
Von Basel
nach Stein am Rhein
Montag, 20. Mai – Pfingsten


Der Basler Basilisk und unser Start in die Rheinischen Marathon Wochen
- Wir wachen voll früh auf (um 6h), frühstücken also entspannt (und schauen dabei Klettern =)), packen die Wäsche ein und starten um halb 10 los.
- Maxim steht pünktlich vor unserer Wohnungstür bereit – er wird uns heute ein Stück des Weges begleiten.

- Zuerst einmal machen wir eine Basler Erkundungstour, wobei Maxim, der jahrelang in Basel gearbeitet hat, unser Guide ist: Er zeigt uns das Rathaus mit schmucker Außenfassade, das Basler Münster – eine tolle Kirche mit versteckten Kreuzgang – mega! – und zum Abschluss noch Stadtmauer-Reste am Rande der Altstadt.






- Als wir diese hinter uns gelassen haben, führt unser Weg entlang des Rheins durch schirche Industriegebiete in dem Hafenbecken rund um Basel.



- Wir wandern mitten durch einen Ölhafen, wobei wir uns nicht völlig sicher sind, ob wir da einfach durchspazieren dürfen – einmal landen wir wild mitten auf irgendwelchen Gleisen – gut, dass Pfingstmontag und somit nichts los ist.
- Zwischendurch gibt es auch idyllischere Abschnitte, an denen einige Cafés liegen, und in einem solchen gönnen wir uns eine Pause und stoßen mit einem Bier auf Maxim an, unseren ersten Wegbegleiter am E5!

- Weiter geht es auf offiziell ausschauenden Wegen durch Industriegebiete, einmal sogar mit Ziegen am Gelände – crazy!

- Endlich lassen wir aufatmend die Industrielandschaft hinter uns und es geht weiter entlang von kleinen Uferwegen nach Rheinfelden, einem sehr schönem Ort.




- Hier essen wir noch ein Abschlussessen mit Maxim, bevor dieser uns verlässt – er hat eine nicht sehr charakteristische Etappe miterlebt mit all den Industriegebieten, sagen wir ihm – obwohl sehr schön mit Basel und am Rhein entlang im herrlichen Sonnenschein.




- Alleine ziehen wir weiter – vorbei an einer riesigen Schleusenanlage und dann weiter über die so gewohnten Feld- und Forstwege.
- Bald schon wird es wilder und der Weg führt – wie so oft entlang von Flüssen – bergauf und bergab.
- Da unsere Etappe heute sehr lang ist – fast 40km! – gelangen wir bald in den Genuss einer wunderbaren Abendstimmung am Rhein – sehr schön!



- Unsere Unterkunft ist perfekt für solch einen langen Wandertag – ein 24h Check-in Hotel/ Motel in Stein – nicht zu verwechseln mit Stein am Rhein – obwohl’s irreführenderweise auch am Rhein liegt.

- Fast hätten wir die Motel Minibar geplündert – wäre da nicht die Hürde, dass man in bar zahlen muss und wir keinen einzigen Schweizer Franken bei uns haben.
- Stattdessen leben wir also von unseren Vorräten, chillen gemütlich im Zimmer und gehen dann auch schon bald ins Bett.
Dienstag, 21. Mai


“Ich bin begeistert!…. Aber useless”
- Zum Frühstück spielt’s gleich zur Einstimmung in den Tag Backstreet Boys, wozu ich lautstark mitsinge und gleich in gute Laune versetzt werde.

- Als wir probieren eine Buchungssession einzulegen, beschreibe ich meinen Gemütszustand sehr treffend selbst: “Ich bin begeistert! Aber useless.”
- Sehr vielversprechend, vor allem da die Etappe, die heute ansteht, wieder einmal nicht gerade kurz ist – mit ihren 35km.
- Daher haben wir die Woche liebevoll die “Rheinische Marathonwoche” getauft.
- Los geht es durch eine fröhlich bemalte Unterführung vor zum Rhein, wo uns sogleich Regen begrüßt, der uns auch den Großteil des Tages begleiten wird.




- Vorbei an einer historischen Holzbrücke, an die ich mich dunkel erinnern kann, dass ich diese mal mit Nico, die aus Rheinfelden ist, besucht habe, die wir aber links liegen lassen und stattdessen dem Rhein weiter folgen.

- Entlang von zwar sehr idyllischen, kleinen Wegerln, die allerdings voller nassem Gras sind, weshalb unsere Schuhe in kürzester Zeit durchnässt sind.







- So zur Mittagszeit erreichen wir Laufenburg, einen schönen Schweizer Ort, wo wir beschließen einen Abstecher hinüber nach Deutschland zu machen um dort Mittag zu essen.




