E5 Etappen 81-85

Von Stein am Rhein

zum Staufner Haus

Samstag, 25. Mai

Am See entlang und doch nicht flach

  • Die Stimmung ist sehr gut, als wir heute aus Stein am Rhein aufbrechen – zuerst entlang des Rheins, der aber bald breiter wird und in den Unteren Bodensee übergeht.
  • Immer entlang der Zugstrecke, wobei wir auch einige Züge sehen – nice!
  • Was wir auch sehen, sind Katzen und eine Radlergruppe auf City Bikes.
  • Man muss sagen: Die Wege heute sind zwar breit und an den meisten Stellen gut gehbar, aber es sind erstaunlich viele Höhenmeter zu bewältigen – auf und ab führt unser Weg und hie und da auf Hochebenen entlang, von denen aus man wunderbare Blicke auf den vor uns liegenden Bodensee hat.
  • Wir kommen durch ganz viele verschiedene Obstgärten – stimmt, der Bodensee ist berühmt für sein Obst, das man überall in der Schweiz und Deutschland kaufen kann.
  • Einige Stellen des Weges sind richtige Wanderwege, kleine Pfade, steile Aufstiege und Gatsch begleiten uns, aber auch sehr schöne Pfade über Wiesen mit Ausblick.
  • Zur Mittagspause entdecken wir einen Thron, auf dem wir gemütlich zu zweit Platz haben und frische Erdbeeren genießen.
  • Es gibt sogar ein Outdoor Klo – mega!
  • Die Ausblicke auf den See begleiten uns die ganze Strecke über, zwischendurch kommen wir sogar noch in den Genuss von tollen Weingärten, durch die unser Weg führt.
  • Einmal queren wir ein wunderschönes Kloster, das ein beliebtes Ausflugsziel zu sein scheint, es wimmelt nur so von Menschen an diesem sonnigen Samstagnachmittag.
  • Apropos: Als wir uns Kreuzlingen und Konstanz nähern, kommen wir durch zunehmend vollere Orte und vorbei an Bahnhöfen.
  • Hier führt unser Weg über teilweise volle Uferpromenaden, wobei uns das Ausweichen hier bei KM 30 schon zunehmend schwerer fällt.
  • Einmal kommt uns ein Kind am Rad entgegen, das wohl gerade Rad fahren lernt, denn sein Vater erklärt ihm: “Wenn du willst, dass die Leute ausweichen, musst du klingeln.” Und als er aufschaut und unsere leidenden Gesichter und mein “Bitte nicht” bemerkt, fügt er schnell hinzu: “Aber den Wanderern kannst du schon ausweichen, schau, dort drüben ist Platz.” Dankbar bleiben wir auf unserer Spur und das Kind fährt wild klingelnd an uns vorbei.
  • Wir haben 2000 KM des Weges hinter uns mittlerweile, ein Moment, den wir natürlich stolz mit einem Foto festhalten (es braucht mehrere Versuche, bis sowohl wir als auch von uns auf dem Boden ausgelegte “2000” sichtbar sind, aber naja).
  • Zu unserer Freude finden wir auf einer der überfüllten Uferpromenaden einen Eisstand und besorgen sogleich jeder eins – njam! 
  • Vorbei am Bahnhof Kreuzlingen und durch Parks erreichen wir schließlich die Jugendherberge, die in einem wunderschönen Herrenhaus am See untergebracht ist.
  • Wir sind pünktlich da zum Abendessen, das wir gemeinsam mit der sechsjährigen Paula und ihrem Papa genießen, die gerade gemeinsam eine Radtour den Bodensee entlang unternehmen.
  • Nachher lassen wir uns von Paula zu einer Runde Dobble überreden, die fröhlich ausartet in mehrere Runden Dobble, gefolgt von mehreren Runden Mau Mau und einem Harry Potter Labyrinth Spiel – ein schöner Spieleabend insgesamt. 🙂

