonntagswanderer, die uns anschauen und dann meinen: “Jaja, in diese Richtung ist Rom!” Wir lachen, aber so entfernt ist unser Ziel auch nicht…
  • In einem kleinen Ort haben wir auch eine lustige Begegnung: Da fährt einer mit seinem Auto in die Straße hinein, aus der wir kommen (eine Sackgasse natürlich, die im Feldweg endet), kurbelt das Fenster herunter (ja, so alt ist das Auto) und fragt uns, wohin wir gehen. “Basel” antworten wir und er fragt: “Aha und wo ist St. Louis?” oder zumindest verstehen wir das – wir schauen kurz verwirrt und ich frage ihn, ob er das St. Louis mit dem Gateway Arch meint, das liege nämlich in den USA und da hätte er noch eine weite Reise vor sich, vor allem, wenn er mit dem Auto unterwegs ist… Die Verwirrung klärt sich letztendlich nicht auf und er fährt ebenso verwirrt weiter, wie wir weitergehen…
  • Der Wanderweg ist mit einem Kringel O markiert, was uns zu Diskussionen darüber inspiriert, ob ein Kreis eindimensional ist – wir einigen uns auf “Er hat keine Fläche.” und “In der richtigen Topologie, ja” (ein Argument, mit dem man wohl so Einiges eindimensional machen könnte).
  • Basel nähert sich, was man an der steigenden Anzahl an Fußgängern/ Radfahrern bemerkt, aber auch an den Flugzeugen, die immer tiefer über uns fliegen – Yeah!
  • Die Grenze überqueren wir auf einem Radweg und sie ist total unspektakulär – nur ein trauriges Grenzschild weist darauf hin, dass man hier Frankreich verlässt und die Schweiz betritt – sehr angenehm muss man sagen, danke EU!
  • Durch einen Wald, auf dessen Wegen natürlich sehr viel los ist, jetzt am Sonntagnachmittag und so nahe bei Basel, erreichen wir die Stadt am Rhein, wo wir zu meiner Freude an einem Café vorbeikommen, das Sessel draußen hat, wo wir uns einen Kaffee und eine Limo gönnen.
  • Einchecken wieder persönlich und etwas kompliziert, doch schließlich schreibt Violetta/ S.X. “Alex ist unterwegs.” (? Wer ist Alex?)
  • Wäsche waschen, im Appartement chillen, Klettern schauen, essen, mit Matthäus Eltern quatschen und ganz am Schluss noch Christoph – schön, gemütlich, entspannt.

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