
Sieben Meilen Strand, Resort und Slothdom in Negril
auf Jamaika.
Freitag, 8. Dezember 2023
Negril – wir kommen!
- Wir finden unser fancy Resort Hotel auf Anhieb und sind begeistert, denn es liegt direkt am Strand.
- Unser Zimmer liegt allerdings im Erdgeschoss und hat eine Art Terasse, die beinahe mit der Terasse vom Restaurant verschmilzt und daher nicht so gemütlich ist.
- Stattdessen sehe ich einen Stock über uns einen voll schön ausschauenden Balkon mit so Hängesesseln – also frage ich den Rezeptionisten, wie viel ein Upgrade kosten würde.
- Nach einigem Herumgerechne nennt er also einen Preis, den ich erstaunlich niedrig finde, und nachdem er mir das Zimmer gezeigt hat, das ca. doppelt so groß wie das andere ist und eben so einen schönen Balkon hat, meine ich begeistert „Voll, wir nehmen es!“ – woraufhin er mir noch einmal einen Rabatt gibt – nice!

- Später findet Matthäus heraus: Mit meinem absolut treffsicher guten Geschmack habe ich es geschafft, die Suite auszuwählen, heißt wir haben ein richtig günstiges Upgrade vom billigsten Zimmer, welches wir ursprünglich gebucht haben, auf die deutlich teurere Suite, zu bekommen – very nice.


- Obwohl überall fette Schilder hängen „No outside food or drinks“, beschließen wir, ein bisschen Wasser, Bier und Snacks zu kaufen für den Fall, dass wir nicht zum Essen hinausgehen möchten, was durchaus vorkommen kann.
- Zum Supermarkt gelangen wir über den Strand und dann über eine sketchy aussehende Straße zur großen Straße, die parallel zum Strand verläuft und wo auch der Supermarkt liegt.
- Wir essen zur Belohnung des Hotels für das großartige Upgrade Abend im hoteleigenen Restaurant, das sich als teuer, aber nicht herausragend gut herausstellt.
- Zum Ausklang des Abends setzen wir uns in unsere Hängesessel am Balkon und quatschen ein bisschen, während im Hintergrund das Meer rauscht und man die Wellen auf den Strand auflaufen hört.
Samstag und Sonntag, 9. und 10. Dezember
Slothdom
- Ich hab ein neues Wort gelernt: „Slothdom“ (laut Urban Dictionary: „When one has achieved the laziest style of living (as humanly close to that of a sloth). – Typically worse than Senioritis“ )- kurz gesagt: Viel Nichtstun.

- Ansonsten ein bisschen PhD-organisatorische Dinge, Skypen, Blog schreiben, im Hängesessel lesen, im Meer schwimmen, lange Frühstücken.

- Ah, an beiden Abenden gibt es Konzerte mit live Musik, einmal bei uns im Restaurant und einmal in der Nachbarbar – Reggea und Dancehall, das versteht sich von selbst.
Montag, 11. Dezember
Wien Mitte, Landstraße und segelboottechnische Lichtanarchie
- Wir gehen heute den Seven Mile Beach bis zum Ende entlang, heißt bis wir den Ort Negril erreichen.
- Am Weg sehen wir ganz viele Fischerboote und einen Baum, auf dem sich ganz viele weiße Egrets versammelt haben, was uns an den Everglades Nationalpark erinnert.


- Wir spazieren zu einem Supermarkt, der ein bisschen größer ist als der kleine bei uns, und kaufen ein bisschen Essen und Trinken Nachschub, bevor wir die Straße entlang zurückspazieren.
- Das ist gar nicht so uncool, wie ich zuerst annehme, denn hier wurde ein richtig breiter Geh- und Radweg neben der Straße gebaut, über den man sehr gut und ungestört von Taxis entlangspazieren kann.

- Auch wenn man ungestört von Taxis ist, man ist nicht ungestört von Leuten, die einem von selbstgebastelten Halsketten bis hin zu Touren über die Insel alles Mögliche verkaufen möchten – davon gibt es übrigens den ganzen Strand entlang ganz viele, weshalb wir nach dem im Meer Schwimmen immer recht schnell wieder auf unseren Balkon zurückflüchten, um Ruhe zu haben.
- Dementsprechend quatscht uns schon nach einigen Metern ein Typ an, den wir zuerst abwimmeln möchten, aber zuerst beantworten wir seine Frage „Where are you from?“ mit „Austria“, in der Annahme, dass er es nicht kennt und uns dann in Ruhe lässt.
- Stattdessen kommt ein entzückter Aufschrei von ihm und er meint begeistert: „Really Austria?! I lived in Vienna a couple of years!“ Jaja, sicher, denke ich, doch er fährt zu meiner Überraschung fort: „My daugther, she still lives in Austria, in Wolkersdorf.“ No way! Er erzählt, dass er im 3. Bezirk, Landstraße gewohnt hat – das würde dem Julian gefallen.
- Wir gehen zum Essen mal wieder in unser Restaurant, das schon sehr schön direkt am Meer liegt und beobachten Segelkatamarane, die vor der Küste herumdümpeln.