Sonntag, 26. Mai 

Die Marathon Etappe

  • 8:30 haben wir mit der Martina bei der Jugendherberge Kreuzlingen vereinbart und um 8:15 steht sie schon in der Eingangshalle parat.
  • Super Sache, für die lange Etappe gilt sowieso: Je früher wir starten, desto besser.
  • Herzliche Begrüßung, große Wiedersehensfreude und los geht es den Bodensee entlang – flach auf breiten Wegen.
  • Martina und ich haben anscheinend aufeinander eine “Sprint-Wirkung” und erinnern uns noch, als wir gemeinsam auf den Pilatus gewandert sind in einem Affentempo, sodass wir weniger als die Hälfte der angegebenen Zeit gebraucht haben.
  • Als ich auf die Uhr schaue und wir den Halbmarathon (21,irgendwas km) in weniger als 5h geschafft haben, habe ich fast das Gefühl, dass wir noch immer diese Wirkung aufeinander haben – so schnell waren wir, glaub ich, auf noch keiner E5 Etappe. 
  • An diesem Sonntag mit wunderschönem Wetter ist wenig erstaunlich total viel los auf der Bodensee-Uferpromenade: Fahrradfahrer, Wanderer, Hunde-Gassi-Geher, Ausflügler, Spaziergänger – alles tummelt sich auf dem plötzlich schmal wirkenden Pfad.
  • Zu allem Überfluss ist in Arbon bei KM 30 circa offenbar ein Fest, im Ort wimmelt es nur so von Menschen, so dass die Radfahrer sogar absteigen müssen, um sich durch das Getümmel zu schieben.
  • Wir finden anhand eines Plakates heraus, worum es sich handelt: Es ist die “Arbon Classic”, ein Oldtimer-Treff offenbar.
  • Wir sehen Schlangen von Oldtimer-Autos, die spannend anzusehen sind und von teilweise leicht genervten Fahrern gelenkt werden, die anscheinend in der Hitze nicht im Stau stehen wollen (ja, aber was wollen sie dann sonst machen, wenn sie schon hier sind?)
  • Das ungeschlagene Highlight sind aber ohne Frage die Flugzeuge, die in tollen Formationen über den Himmel fliegen – eine Oldtimer Airshow!
  • Kurz darauf sehen wir noch einen Oldtimer-Bodensee-Kreuzer auf dem Wasser und spätestens jetzt bin ich ganz aus dem Häuschen und unser guter Gehschnitt ist vom ganzen Flugzeug-Schauen eh schon im Eimer 🙂 Zahlt sich total aus!
  • Daher zögern wir nicht lange, als wir an einem Eisautomaten (Glace-Automaten) und einem Lokal vorbeikommen und gönnen uns kurzerhand Limo, Eis und Pause – es ist total nett und tut gut, mal zu sitzen.
  • Bei der Bahnstation Rorschach und nach 38km gehen (alle Achtung!) verlässt uns Martina.
  • Wir schießen ein Abschlussselfie, verabschieden uns und weiter geht es hinauf auf einen Hügel mit Aussichten und mehreren Schaukel-Liegen, die wir alle ausprobieren.
  • Aber nicht lange, denn weiter geht es entlang vom weniger bevölkerten Ufer, wo wir statt Flugzeugen Greifvögel am Himmel sehen – auch sehr beeindruckend.
  • Langsam tauchen am Horizont die Berge auf – ein wunderschöner Anblick.
  • Nach nicht einmal 10h Wandern (Gehen inklusive Pausen und Flugzeug-Schauen) haben wir den Marathon geschafft! Wahnsinn! 
  • Es geht wieder hinauf auf einen Hügel, auf dem wir uns eine letzte Teepause gönnen und die Füße ausstrecken (ich spür eine Blase) – die Ausblicke sind einfach herrlich!
  • Nun steigen wir ab zur Österreichischen Grenze, denn heute werden wir die Schweiz hinter uns lassen und schon in Österreich übernachten.
  • Fast bei der Unterkunft entdecken wir das Chinesische Restaurant Hu, das zu unserer Freude noch offen hat und wo wir ein super leckeres Abendessen genießen und uns zur Feier des streckenmäßig längsten Wandertages ein Bier gönnen – das schmeckt heute besonders gut! 