- Pustekuchen – alle Restaurants haben pünktlichst um 14h zugemacht und geben uns nichts mehr – meine Stimmung ist also dementsprechend net guat, um es gelinde zu sagen.
- Ein bisschen werde ich versöhnt, als ein Aufklapp-Bankerl auftaucht – eine großartige Erfindung für Regentage, auf dem wir wenigstens mit trockenem Hintern unsere Gott sei Dank noch vorhandene Jause essen können.
- Wir entdecken auch einen Unterhaltungsweg, bei dem man etwas über Fischarten des Rheins lernen kann.

- Bald lassen wir wieder die Orte hinter uns und kommen durch Gegenden, wo es mehr Ziegen als Menschen gibt und wo unser Weg wieder bergauf, bergab durch Wälder und über Wiesen führt.
- Dafür sind die Aussichten ganz schön – nur etwas grau in grau.









- Einmal bei einem Glockenturm, der an einen Campanile erinnert, sehen wir einen Greifvogel ganz nah – toll!


- Bald führt unser Weg wieder durch eher industriell anmutende Viertel am Rhein und wir sehen einen fetten Kühlturm und fragen uns: Ist da ein Atomkraftwerk?

- Wir schauen nach und siehe da: Ja, hier befindet sich das Atomkraftwerk Leibstadt, an dem wir sehr nahe vorbeikommen – immer noch in gebührendem Abstand, versteht sich.

- Gefühlt ewig schlängelt sich unser Weg dann einen Rheinarm entlang zu einer Brücke, wo schon Koblenz angeschrieben ist – und nicht mehr so weit! Juhu!





- Tapfer wandern wir also auf unseren schon müden Beinen weiter, nur um festzustellen: Das was ausgeschrieben war, war der Bahnhof, der einige Kilometer von Koblenz entfernt liegt – na super!




- Es nützt ja nix, weiter geht es den Rheinarm wieder retour zum Rhein, wo immerhin bald schon Koblenz und unsere Unterkunft auftauchen.
- Wir kommen bei einem asiatisch geführten Hotel unter und ich rufe an, um hilfreich zu sagen: “Wir sind da” Wow, kein Hirn mehr in den Beinen, wie wir so schön sagen.
- Irgendwie schaffen wir es erstaunlicherweise einzuchecken und das Zimmer zu beziehen.
- Das Restaurant hat zwar zu, aber Matthäus holt lieberweise noch Take Away Sushi, während ich mich – eh schon etwas zu spät – ins Woodquarterrock Meeting einwähle.

- Sushi essen und gute Nacht!
Mittwoch, 22. Mai


“Nur nicht pressieren!” – Uferschwalben, Wasservögel und Weinberge
- Frühstück machen wir uns selbst, denn im Hotel gibt es keins. 😮
- Wieder ist zu Beginn der Etappe beunruhigenderweise unser Ziel noch nicht auf dem Wanderschild zu sehen – nur einen Ort, der auf halber Strecke liegt, erkennen wir und dieser ist total mutmachend mit mehr als 5h Gehzeit ausgeschildert.


- Die Wege sind kleine, aber wunderschöne Uferwege, die teilweise so nah am Rhein entlang führen, dass man sich fast auf Höhe der Wasseroberfläche befindet.

- Einkaufen nach 9km in Bad Zurzach, wo wir uns im Schweizer Supermarkt (nach zwei Monaten Französischen) erst einmal zurechtfinden müssen – ich habe außerdem eine leichte Schoki-Eskalation in Anbetracht leckerer Schweizer Schoki.
- Erdbeerjause am gerade freigewordenen Bankerl drinnen – super, denn draußen regnet es gerade.
- Wir sind beide etwas erledigt von den vorherigen Marathon-Etappen und daher ist die Stimmung eher mau.

- Die Strategie ist es, sich von Ort zu Ort weiterzuarbeiten und “Was kommt als nächstes?” frage ich Matthäus, der das Handy mit dem Komoot Track hat.
- Er wirft einen Blick darauf: “Kaiserstuhl” – ein Ortsname, den ich mir beim besten Willen nicht merken kann.
- Immerhin komme ich im Laufe der Zeit näher dran: Während ich am Anfang noch von “Kaufland” rede und Matthäus erkläre, logisch, meine Eselsbrücke ist: Es gibt ein “K”, ein “a” und besteht aus zwei zusammengesetzten Wörtern – “Ah, Kastanienbaum” meint Matthäus: “Was soll mit der bombenfesten Eselsbrücke schon schief gehen?” Später nenne ich es “Kaiserslautern” und dann immerhin “Kaisersessel” (beides sehr Schweizer Ortsnamen).










- Wir passieren eine Dame mit Hund, die uns eher schon herbei rennenden Wanderern auf dem schmalen Weg freundlich ausweicht und dann sagt: “Nur nicht pressieren!“
- “Hör nicht auf sie”, sagt Matthäus, der in Anbetracht der Tatsache, dass wir schon 5 1/2 h unterwegs sind und noch nicht einmal die Hälfte geschafft haben, bissi nervös ist.












