
Cultural Center und Rastafari Kultur in Montego Bay
auf Jamaika.
Freitag, 15. Dezember 2023
Rastafari Food
- Zu Mittag kommen wir dank Knutsford Express Bus in der Stadt Montego Bay, von den Einheimischen liebevoll „Mo’bay“ genannt, an.
- Mit einem Taxi, das wir dank meiner Verhandlungskünste günstiger als erwartet bekommen, geht es ab zur Unterkunft, Mobay Kotch.
- Die Unterkunft ist ein Hostel, aber ein ganz besonderes, da es in einer alten Villa im Herzen der Stadt liegt.

- An dem Haus selbst wurde nicht viel verändert, was mich sehr freut, da es wirklich Charme hat mit seiner geschwungenen hölzernen Treppe, die aus dem hohen und gemütlichen Gemeinschaftsraum in den ersten Stock führt, seinem Hinterhof, in dem eine ebenso gemütliche Sitzecke eingerichtet ist, und seinem holzvertäfelten Boden, der das Bild komplett macht.
- Die Räume sind hoch, wie Wiener Altbauwohnungen, genauso wie die Fenster, was dem Ganzen einen hellen, freundlichen Flair verleiht.


- Zuerst chillen wir im Zimmer, bevor wir uns hinauswagen in die laute, lebendige und quirlige Stadt.
- Wir sind wirklich mitten im Zentrum, nur einen Steinwurf vom Mobay Kotch entfernt liegt der Hauptplatz, Sam Sharpe Square, benannt nach Samuel Sharpe, der die 1831 Christmas Rebellion angeführt hat und daher als nationaler Held in die Geschichte eingegangen ist.
- Wenn ihr wissen möchtet, was es mit der 1831 Christmas Rebellion auf sich hat, nicht verzagen, einfach weiterlesen, denn darüber werdet ihr demnächst aufgeklärt.
- Auf dem Platz befindet sich auch das National Museum West, wo wir spontan beschlossen haben hinzuschauen.
- Als wir das ansehnliche Gebäude mit Weihnachtsbaum davor erreichen, werden wir enttäuscht, denn aufgrund einer Mitarbeiterversammlung macht das Museum heute schon um 15 Uhr zu (und es ist mittlerweile halb 3).

- Planänderung: Stattdessen schauen wir zu einem veganen Rastafari Lokal, das ganz in der Nähe ist und sehr gut sein soll.
- In der Stadt wimmelt es nur so von Menschen, die sich die Gehsteige entlangschieben, und neben der Straße verkaufen Händler ihre Waren, die sie auch lautstark anpreisen.
- Ein Geschäft hat Customers Appreciation Day und veranstaltet passend zum Thema ein Quiz und alle möglichen anderen Events.
- Wir erreichen das Restaurant, das eigentlich eher ein Foodstand ist – man bezahlt bei einem Standerl und geht dann mit der Rechnung zu einem anderen Standerl, wo das Essen zubereitet wird.

- Mit dem Essen chillen wir uns dann auf gemütliche Tische, die sie aufgestellt haben, und genießen das sehr leckere und auch scharfe Curry Tofu und Pea Stew, njam!
- Das Essen erinnert uns sehr an Ugandisches Essen, es wird sogar serviert mit Kochbanane, Kassawa und so einer Art Maisbrei.





- Zurück geht es zur Unterkunft und beim zwei Minuten entfernten Supermarkt decken wir uns mit Wraps ein zum Abendessen, bevor wir den Rest des Nachmittags in den gemütlichen Räumen des Motels lesen, rätseln und einfach die Stimmung genießen.
Samstag, 16. Dezember
Montego Bay Cultural Center und Strände
- Wir schlafen endlich mal wieder aus, yeah!
- Dann machen wir uns ganz gemütlich auf den Weg zum Montego Bay Cultural Center, in dem es eine Ausstellung über die Geschichte Jamaikas, eine über die Rastafari Kultur und eine Kunstgalerie gibt.

