
Nationalpark Tour im Südwesten
Montag, 2.Oktober
Chevy Schüssel
- Wir landen also in Las Vegas und ab geht es zur Autovermietung
- Die Service-Mitarbeiterin meint: „Wählt euch einfach ein Auto aus Reihe 7 aus“, also schauen wir uns die Autos in Reihe 7 an (alles SUVs natürlich) und entscheiden uns schließlich -nach einigem hin und her (Kofferraum zu klein – was ist bitte mit den SUVs schief?, bis hin zu Julians Handy lässt sich nicht mit dem Navigationssystem verbinden) für einen Chevrolet (der sich nur auf Bergstraßen wohlfühlt und auf normalen weder gut beschleunigt noch bremst, was wir erst später feststellen) – „Chevy Schüssel“ meint Julian liebevoll
- Ab nach Las Vegas – einchecken im Hilton, in dem wir zu dritt eine Suite haben, in der allerdings Julian selbst sein Sofa Bett überziehen muss
- Wir beschließen, das Mietauto stehen zu lassen und machen uns per Uber auf zum Strip, auf dem sich über ca. 7 Meilen ein Hotel mit Casino neben das andere reiht
- Genau genommen fahren wir zum Bellagio, einem riesigen Hotel, das bekannt ist, weil sich davor ein riesiger, dem Comer See nachempfundener See befindet, in dem man ein Brunnenschauspiel synchronisiert zu Musik bewundern kann (was wir natürlich gemeinsam mit ca. 500 anderen Touristen tun)




- Im Inneren des Hotels befindet sich eine riesige Gartenausstellung, die mich an die Niederländischen Blumencorsos erinnert
- Es geht wieder hinaus auf den vor lauter leuchtenden und blinkenden Lichtern, vermischt mit lautem Hupen und Musik, alle Sinne überwältigenden Strip
- Hie und da muss man die mehrspurige Straße, die sich natürlich in der Mitte befindet, überqueren, wofür für Fußgänger sehr fancy Brücken gebaut wurden, zu denen man per Rolltreppe oder Lift gelangt
- Wir sind geflasht, wie schnell die Lifte hier fahren (was gut ist, wenn man bedenkt, dass das Hotel mehr als 30 Stockwerke hat, aber sich seltsam anfühlt, wenn man z.B. nur zwei Stockwerke hinauffährt), am Strip verwenden wir einen Lift, der super langsam ist, aber fairerweise auch nur in den 2. Stock fahren muss, Matthäus: „Es scheint, man wächst mit seinen Aufgaben“, Julian: „Scheinbar hatte ich nicht viele Aufgaben im Leben“, Marie: „Cheers“
- wir organisieren Bier in einem Supermarkt auf dem Weg, bevor wir ins Hotel Paris schauen, in dem alles dem Thema Frankreich folgt: dementsprechend gibt es „Le Casino“, den berühmten Eiffelturm (aus „Ich, Einfach unverbesserlich“) und eine Bäckerei, „Le Croissant“, bei der Julian sich eine sündteure Quiche besorgt (nicht dass die Preise anderswo besser wären und außerdem, um Julian zu zitieren „Yolo“)




- wieder einmal wird man sofort beim Eintreten in eine surreale, aber auch ein bisschen märchenhafte Welt hineingesogen, in der die Zeit still zu stehen scheint, und gleichzeitig ein Eindruck den anderen jagt
- wir schauen noch in einige andere Casinos/ Hotels, in denen riesige Spielhallen sich über das gesamte Erdgeschoss erstrecken, eine Unmenge an Spielautomaten steht und dazwischen immer wieder Reihen von Black Jack und Pokertischen sind – unsere Mathematikergene halten uns ab, unser „Glück“ (oder eben nicht) zu probieren, doch Julian ist verlockt und möchte einen Spielautomaten testen: Erstaunlicherweise stellt sich das Unterfangen als komplizierter als gedacht heraus und wir durchschauen nicht, wie man an Münzen etc. kommt, mit denen man spielen kann oder wie man bezahlen kann- ich hätte echt gedacht, sie machen einem das leichter
- Wir schauen in das berühmt-berüchtigte und vielleicht größte, aber auf jeden Fall bekannteste Hotel hier am Strip, Caesars Palace, in dem alles im Stil des alten Rom gehalten ist und in dem sich natürlich auch das Kolosseum befindet, in dem regelmäßig Vorstellungen und hauptsächlich Konzerte stattfinden