- Die Strecke ist trotzdem wunderschön: Bei Eglisau überqueren wir den Rhein und steigen auf in die Weinberge, die wunderschön leuchten im Licht der schon untergehenden Sonne.



- Wir versuchen, unserem Host heute Abend von der Verspätung, die sich abzeichnet, zu schreiben, was schwierig ist, da wir zuerst kein Deutsches Netz und dann gar kein Netz mehr haben.
- Die Fauna, die wir heute sehen, ist übrigens erstaunlich: Viele Vögel, darunter Uferschwalben und einige andere Wasservögel, ein Reh, Schlangen etc.
- Unsere Schatten werden immer länger, Matthäus immer gestresster und die Ausblicke auf den Rhein im Sonnenuntergang immer schöner.



- Was Matthäus leider nicht mehr so genießen kann – dafür schieße ich fleißig Fotos, die er dann später anschauen kann.
- Am letzten Berg vorm letzten Abstieg, als wir unsere Unterkunft schon unten am Rhein liegen sehen, fragen uns zwei Wanderinnen, die uns entgegenkommen, besorgt, ob wir noch einen weiten Weg haben – wir beschwichtigen sie und zeigen hinunter: “Da ist sie schon, die Unterkunft.”
- Unser Host ist eine ca. 70-jährige Lady mit viel Energie, die uns sehr herzlich trotz Verspätung in Empfang nimmt und uns verzeiht, dass unsere Nachricht sie nicht erreicht hat – die hätte sie ohnehin nicht gelesen.
- Die Unterkunft ist sehr besonders: Es handelt sich um das Gebäude der Kegelbahn eines ehemaligen Gasthauses, das hier einst war – eine tolle Geschichte.


- Die freundliche Lady kümmert sich sehr lieb um uns und bringt uns sogar noch Olivenöl vorbei, das wir nutzen zum Abendessen kochen und später zum Popcorn machen 🙂 Njam!

Donnerstag, 23. Mai


“Oh no, it’s raining again” – Der Rheinfall (Quelle für schlechte Wortwitze)
- Beim Frühstück drehen wir Musik auf und es spielt den Song “It’s raining again” – sehr passend, denn draußen regnet es in Strömen.

- Ausgerüstet mit Poncho und Regenjacke ziehen wir also in den strömenden Regen hinaus.



- Der Weg ist natürlich trotzdem sehr schön und da wir nichts und niemandem begegnen bei dem Wetter, nutzen wir das um Harry Potter 5, das Marathon Hörbuch mit seinen 29h, weiter zu hören.
- Das ist gut, denn es lenkt uns zumindest ein bisschen vom Dauerregen ab.
- Unter einer Brücke nutzen wir die Trockenheit und gönnen uns echt Schweizer Snacks: Appenzeller Biberli und Schoko Branches.

- Wenig spektakulär führt unser Weg über Pfade, Sträßchen, Feldwege direkt den Rhein entlang, der aufgrund des Dauerregens einen hohen Wasserstand hat.









- Das spannendste Ereignis ist wohl, als wir an einer Schulklasse vorbeikommen, die einen Rheinschiffahrts-Ausflug unternimmt.
- Wir hören die Ansagen vom Schiff bis zu uns hinüber dröhnen, während wir gleichzeitig im Boot gelangweilte, am Handy hängende Teenager beobachten.




- Wir erreichen endlich den Rheinfall, wo wir trotz des Regens beschließen, eine Bootsfahrt zu buchen – die Schlange für die Tickets ist immerhin übersichtlich.
- Ob wir vom Rheinfall oder vom Regen nass werden, ist auch schon wurscht, aber sagen wir so – ich hab schon Wasserfall Touren mitgemacht, die ich mehr genießen konnte.









- Vorbei an einem sehr nett ausschauenden Lokal, das leider nur Sitzplätze draußen hat und bei schönem Wetter sicher mega ist, spazieren wir zur unweiten Stadt Schaffhausen, die wir durch einen Fußgängertunnel – ein Highlight mit all dem Regen – erreichen.




- Wir kommen unter im Hotel Federnhut, das wir aufgrund seiner direkten Lage am Weg gewählt haben und das – wie soll man sagen – ein kulturelles Erlebnis bietet: Schon als wir zur Tür hereinkommen, meint die Besitzerin stolz: “Wisst ihr – Schaffhausen ist die einzige Stadt in der Schweiz, wo man noch in Lokalen rauchen darf! Also falls ihr heute Abend rausgeht, darauf müsst ihr euch einstellen!” OK, hätte ich noch ein Fünkchen Lust gehabt, rauszugehen (eh unwahrscheinlich in der Rheinischen Marathonwoche), so wäre mir das spätestens jetzt auch vergangen.