- Die Boote haben offenbar nicht alle funktionierende Lichter, oder ich weiß auch nicht, aber der eine motort unter Ankerlicht, der andere liegt vor Anker und hat überhaupt kein Licht und einer hat ein Segel oben und sicherheitshalber Ankerlicht, Motorlicht und Positionslicher alle eingeschaltet – es herrscht wahrlich Segelboot-Lichtanarchie.
Dienstag, 12.Dezember
Slothdom again
- Wieder viel Nichtstun.



- Lesen, schreiben, im Meer schwimmen, frühstücken, skypen.

- Wir bekommen ein gratis Konzert, denn bei uns im Restaurant spielt eine Band, der wir voll gemütlich vom Balkon aus in unseren Hängesesseln sitzend zuhören können.
Mittwoch, 13. Dezember
Krokodile, Rum und Amerikaner
- Für heute haben wir eine organisierte Tour gebucht, die uns ein bisschen in den Südwesten Jamaikas bringt.
- Der Tourbus kommt uns natürlich direkt vom Resort Hotel aus abholen und ist voller Amerikanischer Touristen, bis auf ein Päarchen aus Kanada.
- Anscheinend sehnen sich alle nach 24/7 Unterhaltung, denn während ich mir gedacht hab – nice, während der Busfahrt mach ich noch einen Powernap, redet unser Tourguide, Elliott, ununterbrochen durchs Mikrophon.
- Das meiste davon ist eher inhaltsleer, bis auf ein paar Villen, die er uns zeigt – „Schaut, in diesem super fancy Resort hat der Kanadische Premier übernachtet – ratet, wie teuer ein Zimmer darin ist.“ (in etwa 10.000$ pro Nacht)
- Er fragt uns auch: „Did you try the flavoured red stripe? It is much better than the pure red stripe.” Ich: “Ah, das spricht für Bierqualität.” Matthäus: “Wie beim Gösser.“
- Unser erster Stopp auf der Tour ist der Black River, ein Fluss, auf dem wir eine Bootstour machen.






- In diesem gibt es Krokodile – daher gibt es seit ein paar Jahren keine Bamboo Rafting Touren mehr. (ooh :()
- Von der Landschaft und der Vegetation her erinnert uns die ganze Bootstour und die Flusslandschaft sehr an die Everglades.




- Wir lernen, dass Krokodile in der Nacht jagen und untertags meistens verdauen in der Sonne – und um sich abzukühlen öffnen sie dabei oft das Maul.
- Der Black River heißt übrigens „Black“ River wegen des Indigos: Die Farbe kommt von den Holzstämmen des „Logwood“ Baums, der von hier nach Großbritannien transportiert wurde und das Wasser ganz schwarz gefärbt hat.

- Außerdem tritt an manchen Stellen im Flussbett Methan aus, das so eine Art Wildfires/ große Feuer verursacht, besonders im Juli und August, wenn es viele Gewitter gibt.
- Krokodile, das wissen wir ja schon aus den Everglades, sind territorial – also weiß unser Bootstourguide genau, wo sich welches in etwa aufhält und sie haben tatsächlich eine Art Lockruf-System entwickelt, mit dem er die Krokodile herrufen kann (und dann kommen sie, weil sie glauben es gibt Futter?! Frag ich mich…)
- Daher sehen wir Jerry, ein ansehnliches Exemplar, und schließlich im Hafenbecken Freddie.


- Und schließlich sehen wir noch ganz viele Baby-Krokodile in ihrer Krokodil-Auffangstation.

- Schon düsen wir auch schon weiter zu den Wasserfällen, den YS Fällen.
- Dort ziehen wir uns unser Badegewand an, denn wir machen einen „Hike“ über die Wasserfall-Stufen.

- Sofort rennt der gesamte Bus in den nächstbesten Touristenshop und besorgt Wasserschuhe – Matthäus und ich beschließen, dass unsere Füße reichen müssen, wie sie sind.
- Super Idee: Kurz später hat Matthäus einen Schiefer im Fuß – na super.
- Ich kann sowieso nicht widerstehen und als ich das erste Wasserbecken seh, dauert es keine 30 Sekunden, bevor ich schon hineingesprungen bin und drinnen herumschwimme.


- Wir werden von Wasserbecken zu Wasserbecken von einem lokalen Guide „geführt“, bzw. wird man ein bisschen weitergescheucht, damit die Massen an Touristen abgefertigt werden können.
- Immerhin etwas muss man den Guides lassen: Sie schießen tolle Fotos von uns.

- Hinter dem Wasserfall sind Höhlen, durch die ich begeistert durchtauche, was wirklich toll ist.
- Ein weiteres Highlight ist so eine riesige Schwingschaukel, die sie aufgehängt haben und von der aus man sich mehrere Meter hinausschwingen und dann in eines der tiefen Becken hineinspringen kann – mega!