- Wir testen einem wilden Impuls folgend, ob man mit den Liften nur mit Karte oder an einem Security Typ vorbei in die höheren Stockwerke gelangt, oder ob man einfach so reinmarschieren kann – es stellt sich heraus: Man kann einfach reinmarschieren
- also schauen wir uns ein bisschen im 13. Stock um, der an sich schon riesig ist – wir schauen später nach, das Hotel hat 4000 Zimmer in 6 Türmen verteilt
- Eine Werbung fällt uns auf für die „beste Pizza der Welt“, die allerdings nicht sehr appetitlich ausschaut und eher im Chicago Style (ca 5x mehr Belag als Pizzaboden) daherkommt, wir verzichten dankend
- Trotzdem essen Matthäus und ich noch einen Pizzaslice zum Abschluss, bevor wir uns – mittlerweile schon todmüde- auf machen ins Hotel
Dienstag, 3.Oktober
Die Durchquerung von vier Zeitzonen
- In der Früh erleben wir zuerst einmal einen eiskalten Schock: Der Kaffee in der fancy Hilton Suite ist dubios – to say the least- Julian lässt ihn durchrinnen, schaut dann leicht angeekelt in das Heferl und meint: „Marie, das irgendwas, aber kein Kaffee“ und nachdem ich vorsichtig (Gott sei Dank!) einen Schluck probiert habe, stimme ich zu
- Wir essen Frühstück bei Denny’s, bei dem wir genug Kalorien für die ganze Woche aufnehmen
- Trotzdem folgt kurz darauf eine crazy escalation beim Walmart: Wir besorgen viel Bier für alle Fälle, weil wir Angst haben, in Utah nichts mehr zu bekommen (Utah ist bekannt für seine strengen Alkoholregelungen – man darf z.B. auch keine offenen Flaschen Bier bei sich im Auto haben, also immer schön alles gleich weghauen, sobald wir es getrunken haben!)

- Voll ausgerüstet geht es also mit dem Auto los Richtung Osten- in die wunderschöne karge, aber auch hügelige Landschaft, die Las Vegas umgibt
- Insgesamt ist es eine verrückte Abwechslung zwischen dem Highway, an dem „Orte“, beziehungsweise Wohnsiedlungen sich abwechseln mit Outlets, Retail stores, Essensgelegenheiten und wunderschönen Bergketten, bzw. fast schon wüstenähnlich karger Landschaft