Montag, 27. Mai 

Die Bregenzer Stadtmusikanten

  • Heute kommen wir nur langsam in die Gänge – kein Wunder nach der gestrigen Etappe.
  • Wir starten durch den kleinen Ort Gaißau Richtung Bodenseeufer und kommen in den riesigen Wiesen und Schilf-Feldern vor dem See in den Genuss großartiger Fauna: Zwischen dem hohen Gras staken einige Störche und beim genaueren Hinschauen entdecken wir sogar Storchenbabys! Wahnsinn! Die Tiere lassen sich von uns gar nicht beirren und so können wir sie in aller Ruhe beobachten.
  • Auf einer weiteren Wiese, auf der es schon wieder von Störchen nur so wimmelt, entdecken wir auch noch Greifvögel, die wir als fachunkundige Ornithologen leider nicht genauer klassifizieren können (Bussarde, Adler, Habichte? keine Ahnung…)
  • Übrigens (und eigentlich ist es kein Übrigens) sitz ich gerade, als ich das aufschreibe, mit Aussicht über den Bodensee und die Berge, auf denen sogar noch Schnee liegt und muss stark an Erich Kästners “Das fliegende Klassenzimmer” denken, in dem er auch in den Bergen sitzt, und schreibend hie und da auf einen Berggipfel mit Schnee blickt, um ins Winterfeeling zu kommen, da das Buch im tiefsten Winter mit viel Schnee spielt. 
  • Um die Fauna- und Tiersichtungen noch fortzusetzen, sehen wir kurz darauf im Schilf ein Reh mit Kids, das allerdings weniger gechillt ist und laut platschend sehr unauffällig wegrennt.
  • Wenig später kommt eine Katze des Weges (wow, das ist wie bei den Bregenzer Stadtmusikanten), die uns – Achtung, jetzt kommt’s – ungeschlagene 5km des Weges begleitet! Wow!
  • Hier auf der österreichischen Seite des Bodensees kann man sich übrigens nicht so gut auf die Beschilderung verlassen wie auf der Schweizer Seite – ohne Handy wären wir komplett aufgeschmissen.
  • Mittlerweile kommen uns mehr Fußgänger und insbesondere Hunde-Gassi-Geher entgegen, die – wie wir mittlerweile gelernt haben – ein sicheres Zeichen für eine Stadt oder einen größeren Ort in der Nähe sind. 
  • Tatsächlich: Wir nähern uns Bregenz – hoffentlich, denn dort haben wir für heute Nacht eine Unterkunft gebucht.
  • Wir sind beide froh über diese News, da wir beide etwas geschafft von der gestrigen Etappe sind und obendrein zieht schon wieder ein Gewitter auf. 
  • Immerhin gewinnen wir den Wettlauf gegen den Regen (ha, diesmal sind wir nicht die Opfer), wir erreichen unsere Unterkunft – das Seezauber-Appartement – trocken und sind überrascht, wie schön es ist.
  • Matthäus geht lieberweise zum nahegelegenen Lidl einkaufen, da meine Blasen crazy groß sind und ordentlich weh tun.
  • Wir kochen uns ein leckeres Abendessen, das wir Klettern schauend genießen – mega!
  • Chillen, Tee trinken, lesen und dann ab ins Bett! 🙂 

Dienstag, 28. Mai 

Drittes Frühstück am Dreiländerblick

  • Klettern schauen beim Frühstück – yes!
  • Einpacken, fertig machen, Wäsche einsammeln, los geht’s: Etappe 84, wir kommen!
  • Bregenz lassen wir hinter uns liegen, um hineinzustarten in den zwar wunderschönen, aber nicht gerade flachen Bregenzerwald.
  • Da es schon so spät ist und wir wieder Hunger bekommen, nehmen wir unser zweites Frühstück nach knapp 5km und einigen Höhenmetern auf einem Bankerl ein.
  • Zu Harry Potter 5 steigen wir auf zum Dreiländerblick, wo auch ein Gasthaus liegt, das zwar selbst geschlossen hat – aber der Getränkeautomat steht allzeit bereit und wird von uns sogleich geplündert – fürs dritte Frühstück. 🙂 
  • Mein Lieblingstag bisher! 
  • Mama und Papa haben ein Update zu ihrer eigenen crazy Wanderung geschickt – auch sie haben eine Marathon Etappe hinter sich ins schöne Gurk.
  • Weiter geht es mit wunderschönem Panorama in alle Richtungen – auf der einen Seite der Bodensee, auf der anderen die Alpen.
  • Es geht hinauf auf den Berg, bevor wir absteigen nach Alberschwende.
  • Prompt verpassen wir eine Abzweigung, weshalb wir dreimal an zwei Bauern, einer im Traktor, einer quatschend davor, vorbeihatschen, die uns beim dritten Mal, als wir endlich den richtigen Weg entdeckt haben, fragen: “Wischts eh, wo anne?” (frei übersetzt “Wisst ihr eh, wohin?”) Ja, mittlerweile schon. 
  • Alberschwende ist äußerst ruhig (man könnte fast schon sagen “ausgestorben”) – naja, es ist auch Dienstagmittag.
  • Durch Alberschwende durch geht es hinüber zum Brüggelekopf, den wir aufsteigen und bald schon das Brüggelehaus erreichen, bei dem wir uns einen Most gönnen.
  • Das Haus ist besucht von uns eher random daher kommenden Wanderern und außer uns lauter Menschen, die offenbar den Hüttenwirt kennen und alle miteinander “Gute Bekannte” sind (wir fühlen uns ein bisschen Alien).
  • Bisschen beschwipst vom Most steigen wir den Gott sei Dank einfachen Weg ab, der uns über eine Brücke und einen sich durchs Tal schlängelnden Weg (“Boah, das ist auch ein ganz schöner Hatscher”, meint der Hüttenwirt) nach Lingenau führt.
  • Dort finden wir unser Hotel “Adler” (wie auch sonst), wo wir in den Genuss eines erstaunlich guten Drei-Gänge-Menü-Abendessens kommen.
  • Mit Weinbegleitung – richtiges Frankreich-Feeling kehrt ein – aber auf jeden Fall sehr nice!