- Rastafari entstand als politische und religöse Bewegung in den 1930er Jahren, beeinflusst durch Marcus Garvey, der eine Vision von Afrikanischer Vereiningung und der Unabhängigkeit aller Afrikanisch-stämmiger Menschen hatte:
For Blacks to overcome their feelings of inferiority and build upon their own unique and evolving culture, and ultimately return to Africa to redeem their homeland and to build a future
- Er gründete die Universal Negro Improvement Association (UNIA), die sich für soziale und wirtschaftliche Unabhängigkeit von Afrikanischen Menschen einsetzte und sich sehr schnell in mehreren Ländern verbreitete. Kooperative Unternehmen wurden gegründet, Schulen geöffnet und eine dreifarbige Fahne wurde entwickelt (rot, schwarz, grün), die von einigen Afrikanischen Staaten auch im Zuge ihrer Unabhängigkeit übernommen wurde.
- In einer Vision sah Marcus Garvey, wie die Krönung eines schwarzen Königs in Afrika die Befreiung der Afrikanischen Menschen bringen würde.
- Und als 1930 ein Mann namens Tafari Makonne oder Ras Tafari (Ras heißt „König“) sich selbst zum Kaiser Äthiopiens Haile Selassie I erklärte, sahen einige Anhänger der Rastafari Bewegung darin die Erfüllung von Garveys Prophezeiung. Die Bibel spielt dabei auch eine große Rolle und Selassie, der selbst behauptete ein direkter Nachfahre König Davids zu sein, untermalte so auch das Bild von ihm als Art Gott, oder Messias.

- Die Rastafari Kultur meint, das Prinzip eines ausbalancierten Lifestyles, „livity“, wird erreicht durch das Tragen von rot, schwarz und grünem Gewand, das Lassen von Haaren in ihrem möglichst natürlichen Zustand und durch eine „I-tal“ Ernährung, die natürlich und vegetarisch ist. Religiöse Rituale sind zum Beispiel Gebete, das Rauchen von Marihuana um bessere Meditation zu erreichen und „Bingis“, so eine Art Trommelrituale.
- Sehr interessant alles in allem und sehr spannend, was alles hinter der Bewegung steht und wie symbolträchtig das Tragen von Dreadlocks tatsächlich ist.
- Insgesamt ist das Museum super aufbereitet und gestaltet und wir lernen wirklich viel – auch darüber, wie Jamaika Anfang des 19. Jahrhunderts langsam, Schritt für Schritt, seine Unabhängigkeit erlangte.
- Maßgeblich dazu beigetragen hat die Christmas Rebellion, oder auch Baptist War, ein Sklavenaufstand auf Jamaika, der elf Tage dauerte vom 25. Dezember 1831 und an dem sich ca. 60.000 der 300.000 auf Jamaika versklavten Menschen beteiligten. Angeführt wurde der Aufstand von Samuel Sharpe. Der Aufstand wurde zwar niedergeschlagen, spielte aber trotzdem eine große Rolle in der Abschaffung von Sklaverei im gesamten Britischen Empire.

- Als wir gerade fertig werden mit lesen und anschauen, beginnt es total zu schütten und wir beschließen noch ein bisschen im Gebäude abzuwarten, bis der ärgste Regenguss vorbei ist.
- Dabei kommen wir ins Gespräch mit einer Mitarbeiterin, die einen guten Humor hat, sodass wir viel mit ihr lachen, was mega gut tut angesichts des nicht aufheiternden Wetters und die uns gleich noch Sightseeing- und Restaurant Tips gibt.


- Als sich der Regen endlich in Nieseln umgewandelt hat, ziehen wir los Richtung Meer und Strand, wo es sehr schöne Parks und Promenaden gibt, die man entlangspazieren kann.