- Matthäus: „Wir sind jetzt in Utah.“ Julian: „Ja ich spür’s eh schon, ja voll stimmt der Jesus ist dem Joseph .. oder wie er heißt erschienen!“
- Wir googeln es: Joseph Smith Jnr. hatte mehrere Erscheinungen von Jesus und hat sogar ein Buch darüber veröffentlicht #Dingediemanunbedingtgelesenhabenmuss
- Zwischen Utah und Nevada verläuft die Zeitzonengrenze, wir durchqueren sie heute dreimal, wodurch wir immer wieder lustige Anzeigen auf dem Navigationssystem bekommen (eine Fahrt von 2 Stunden wird zu einer Fahrt von 3 Stunden, wird zu einer Fahrt von 1 Stunde) und selbst uns überhaupt nicht mehr auskennen, wie spät es eigentlich ist
- Erster Stop ist Valley of Fire, ein State Park (wodurch er kein Nationalpark ist und extra Eintritt kostet), der uns aber sehr beeindruckt
- Es schaut aus wie eine Steinwüste und fühlt sich auch genauso an- es ist heiß, die Sonne prallt herunter und Schatten gibt es keinen
- Hier befinden sich Felszeichnungen von Ureinwohnern, die so weit oben auf dem Felsen sind, dass Julian zu recht fragt: „Wie haben die die bitte dort angebracht?“
- Um den Park hautnah zu erleben, machen wir eine kurze Wanderung, die uns durch canyonartige Felsstrukturen führt und wirklich sehr schöne Aussichten bietet
- Dabei sehen wir eine Familie mit kleinem Kind, das blond ist und überhaupt nicht sehr sonnengeeignet ausschaut, aber auch überhaupt gar keine Sonnenausrüstung hat- als die Eltern das Kind fragen: „Do you want sunglasses?“ antwortet das Kind vehement: „No“ – also bekommt es keine. Julian meint nur kopfschüttelnd: „Kinder wissen ja bekanntlich, was am besten für sie ist.“
- Weiter geht es zum Zion Nationalpark, bei dem wir am späten Nachmittag ankommen und uns fragen, ob wir überhaupt hineinkommen und ob wir überhaupt noch einen Pass kaufen können
- Es gibt einen Jahrespass für alle Nationalparks der USA, der 80$ kostet, was ein super Deal für uns ist und der, hallo USA, für ein Fahrzeug mit bis zu 5 Leuten drin gilt
- Wir finden eine komplizierte Beschreibung online, wie dieser Jahrespass funktioniert, wo man ihn kaufen kann und wie man sich darauf eintragen muss, es ist wie oft auf amerikanischen Websites sehr detailliert und undurchschaubar
- Wir fahren also zum Eingang vom Zion Nationalpark, fragen die Dame am Schalter nach dem Pass; diese nickt, nimmt unsere Kreditkarte entgegen und schwupps überreicht sie uns einen Jahrespass – so einfach kann es sein („Aber Hauptsache, sie haben eine urkomplizierte Beschreibung auf ihrer Website“, sudert Julian not amused)
- Es ist zu spät, um noch eine Wanderung zu machen, also fahren wir stattdessen die Scenic Route entlang, die über eine Bergstraße durch den Park führt und sehr schöne Aussichten bietet





- Im Licht der untergehenden Sonne und mit der Abendstimmung wirkt der zerklüftete und bergige Park sehr sehr schön, und wir kriegen gar nicht genug, doch da ist es schon wieder vorbei und wir erreichen die Parkausfahrt
- Es wird schon langsam dunkel und wir machen uns also auf Richtung Quartier
- Ich fahre über ein schon totes (aber kleines) Viech, es bumpert ordentlich
- Für heute Abend hat Julian ein wirklich tolles Quartier für uns gefunden: Es ist einer der wenigen Orte hier, an denen man offenes Feuer machen darf und wir haben eine kleine Hütte mit Außenbereich und Lagerfeuerstelle



- Natürlich bin ich sofort mit einem Streichholz, Zeitungspapier und Holz bewaffnet bei der Feuerstelle und versuche, die dicken Holzscheite zum Brennen zu bringen (ich hätt‘ gern eine Axt, um sie wenigstens ein bisschen zu zerkleinern) – zuerst unerfolgreich, doch dann finden wir den Spiritus und mit genug Spiritus brennt alles – wie auch unsere Nachbarn feststellen
- Ich erzähle Matthäus und Julian begeistert vom Feuermachen, „Ha, Feuer machen, geht super, sagt mir was ihr in Flammen sehen wollt und schwupps, brennt’s“ – Julian: „Jaja, nach deiner Brandstiftung geh‘ ich dann zur Polizei: „Ich hab an heißen Tipp““
- Wir beobachten den Mondaufgang, der Julian mega begeistert

