Joshua Tree Nationalpark

Joshua Tree Nationalpark

Kletterwochenende

Freitag, 27.Oktober

S’Mores und wo bitte ist Orange County?

  • Wir kommen also nicht ganz pünktlich am Black Rock Campingplatz an, wo Matthäus mich mitsamt meiner gesamten Kletter- und Campingausrüstung aus dem Auto wirft und selbst weiterfahrt zu seinem eigenem Campingplatz.
  • Dort baut er im Dunkeln Zelt auf und bewundert den wunderschönen Sternenhimmel, aber nur kurz, bevor er ins Bett fallt (also auf die Isomatte genauer gesagt).
  • Wir treffen inzwischen als Gruppe zusammen – wir sind ca. 20 Frauen plus 4 Guides (weiblich, versteht sich), denn ich habe ein Woman-only Kletterwochenende gebucht, da der Matthäus ja eh nicht klettert, habe ich gedacht, das wäre ganz cool eigentlich.
  • Zunächst einmal versammeln wir uns alle beim Feuer, das Gott sei Dank schon hellicht lodert, denn immerhin befindet sich der Joshua Tree Nationalpark verteilt über zwei Wüsten (die Mojave Wüste im Norden und die Colorado Wüste im Süden), wodurch die Temperaturen in der Nacht stark sinken.
  • Ich brauche zu meiner Überraschung alle meine warmen Schichten gleichzeitig – das hätte ich nicht erwartet.
  • Wir quatschen zuerst ein bisschen, wobei ich mit einer Frau ins Gespräch komme, die mir erzählt, sie käme aus Orange County – daraufhin begehe ich einen fundamentalen Fauxpas und frage: „Ah, where precisely is that? In California?“, woraufhin ihr die Kinnlade runterfällt und sie entgegnet: „THE Orange County? Close to LA? You don’t know it?!“, und woraufhin alle Kontaktversuche vorbei sind und wir leider das Wochenende keine Freundinnen mehr werden können.
  • Keineswegs verzagt nach diesem Start beginne ich also stattdessen ein Gespräch mit der Frau auf der anderen Seite von mir, die über meinen Fauxpas nur lacht und meint: „Well, yes, those people from Orange County…“, und selbst aus San Diego kommt, was nach einer sehr nicen Stadt klingt.
  • Wir starten offiziell mit einer Vorstellrunde, wobei jede sagen soll, wie sie heißt, woher sie kommt, wie ihre Klettererfahrungen sind und das Verrückteste, was sie diese Woche gegessen hat, nennen soll.
  • Da wir hier in den USA sind, ist das Verrückteste, was die Leute gegessen haben, bei den meisten wirklich verrückt. Allerdings bin ich abgehärtet von der Texas State Fair und bin überhaupt nicht mehr überrascht darüber, was die Leute hier als Mahlzeit erachten oder welche Mischungen aus Zutaten sie zusammenmischen, um ihr Abendessen zu kreieren (obwohl Porridge mit Parmesan nach einer Beleidung von Schotten UND Italienern zugleich klingt…). Worüber ich doch ein bisschen überrascht bin, ist eine Frau, die erzählt, dass das Verrückteste, was sie diese Woche gegessen hat, Spaghetti mit Nutella und Käse sind, wobei sie das gar nicht so verrückt findet, das isst sie schließlich regelmäßig als „Comfort Food“.
  • Apropos verrücktes Essen: Ich lerne später noch, wie man richtig S’Mores macht – S’Mores sind über dem Feuer geschmolzene Marshmallows, die man dann zwischen zwei Kekshälften mit einem Stück Schokolade zu sich nimmt.
  • Das klingt geil und ist es auch, daher lerne ich bereitwillig die Tipps und Tricks, wie man das beste Ergebnis in Punkto Geschmack erzielt, wobei es eine Glaubensdiskussion darüber zu geben scheint, ob man Marshmallows langsam über dem Feuer rösten soll oder flambieren, also kurz zum Brennen bringt, bevor man sie löscht und dann zwischen den Keksen zerdrückt.


  • Wo sich alle einig sind, ist, dass die Schokolade auch neben dem Feuer geschmolzen werden muss – und da stimme ich zu.
  • Fun Fact: Der internationale S’Mores Day findet jährlich am 10. August statt. 🙂
  • Bald schon also sitzen wir alle mit einem Staberl und Marshmallows neben dem Feuer, quatschen gemütlich und essen S’Mores – und das unter einem wunderschönem Sternenhimmel, über den immer mal wieder eine Sternschnuppe zieht – was will man mehr?

Samstag, 28.10.