- Dort beim größten der Wasserfälle spürt man richtig krass die Strömung und wir haben einen Spaß daran, zu versuchen, gegen diese anzuschwimmen – es ist sehr schwierig, aber es geht.
- Dann geht es auch schon wieder retour, wo wir noch ein bisschen Zeit haben in einem faden Becken zu schwimmen oder einen der unzähligen Touristenshops zu besuchen, bevor es weiter geht.
- Ab zur Appelton Rum Distillerie!

- Dort bekommen wir zuerst ein Mittagessen, bei dem wir – ein bisschen vergeblich – versuchen, uns mit Mitreisenden zu unterhalten – diese sind aus den USA und machen öfters hier auf Jamaika Urlaub.

- Daher sind wir echt erstaunt zu hören, dass dieser Ausflug das erste Mal ist, dass sie sich aus ihrem Resort bewegen und zwar in all den Jahren, in denen sie hier schon Urlaub machen! Normalerweise, meinen sie, bleiben sie einfach im Resort.
- Dann tröpfelt die Konversation eher mäßig weiter und wir sind ganz froh, als die Führung startet.
- Wir lernen, wie man Rum distilliert, angefangen vom Pressen des Zuckerrohrs bis hin zur Lagerung.

- Für das Bedienen der Pressen war ursprünglich John, der Esel, zuständig – heute ist der Prozess natürlich automatisiert und die riesige Presse wird von einem Motor angetrieben.

- Wir bekommen Zuckerrohr zum Probieren, das wir schon aus Uganda kennen – dort hat uns Vicky ein Stück gegeben, als wir zu Besuch waren – allerdings war das damals nicht schon in mundgerechte Stücke zerteilt und in luftdicht abgepackten Packerln verpackt.
- Trotzdem ist es super lecker – halt fast purer Zucker – nicht so wie die Melasse, der Art Sirup, der nach dem Pressen vorhanden ist – der ist super grausig.

- Die heikelste Sache beim Rum, wie beim Whiskey, ist die Lagerung: Diese erfolgt vor allem in Portweinfässern und sie haben den Alterungsprozess des Rums richtig gut dargestellt in Fässern mit durchsichtigen Deckeln.
- Man sieht, wie sich die Farbe verändert und der Rum dunkler wird, aber man sieht auch – und das war mir gar nicht so bewusst – wie viel weniger Rum man nach z.B. 30 Jahren Lagerung hat – das erklärt zumindest auch, warum die Preise proportional zum Alter so steigen.


- Die Führung endet mit einem Rum Tasting, bei dem wir drei verschiedene Appleton Rums probieren dürfen: Den Signature Rum, den 8 Jahre gelagerten Reserve Rum und den 12 Jahre gelagerten Rare Cask Rum.


- Natürlich stellt der 12-jährige Rum die anderen total in den Schatten – es ist wirklich beindruckend, wie viel das ausmacht.
- Gut gelaunt und leicht beschwippst fahren wir also wieder zurück zu den Resorts, wo alle abgeladen werden und wir den Tag noch gemütlich auf unserer Terrasse ausklingen lassen.
Donnerstag, 14.Dezember
All day breakfast
- Wir stehen um ca 12 Uhr auf und ich bilde mir ein, es wäre der perfekte Zeitpunkt für ein Frühstück.
- Allerdings denken da die Lokale am Strand anders und möchten uns nicht einmal mehr ein Spiegelei servieren.
- Darum schauen wir also weg vom Strand und Richtung Straße, entlang der ein paar Lokale liegen, die „All day breakfast“ versprechen.

- Scherzkekse sondergleichen, denn von diesen hat die Hälfte zu und bei der anderen Hälfte hören wir wieder „No, breakfast is only served until 11h“ – na super.
- Wir geben uns also geschlagen und essen stattdessen Pizza als deftiges Frühstücksmittagessen – auch sehr lecker.
- Beim Zurückspazieren entdecken wir einen Stier, der im Gras chillt und auf dem voll gemütlich ein Vogel sitzt?!
- Außerdem versuchen wir verzweifelt in einem „Shopping Center“, das aus einem Touristenshop neben dem anderen besteht, den Bankomaten zu finden, der dort laut Google Maps ist, nur um festzustellen, dass dieser kaputt ist.

- Zum Abendessen besorgen wir uns direkt vor dem Resort bei einem Dude, der Street Food verkauft, eine leckere Suppe (mit einem nicht so leckerem Hühnerfuß drinnen) und ein sehr leckeres Pork Jerk, das eine lokale Spezialität ist und wirklich mega lecker schmeckt – Wir schmuggeln das Essen in unserer riesigen Strandtasche ins Resort..
- Der restliche Tag ist wieder im Zeichen des Slothdoms und nachdem wir gepackt haben, da es morgen ja schon wieder weitergeht nach MoBay, lassen wir den Abend mit Rum Punch und einem letzten tollen Sonnenuntergang von der Terrasse aus ausklingen.