- Hier ist übrigens einer der besten Orte zum Sterne Beobachten in den USA, da die Lichtverschmutzung sehr gering ist – kein Wunder, wir sind von Steinwüste und Nationalparks umgeben – weit und breit ist keine Stadt
- Dementsprechend toll schaut auch der Sternenhimmel aus- es ist ein Abend, wie ich ihn gern habe: Am Lagerfeuer sitzen, quatschen, Sterne schauen und einfach genießen
- Als Matthäus, unsere Stimme der Vernunft, schon ins Bett gezogen ist, starten Julian und ich – rein aus wissenschaftlichem Interesse- eine Reihe von Marshmallow Experimenten – also wir schmeißen ein Marshmallow nach dem anderen ins Feuer und beobachten, wie sich die Marshmallows aufblähen, bis sie ca. ihre 4 fache Größe erreicht haben und dann schwarz und verkohlt weiter vor sich hin glühen, bevor sie zu Asche zerfallen (Was auch immer die Marshmallows für Inhaltsstoffe haben, das Brennverhalten ist suspekt)
Mittwoch, 4.Oktober
Moderately strenuous hike
- Aufbruch in der Früh (um ca 9h), einpacken, Kaffeemaschine geht =), Julian hat die super Idee, noch extra Kaffee in unsere Thermoskanne einzufüllen und los geht’s
- Marie: „Heute Abend schreibe ich den Blog und stell‘ ihn endlich online“, Julian: „Jaa, 2027, wenn dann dein Blog live geht..“
- Zion Nationalpark ist ein bisschen überlaufen (eine dezente Untertreibung)- jährlich hat er etwa 5 Millionen Besucher und wir sind offenbar ein bisschen spät dran, denn im Gegensatz zu gestern stehen wir in einer sehr langen Autoschlange beim Eingang – immerhin haben wir noch den Hungry Man Sandwich, der uns dreien als Frühstück und Wartezeitvertreib dient
- Parkplätze sind natürlich überfüllt – nach einer Rundtour über sämtliche (drei Stück) Parkplätze sehen wir ein, dass das mit dem Parken im Park nichts wird – das Gute ist, Julian hat herausgefunden, dass man außerhalb auch parken kann, entweder auf 40$ teuren Parkplätzen oder neben der Straße, was dann von der Stadt Springdale aus nur 20$ kostet – das ist die Option, für die wir uns entscheiden und tatsächlich haben wir Glück und finden einen Parkplatz
- Dieser liegt praktischerweise gleich gegenüber vom Visitor Center, also haben wir Glück im Unglück und erreichen sehr schnell den Fußgängereingang zum Park und das Visitor Center, von dem auch die gratis Shuttlebusse in den Park hineinfahren
- Die fahren alle 5 Minuten, also erwischen wir gleich einen und begeben uns auf den Scenic Driveway, der in den Canyon hineinführt und nur per Shuttlebus befahrbar ist
- Es ist wirklich eine sehr schöne Route und schon die Busfahrt ist ein Erlebnis – auf beiden Seiten erheben sich hohe, fast senkrecht abfallende Felswände, die in der Sonne in allen möglichen Farben leuchten
- Der Bus selbst ist ein eher älteres Exemplar und hat fast schon was Nostalgisches, oder wie Julian meint: „Der schaut aus wie so ein Bus, der von der DDR nach Rumänien verkauft wurde“
- Nach längerer Überlegung und nachdem Matthäus den Reiseführer ausführlichst konsultiert hat, entschließen wir uns, den Angels Landing Wanderweg zu machen, den man auch ohne Permit bis zu einer Aussichtsplattform entlanggehen kann
- Die zweite Option wären die „Narrows“ gewesen, eine enge Schlucht am Ende des Canyons, die man entlanggehen kann und die teilweise so eng ist, dass man sogar durch den Fluss gehen muss – dafür bekommt man sogar extra Ausrüstung beim Parkeingang, wie wasser-geeignete Schuhe, so Art Anglerhosen und wasserfeste Rucksäcke, die einige Leute im Bus tragen
- Unsere Busstation ist nicht zu verfehlen, da hier die meisten Leute aussteigen – genauso leicht ist es, den Zustieg zum Wanderweg zu finden; man muss nur der Masse folgen – ich nenne das den „Schaf Move“, wozu Julian meint: „Ja, das können wir Österreicher gut“
- Nachdem wir tausende Warnungen gelesen haben, dass der Weg sehr steil, unwegsam und nur geeignet für schwindelfreie Wanderer ist, finden wir zu unserer Überraschung eine Art Wanderautobahn vor – der Weg ist super befestigt und überall betoniert/ asphaltiert
- Wahrscheinlich ist das nicht so verkehrt, wenn man bedenkt, wie viele Leute ihn täglich benutzen – selbst jetzt, wo nicht mehr Hochsaison ist, ist man auf keinem Stück des Weges allein
- Nachdem wir am Canyon aufgestiegen sind -inklusive spektakulärer Aussichten auf die Felswände links und rechts – erreichen wir den höchsten Punkt, zu dem man gehen kann ohne Angels Landing Permit, beim Weg, der dort hinaufführt, steht tatsächlich jemand und kontrolliert – das erste, das wir schauen, als wir oben ankommen