Mittwoch, 29. Mai 

Die Nagelfluhkette

  • Unser Frühstück im Hotel ist super umfangreich und so genießen wir es in vollen Zügen und sind ganz überrascht, als wir doch schon um 9 Uhr loskommen.
  • Zunächst führt der Weg hinüber über einen kleineren Hügel nach Hittisau, von wo aus wir hineinstarten in die Nagelfluhkette.
  • In Hittisau gibt es einen Spar, dem ich nicht widerstehen kann und sofort hineinrenne, um ein Latella zu kaufen, von dem ich schon mindestens zwanzig Etappen lang träume.
  • Es ist voll Österreichisch alles und natürlich finde ich sofort das Latella im Kühlregal und finde es sehr schwer dem Angebot “4 Latellas + 1 gratis” zu widerstehen.
  • Der Gedanke daran, das Gewicht von 4 Latellas plus einem im Bauch und die Tatsache, dass ein Aufstieg von mehr als 1000 Höhenmetern folgt, hält mich dann doch davon ab und wir trinken happy unser eines Latella vorm Spar.
  • Nun folgt die Entscheidung: Gehen wir durchs Tal oder steigen wir gleich schon auf, um den schönen Höhenzug auf aber eher schwierigeren, teilweise schwarzen Wanderwegen entlangzugehen?
  • Wir entscheiden uns dank guten Wetters und mittlerweile erlangter Fitness für den Höhenweg und machen uns auf den langen Aufstieg zum Hochhäderich.
  • Dort gönnen wir uns eine Gipfelpause mit Jause, bevor wir den ganz schön kletterlastigen Weg über Falken etc. in Angriff nehmen.
  • Die Aussicht ist und bleibt fantastisch: Man sieht die Berge, den Bodensee und weit über die Ebene hinaus.
  • Man sieht allerdings auch, dass durchaus viel Schnee die Alpen bedeckt, was uns ein bisschen Kopfzerbrechen bereitet – naja, Was sollen wir machen? “Schau ma mal, dann seh ma schon”, heißt die Devise á la Christoph.
  • Das Gestein ist spannend und wie ich es noch nie gesehen habe – fast wie wenn viele kleine Steine zusammenzementiert wurden und immer wieder einer hinausbricht (gar nicht so praktisch zum Klettern).
  • Dafür ist die Nagelfluhkette bekannt und danach ist sie auch benannt (das Nagelfluhgestein), lernen wir später.
  • Zu Harry Potter 5, wo wir ja Fortschritt machen müssen, klettern wir über Stock und Stein und begegnen so vielen anderen Wandern wie noch nie.
  • Gerade, als es beginnt zuzuziehen und das Wolkenfeld dichter wird, kommt das Staufner Haus in Sicht, das total voll ist und wo wir sogleich den Schlafsaal beziehen, wo wir gerade noch so zwei freie Betten finden.
  • Es gibt Abendessen, gemütliches Beisammensein mit Bier, quatschen mit anderen Wanderern und insgesamt ist es sehr “gezellig”.

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