Klettern im Joshua Tree

  • Heute geht’s los zum ersten Kletterspot – und da es heiß wird untertags in der Wüste, starten wir auch schon bei Sonnenaufgang.
  • Nach einem kurzen Frühstück fahren wir ab in den Nationalpark und bewundern die vielen Joshua Trees, die man hier überall sieht.
  • Wir erreichen den vermeintlichen Kletterspot, zu dem unser Guide uns führt, bevor wir feststellen, sie hat mit unserem zweiten Guide Shannon einen anderen vereinbart, wo Shannon schon zwei Seile zum Topropen aufgebaut hat.
  • Nach einer kurzen Verwirrung fahren wir also doch noch ein Stück in den Park hinein, wo wir bald schon den richtigen Kletterspot und auch Shannon finden.
  • Wir bauen unser Basislager auf (heißt, wir droppen alle unsere Taschen und Zeug auf einem Haufen unter einem Baum, der hoffentlich Schatten spendet) und legen zuerst einmal mit der obligatorischen Sicherheits- und Sicher-Klettern-Einführung los.
  • Da wir die fortgeschrittene Gruppe sind, geht das Ganze schnell und es dauert nicht lange, bevor wir endlich auf den wunderschönen glatten und malerisch ausschauenden Felswänden klettern.
  • Der Fels ist auch gewöhnungsbedürftig, aber erinnert mich ein bisschen an den Sandstein in Fontainebleau – die Fußtritte sind so gut wie nicht vorhanden und man muss einfach auf seine Schuhe und „Tritte“ vertrauen.
  • Nach einer Weile haben wir alle ein bisschen ein Gefühl entwickelt und bewegen uns recht fix die Kletterrouten hinauf – es macht mega Spaß!
  • Die Sonne wird nach und nach intensiver und bald schon suchen wir die angenehme Kühle des wenigen Schattens, den es hier gibt.
  • Was nur noch fehlt ist eine Hängematte, aber der Spirit hier scheint eher Amerikanisch: Als sich meine Mittagspause schon sehr lange hinzieht und ich immer noch den Schatten und den angenehmen Liegefels genieße, den ich gefunden habe, fragt mich eine Mitkletterin ungeduldig, ob ich nicht schon wieder klettern möchte – ich lehne dankend ab, aber biete ihr an, sie zu sichern.
  • Überhaupt behandeln viele das eher als eine Art Competition als als entspannten Kletterurlaub.
  • Nach einer weiteren intensiveren Klettersession machen wir uns auch schon wieder auf den Rückweg und chillen noch ein wenig am Campingplatz am Feuer, genießen die untergehende Sonne und quatschen eine Runde.
  • Dank Bewegung untertags und der krassen Sonne sind wir alle etwas angeschlagen und gehen schon so um 9/10h ins Bett – immerhin möchten wir ja auch morgen schon wieder früh starten.
  • In der Nacht wird es richtig kalt – immerhin ist es ja auch Wüste, aber dafür ist mein Schlafsack nicht geschaffen, also habe ich bald schon sämtliche Gewandschichten, die ich mithabe, an.

Und meanwhile – Matthäus‘ Tag

  • In der Colorado Wüste im Süden hat Matthäus eine Wanderung herausgesucht, die er heute angeht.
  • Diese startet bei einer Oase und führt zu einer anderen Oase.
  • Dabei sieht Matthäus einen Kolibri, den er tatsächlich auch ganz gut aufs Foto bekommt.


  • Nach dieser ersten Wanderung geht es weiter auf einen Hügel, von dem aus man einen 360 Grad rundum Blick hat.
  • Und macht zum Abschluss noch eine kurze klassische Nationalpark-Wanderung.


  • Für den Sonnenuntergang fährt er zu einem Sonnenuntergangspot, der sich als sehr schön herausstellt (so schauen zumindest die Fotos aus).


  • Am Abend wechselt er Campingplatz, da alle im Park von Samstag auf Sonntag schon ausgebucht waren, und übernachtet diesmal mit dem Zelt bei einem RV-Camping Platz – also vollgestellt mit so Camperfahrzeugen.


  • Dort kommt er ins Gespräch mit einem Pärchen, mit denen er grillt, Bier trinkt und quatscht.

Sonntag, 29.10.

Ein weiterer Klettertag und Fahrt nach Barstow

  • In der Früh packen wir zunächst einmal unsere Sachen ein, da wir den Campingplatz ja heute verlassen und verladen sie in die Autos.
  • Dann starten wir wieder los, diesmal zu einem anderen Kletterfelsen, der besonders viele Cracks (Risse) hat, da heute unser Crack-Projekte Tag ist.
  • Wir lernen von Shannon ein paar Basics des Crack Kletterns und dürfen ihre Crack Handschuhe ausborgen, um uns selbst daran zu versuchen – es ist anstrengend, macht aber auch mega Spaß.
  • Sämtliche Körperteile können und müssen auch verwendet werden, um maximale Reibung zu erreichen und bald schon sind wir alle aufgeschürft an allen möglichen und unmöglichen Stellen.
  • Da wir heute alle ein bisschen müder als gestern sind und die Sonne noch erbarmungsloser herunterprallt, machen wir dann als Kletterpause eine Session, in der wir lernen, wie man Anker baut und abbaut.
  • Anker nennt man die Sicherungs-Vorrichtung am Top, also ganz oben bei einer Kletterroute, an der man z.B. ein Seil zum Topropen anhängt oder an der man sich abseilt – diese muss natürlich besser gesichert sein als die Zwischensicherungen und vor allem muss man Anker im Fels hängend auf- und abbauen können, was eine Kunst für sich ist und was man am besten wie im Schlaf können sollte, damit auch wirklich nichts schief geht dabei.
  • Der heutige Klettertag ist auch ein bisschen kürzer, da wir dann schon aufbrechen zurück zum Zeltplatz, wo wir die letzten Sachen einpacken, Zelte abbauen und sich die Leute wieder am Heimweg machen.
  • Matthäus verspätet sich ein bisschen, da er seine Wanderung von der Dauer her leicht unterschätzt hat, kommt aber dann auch und gemeinsam fahren wir zum Punkt, von wo aus wir unser letztes Route 66 Stück morgen starten: zurück nach Barstow.

Meanwhile Matthäus‘ Tag:

  • Eine lange Wanderung macht Matthäus heute eh ganz in der Nähe von unserem Kletterspot, stellt sich heraus: Durch die Mojave Wüste mit Joshua Trees, zu einer Oase mit Laubbäumen, einen Abstieg über Felsen hinab und dann durch ein trockenes Flussbett führt die Wanderung zum Einstiegspunkt auf der anderen Seite und dann wieder retour – dank der Höhenunterschiede sieht man wieder sehr unterschiedliche Landschaften und es entstehen tolle Fotos.

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