- Wir machen eine Pause mit Jause bei dem Aussichtspunkt und werden gepiesakt von den amerikanischen Streifenhörnchen, die es hier gibt wie Ziesel am Gerasdorfer Badeteich, die aber im Gegensatz zu den Zieseln weniger scheu sind und sofort zu mir herkommen, als ich Essen auspacke
- In dieser Hinsicht haben sie offenbar Katzengene, denn während ich überlege, ob ich einem von ihnen als Lektion mit der Flasche eines über den Schädel ziehe (eine Überlegung, die ich übrigens wieder einstelle, da ich nicht sicher bin, ob sie vielleicht wie die Ziesel geschützt sind und es nicht gut aussehen würde, wenn ich das Streifenhörnchen bei dem Versuch versehentlich um die Ecke bringe), findet Julian sie total lieb, aber zu ihm geht natürlich keines
- Den selben Weg, den wir hochgegangen sind, wandern wir wieder hinunter, was nichts macht, da die Aussichten anders, aber ebenso spektakulär sind, wie die beim Aufsteigen
- Mit dem Bus geht es zurück zum Eingang, wo wir unser Auto holen und feststellen, dass der arme Typ hinter uns einen Strafzettel kassiert hat, da er ein kleines bisschen über die Parkplatzmarkierung hinaussteht
- Wir decken uns bei einem Café in der Nähe noch mit Kaffee und Smoothie ein:
- Julian bestellt Pfefferminzkaffee und wundert sich, dass er grausig schmeckt, immerhin redet er sich’s schön und meint nach einer Weile: „Man gewöhnt sich an das Pfefferminz“
- Julian zu Matthäus‘ Smoothie: „Ah das Erdbeerding riecht ja fast natural“, Matthäus: „Das ist eigentlich Lemon“
- Wir fragen uns beim Hotel für heute Abend Buchen, was der Unterschied zwischen Queen- und Kingsize Betten ist. Julian meint: „ich glaub die Queensize sind 1,6m und die Kingsize 1,8m oder in den Einheiten hier, 5 Ellen und 3 Frösche
- Auf dem Weg sehen wir einige Mormonenkirchen, kleine Orte, die über viel Fläche ausgebreitet sind, und einsam in der Gegend liegende Farms
- Wir googeln wieder einmal und stellen fest: Utah ist von der Fläche mehr als 3x so groß wie Österreich – Wahnsinn!
- Wir sehen einen Steinschlag direkt neben der Straße und ein wenig später einige Rehe, die neben der Straße herumhängen – Julian ist entsetzt: „Na servas, das hab ich in 10 Jahren Autofahren noch nicht ghabt und jetzt seh ich beides an einem Tag!“ – er ist offenbar noch nicht sehr oft im Waldviertel Auto gefahren…
- Wir erreichen den Bryce Canyon Nationalpark am Nachmittag, früh genug um noch eine kurze Wanderung in den Canyon hineinzumachen, was uns wieder einmal ganz besondere und neue Blickwinkel auf die Gesteinsformationen und die wunderschöne Landschaft bietet
- Der Bryce Canyon ist bekannt für seine Stalagmiten ähnlichen Felsformationen, die wie Spikes überall aus der Erde herausragen und dem ganzen Nationalpark sein charakteristisches Aussehen verleihen
- Die Felsen sind großteils rot, manchmal durchzogen von weiß, was sehr schön ausschaut, besonders in der langsam schon wieder niedriger stehenden Sonne
- Natürlich hat sich irgendwer wieder überlegt, wonach manche Formationen ausschauen und so gibt es zum Beispiel einen Queen Felsen und eine Queens Castle Formation