- Außerdem kommt sie mit Sprüchen daher wie “Nur Bares ist Wahres” – wir kommen uns vor wie auf einer Zeitreise und das nicht auf eine positive Art und Weise.
- Naja, bevor wir noch mehr solche Sprüche hören und als ein Paar Leute, die an der Bar hocken, beginnen leicht rassistische Bemerkungen zu machen, nehmen wir das als Zeichen uns ins Zimmer zurückzuziehen und nicht mehr daraus aufzutauchen.
Freitag, 24. Mai


Der Fährmann zum Paradies
- Zuerst einmal spazieren wir durch die Schaffhausener Altstadt zum Café Noordlicht, wo ich entdeckt habe, dass es gutes Frühstück gibt (im Hotel gibt es keines, was uns gar nicht so traurig macht).

- Vorbei kommen wir Gott sei Dank an einem Bankomaten, wo wir Schweizer Franken abheben (“Nur Bares ist Wahres”) und uns fragen, was wir damit den restlichen Weg lang machen sollen, naja – future worries.
- Wir haben zum Glück Zeit, da wir heute eine Fähre über den Rhein nehmen, die ohnehin erst ab 11:45 fährt.
- Das Café stellt sich als Kulturschock nach dem Hotel heraus – es ist total modern und hat veganes Essen, was ich von Schaffhausen nach dem ersten Eindruck gar nicht erwartet hätte – so kann man sich täuschen.



- Matthäus und ich bestellen Frühstücksgerichte, wobei wir die falschen – also andere – geliefert bekommen, uns aber denken “Bevor wir’s zurückschicken und sie haun’s weg, essen wir es halt”, was dazu führt, dass ich einen Rührei-Gemüse-Bagel mit zusätzlichem Lachs bekomme (es gibt auch nicht vegane Optionen) – nicer Deal!
- Entlang der wunderschönen Uferpromenade des Rheins spazieren wir gestärkt zur Fähre.



- Diese führt auf die andere Seite des Rheins in einen Ort namens “Paradies”.
- Als wir am Ufer ankommen, ist weit und breit kein Boot in Sicht, das einzige, was wir sehen, ist ein winziger Anlegesteg und einen Glocke.

- Die läute ich begeistert, woraufhin wir am anderen Ufer prompt einen Motor starten hören und schon kommt es in Sicht – das kleine Bötchen, das von einem Fährmann hin und her gefahren wird.
- Der Fährmann ist chillig und auch ziemlich leiwand, am Schluss sage ich zu ihm: Wow, ein toller Job, Fährmann zum Paradies” – und denke mir, oh, den Spruch hat er sicher schon 1000mal gehört – trotzdem, wirklich nice!



- Beschwingt von der tollen Fährfahrt geht es weiter entlang des anderen Rheinufers, was eh gut ist, da hier mehr Schatten ist und es heute zur Abwechslung wieder voll sonnig ist.








- Wir entdecken ein Plakat mit einem Spruch, der ab jetzt unser neues Wandermotto ist: „Nothing stops us from going forward.“

- Wir spazieren durch Diessenhofen, wo die Michèle herkommt, was total pittoresk und schön ist.






- Es gibt einige voll nette Cafes, die natürlich alle offen haben und mich in Versuchung führen, allerdings erinnert mich Matthäus, dass wir mit Estelle und Pascal Abendessen ausgemacht haben und noch einiges an Strecke vor uns liegt.
- Pause machen wir erst recht spät, da wir gut vorankommen.






- Wir entdecken einen Fiat 500 Parkplatz!
- Am Horizont türmen sich wild ausschauende Gewitterwolken auf und es schaut aus, als würde es sofort anfangen zu regnen.

- In dem Moment fahren zwei Radfahrerinnen vorbei und wir hören die eine zur anderen sagen: “Es regnet gleich, du Opfer!“
- Ja, wir Opfer, es regnet tatsächlich gleich los, und wie – als würde sich die ganze Wolke auf einmal ausleeren.

- Wir stellen uns notgedrungen unter bei der Gärtnerei Meiri, die dankenswerterweise am Weg liegt und sind froh darüber, denn kurz darauf beginnt es auch noch voll zu gewittern.

- Als das Schlimmste überstanden ist, spazieren wir im tröpfelnden Regen nach Stein am Rhein, beziehen das Quartier und ich halte wie Tante Petunia hinterm Vorhang herauslugend Ausschau nach Estelle und Pascal.


- Diese tauchen natürlich pünktlich auf und wir ziehen in eine Pizzeria zum Abendessen, das mit viel Gelächter und viel Geplaudere viel zu schnell vorbeigeht – ein mega Abend!