- Ich bin total happy, als ich ein Standerl am Strand entdecke, wo ich mir denke, dass man vielleicht Kaffee kaufen könnte. Also schau ich hin und das Ganze läuft in etwa so ab: Marie: “Do you have coffee?“ Typ: „No.“ Ich: „Ok, thanks bye!“ und gehe weg.
- Das war ja wohl nix.







- Weiter geht es ein ganz schönes Stück den Strand entlang, bis wir eine größere Straße erreichen, an der ein paar Restaurants liegen und in eines (ein sehr nettes) davon setzen wir uns hinein.
- Es ist sehr gemütlich, das Essen super lecker und der Milchshake großartig!
- Dann spazieren wir wieder den Strand entlang zurück und lassen den Abend im Gemeinschaftsbereich im Innenhof unserer Unterkunft ausklingen, wo wir ganz nett mit anderen ins Gespräch kommen – sehr gemütlich und entspannt alles in allem.
- Die Leute, die hier übernachten, sind übrigens spannenderweise das Gegenteil von den Leuten, die wir auf unserer Tour in Negril getroffen haben – diejenigen, mit denen wir uns hier unterhalten, sind Individualtouristen und definitiv bereit sich ins Unbekannte und Abenteuer zu stürzen.
Sonntag, 17. Dezember
Home, sweet home
- Heute geht es auf nach Hause – oder besser gesagt in die Niederlande zu meiner Defense.
- Daher wird schweren Herzens eingepackt, bevor wir zum Last Breakfast ein besonderes Lokal ausgesucht haben, das direkt am Meer liegt und sehr gutes Essen haben soll.
- Kurz sind wir erschrocken, da es aussieht, als hätte das Lokal noch nicht rechtzeitig offen, aber dann treffen wir eine Kellnerin, der wir kurz die Lage schildern und sie lässt uns netterweise schon hineinsetzen und meint, wenn wir genau bei Öffnung bestellen, sollte es sich ausgehen.

- Gesagt, getan, wir ergattern einen Platz ganz vorne beim Meer mit Blick auf die Bucht und sind wirklich sehr glücklich über dieses letzte und noch einmal sehr gute Essen und den Kaffee!! =)





- Zum Abschluss nach den Regentagen zeigt sich heute mal wieder die Sonne und rundet das Bild perfekt ab.
- Zum Flughafen bringt uns ein Typ, der ein Phänomen für sich ist.
- Er ist aus den USA und ist vor ein paar Jahren hierher gekommen, eigentlich um Urlaub zu machen, wohnt aber mittlerweile einfach im Mobay Kotch und fährt hie und da Gäste zum Flughafen.



- Das Gespräch kommt auf Couchsurfing: Witzigerweise fragt er mich mega überrascht: „You would do couchsurfing? Also all by yourself?“ Und ich meine unbeirrt: „Yes, of course.“ Und im nächsten Satz erzählt er uns, dass er normalerweise, wenn er in den Urlaub fahrt, gar nichts vorher bucht, einfach ankommt, in eine Bar geht und dann dort jemanden sucht, der irgendwo im Hinterhof oder sonstwo ein Bett frei hat, wo er dann übernachtet. Und er macht sich Gedanken über Couchsurfing?! Lustiger.
- Kurz reden wir auch über Politik: Er meint, ah, die Regierung sollte mal das ganze Geld, das die Touristen dalassen, für Farbe ausgeben, dann würde alles gleich viel schöner ausschauen. Ich meine nur, tja, für Farbe wird das Geld nun wirklich nicht ausgegeben. Er darauf: Das sollte sich ändern und er würde sich dafür auch lautstark einsetzen, aber auf der anderen Seite möchte er auch nicht so gerne seine Zeit hier im Gefängnis verbringen.
- Auf jeden Fall ist es mega entspannt und lustig mit ihm und wir kommen gut gelaunt am Flughafen an, mit dieser letzten crazy Taxifahrt als krönenden Abschluss unseres wirklich schönen Karibik Trips!