- Wir fahren noch – nun im Licht der untergehenden Sonne – durch den Park, am oberen Rand des Canyons entlang, von wo aus man immer wieder tolle Aussichten auf das Naturspektakel hat
- Dann geht es auf unsere noch ganz schön lange Autofahrt Richtung Antelope Canyon und gute Nacht!
Donnerstag, 5.10.
Crazy horse, cool camel, dancing donkey und furious frog
- Um 6h ist Tagwache, da wir um 7h beim Navajo Reservat sein müssen für unsere Antelope Canyon Tour, die wir gestern noch spontan gebucht haben
- Die Navajo sind die größte Native Nation in Amerika, mit einem Reservat von 27000 Square miles, das sind- schauen wir nach- ca 67.000 Quadratkilometer (also eine Fläche ähnlich groß wie Bayern)
- Auf ihrem Land befindet sich auch der Antelope Canyon, den man seit 1997 im Zuge von Führungen von 5 Anbietern, alle in Navajo Händen, besichtigen kann
- Geschäftstüchtige Indianer scheint’s – Unser Guidebuch aus dem Jahr 2013 schreibt noch eine Führung koste 25$, wir zahlen pro Führung eher 100$
- Als wir ankommen, hängt überall am Parkplatz Halloween Dekoration, auf meinen Kommentar hin „Die Navajo Nation wurde auch schon heimgesucht vom Halloween Wahn“, meint Matthäus trocken: „Ich glaube, die Navajo Nation wurde schon von allem ausreichend heimgesucht, was USA ist“
- Sherry, unsere Navajo Führerin, erzählt uns, dass sich die Navajo selbst als Dine bezeichnen – Navajo ist der Name, den ihnen offenbar die Spanier verpasst haben
- Der Antelope Canyon ist sehr unscheinbar von außen, aber dafür umso beeindruckender von innen – kein Wunder, dass er so viele Besucher anzieht, eine Tour der anderen folgt und auch Promis hier waren und Künstler ihn nutzen, so wie einige bekannte Fotografen und Britney Spears in ihrem Musikvideo von „I’m not a girl, not yet a woman“

- Dank früher Stunde haben wir Glück und sind nur in einer kleinen Gruppe von 5 Personen unterwegs (die nächsten Gruppen, die kommen, sind immer mindestens zu 12.)
- Mit einem Pick up truck, auf dem hinten zwei Sitzbänke montiert sind, geht es über „super bumpy roads“ (die waren offenbar noch nie in Uganda) zum Canyon
- Sherry erzählt, dass die Navajo 8-eckige Häuser haben, deren Eingang Richtung Osten zeigt und in denen man sich nur im Uhrzeigersinn entlang bewegen soll – sie erzählt auch, wie ihre Großmutter ihr das als Kind immer eingebläut hat, und auf die Nachfrage, warum, sie vertröstet hat auf „Das erklär‘ ich dir, wenn du älter bist“, was erstaunlich ist, da die Erklärung einfach ist, dass man nicht in den Norden gehen soll, da der als dunkel und unheilbringend betrachtet wird
- Der Canyon selbst ist, wie gesagt, sehr eng und von außen kaum sichtbar, aber innen wirklich beindruckend, besonders da das Licht die geschwungenen Wände aus allen möglichen Winkeln beleuchtet, so dass der rote Sandstein teilweise im Dunkeln liegt und teilweise rot leuchtet – es ist perfekt für Fotos und Sherry ist eine super Fotografin und zeigt uns Dinge mit den Handys, von denen wir alle überhaupt noch nie gehört haben
- Ansonsten erzählt sie zwar interessante Geschichten, aber ein bisschen random sind die Informationen, die wir bekommen, schon
- Naja, es geht ja hauptsächlich darum, den wahnsinnig beeindruckenden Canyon von innen zu sehen
- Apropos – ungefährlich ist das Vergnügen nicht, denn 1997 hat eine plötzlich auftretende Flut 11 Touristen in den Tod gerissen und es ist tückisch, denn solche Fluten können durch Unwetter, die meilenweit weg sind, entstehen und sind schwer vorhersehbar – im gleichen Jahr sind übrigens auch 2 Wanderer im Grand Canyon im Phanton Creek umgekommen bei einer Sturmflut
- Wir werden recht durch den Canyon „geschleust“, denn hinter uns kommt schon die nächste Gruppe und vor uns ist noch die vorige Gruppe, aber trotzdem haben wir genug Zeit uns umzuschauen und Fotos zu schießen
- Der Canyon hat eine Art V-Form, ist also zuerst breiter und wird schmäler, was die Wände noch einmal beeindruckender nah zusammenrücken lässt

- Wir erreichen den Ausgang, wo ganz neu (in COVID Zeiten) ein Aufgang gebaut wurde, um den Touristen den Aufstieg zu erleichtern und sie gleichzeitig schön beisammen zu halten
- Über einen Weg geht’s retour zum Canyon Eingang, wo die Flotte der Autos unseres Tourbetreibers jetzt nicht mehr alleine steht, sondern drei weitere Flotten von Autos angekommen sind, die aus allen möglichen Bus-oder Transporterartigen Fahrzeugen bestehen, wovon unsere allerdings die abenteuerlichsten sind – also wir sind glücklich, diese erwischt zu haben

- Beim Parkplatz werden schon die nächsten Flotten an Autos beladen, wozu Matthäus meint: „Das hat ein bisschen ein Flair wie Viehtransporter“
- Ab geht’s zum Denny’s für ein sättigendes Frühstück und ich entdecke am Klo die „Healthy Soap“, wo ich mich frage, was das wohl ist – „Das ist aber auch das einzige healthy-e hier drinnen“, Matthäus‘ Kommentar dazu
- Wir unterhalten uns darüber, dass Julians Mum auch schon hier war und zwar in den 80ern & ich frage nach, ob sie auch beim Antelope Canyon war, worauf Julian antwortet: „Naa, den hat’s ja da noch gar nicht gegeben, der wurde 1997 erst eröffnet“, Matthäus: „Den hat’s da schon auch gegeben“, tja, guter Punkt, daraufhin ich: „Na, da hat sich damals dann eine Erdspalte aufgetan“, Julian: „Eine Kreissäge ist vom Himmel gefallen und hat einen Spalt geschnitten…“
- Der nächste Programmpunkt unseres sehr dichten Programms heute ist der sehr nahe gelegene Horseshoe Bend (oder „Horseshoe Band“ wie Matthäus‘ Handys Autokorrektur gemeint hat) – eine Mäanderkurve des Colorado River, die besonders fotogen ist und der Viewpoint zieht zahllose Touristen an, so auch uns
- Es stellt sich heraus, dass das Areal ein „City Park“ ist, kein Nationalpark, wodurch unsere Nationalpark-Karte nicht gilt und wir die City Park Gebühr zahlen müssen – ein exzellentes Geschäftsmodell
- Vor Ort machen wir den „Hike“ zu dem zwei Kilometer entfernten Aussichtspunkt, wo die obligatorischen Fotos geschossen werden, bevor wir auch schon weiter fahren

- Es geht zum Monument Valley, von dem Julians Mum meint, dass wir es UNBEDINGT gesehen haben müssen, das allerdings auf Google nur eine Bewertung von 4.7 hat – Julian: „Na, da fahr ma nicht hin“, Marie: „Ich fahr zu nix, was eine Bewertung unter 4.8 hat“, wir sind neugierig, warum die Bewertung so niedrig ist und schauen nach: Irgendwelche Heinzis schreiben Sachen wie „voll die Touristen Abzocke, der Gift Shop ist viel zu teuer“, oder „man kann nicht Ski fahren“
- Auf dem Weg hin kommt uns ein Truck entgegen, auf dem hinten ein Flugzeug aufgeladen ist (?!?!), jetzt überrascht uns bald nichts mehr
- Julian telefoniert mit seiner Mum und sie fragt, ob wir, wenn wir in eine solch abgelegene Region fahren, eh genug zum Trinken mithaben, Julian versichert ihr: „Ja Mama, wir ham 8 Liter Wasser und 6 Liter Bier im Auto, das überleb‘ ma gut“
- Wir fahren durch das Navajo Reservat und tanken bei einer -super günstigen, dank niedriger Steuern – Tankstelle am Weg, die Julian liebevoll als „Indianer-Tankstelle“ bezeichnet
- Überhaupt Julian und seine Indianer: Hey, wie geht’s euch? Hey, wie geht’s euch?
- Ich schlafe am Rücksitz ein und als ich aufwache, erstreckt sich vor mir Monument Valley, zu so einer Aussicht wacht man nicht alle Tage auf

- Unser Reiseführer schreibt: „Wenn das Monument Valley über der Wüste ins Blickfeld kommt, erscheint es einem seltsam bekannt. Die ziegelroten Felssäulen, steil aufragenden Tafelberge und Felstürme sind die Stars zahlloser Filme und der Werbung in TV und Zeitschriften.“- und das beschreibt das Gefühl, wenn man Monument Valley das erste Mal sieht, ganz gut
- Wir stehen in der Schlange zum Zahlen (es ist ja schließlich das Navajo Reservat, also kostet natürlich extra Eintritt) bei der Einfahrt an, als ein offenbar Einheimischer mit seinem Pick up Truck unbeirrt außen neben der Straße durch den Sand vorbeischießt – Julian: „Hat der ein Navajo Kennzeichen oder was?!“ Matthäus: „Der kennt den, ich glaub er hat ihm einfach gewunken“, Julian: „Ah, crazy horse, cool camel, jaja, geht schon“
- Fun fact: Sherry erzählt, dass, wenn sich zwei Navajo Leute treffen und sich einander vorstellen, sie anstelle ihres eigenen Namens die Namen ihrer Großeltern nennen – damit stellen sie dann auch gleich fest, ob sie irgendwie entfernt verwandt sind (von dieser Methode sollte man vielleicht in manch kleinen Österreichischen Orten auch Gebrauch machen)
- Monument Valley ist alles, was es verspricht – ein Ort reif für eine Filmkulisse, Steinformationen, die sich rot leuchtend vom Sand der sie umgebenden Wüste abheben und unwirklich, fast schon außerirdisch aussehen









- Viele Felsformationen haben von den Navajo Bezeichnungen erhalten, zum Beispiel der „Raingod Mesa“, der „Camel Biati“, die „Three Sisters“ oder der „Elefanten Biati“- Mesas sind übrigens langgestreckte Felsen, während Biatis freistehende einzelne Felsen sind

- Wir besichtigen das Monument Valley wie alle, indem wir mit dem Auto eine Dirt Road entlangfahren – anders geht es gar nicht, denn man darf weder wandern noch klettern – es ist ja schließlich Navajo Gebiet
- Zwischendurch gibt es Parkmöglichkeiten, bei denen man stehen und Fotos machen kann, was wir auch ausnutzen und was einem die Blicke zusammen mit dem Gefühl, in einer einsamen Wüste zu sein, präsentiert, was noch einmal beeindruckender ist
- Faszinierend, denke ich, wie einsam die Landschaft wirkt, obwohl wir uns gemeinsam mit tausenden anderen Touristen in Autos durch den Park bewegen
- Na gut, manchmal hat man das Gefühl der Einsamkeit nicht, zum Beispiel als wir hinter einem Auto festhängen, das besonders langsam über die Gravel Road fährt – „Jaja, da sind drei Amerikanerinnen drin, drum“, meint Julian und als ich frage, woher er weiß, dass es Amerikanerinnen sind, meint er „das sieht man“ – als wir beim Parkplatz gemeinsam mit ihnen die Aussicht genießen, bemerken wir jedoch, dass es sich, entgegen der Annahme, um Französinnen handelt
- Andere sind nicht so zimperlich und fahren einfach mit ihren super tief gelegten Ford Mustangs über die schon sehr unebene Straße voller Schlaglöcher
- Eines steht fest, für alle ist der Besuch des Parks ein einzigartiges Erlebnis mit bleibenden Erinnerungen
- Der Tag ist noch lang nicht fertig, aber wie es weitergeht, erfahrt ihr im nächsten Blogeintrag zum Grand Canyon



























