Route 66 -Abschnitt 1: Illinois

Route 66 – Abschnitt 1

von Chicago, Illinois bis Lebanon, Missouri

Mittwoch, 18.10.2023

Route 66 – los geht‘s!  

Auf 2448 Meilen/ 3940 km von Chicago nach Los Angeles durch die USA

Chicago, IL – Carlinville, IL (250 Meilen/ 400 km)

  • Ein letztes riesiges Frühstück mit Waffeln und Omelette im Hotel, und auf geht es zur Autovermietung.
  • Diesmal geht alles reibungslos und das Team bestehend aus drei Leuten in der sehr kleinen Filiale mit Blick auf den Loop ist gut drauf.
  • Bei unserer Buchung ist die erste Frage sofort „You’re doing route 66?“
  • Einer vom Team fragt uns, woher wir sind, und wir erzählen ihm von München und dem Oktoberfest: Er ist begeistert und fragt, was ein typisches Münchner Gericht ist.
  • Wir erzählen ihm von Weißwürschten und er googlet es gleich (obwohl ich ihn warne, dass sie nicht so appetitlich am Foto ausschauen, aber eh gut schmecken), und während er selbst „Mmmh, looks good“ sagt, reagieren seine Kolleginnen nur mit hochgezogenen Augenbrauen, als er ihnen das Bild zeigt – „I told you“, meine ich und wir beginnen aus irgendeinem Grund wie wild zu lachen, bis ein weiterer Kunde hereinkommt und wieder etwas mehr Professionalität einkehrt (schade).
  • Lied “I’m fat, fat, fat…” beschreibt unser Auto 1A – eine weiße SUV Schüssel, aber keine Chevy Schüssel (eine Toyota Schüssel).
  • Los geht es zum Startpunkt der Route 66, was wir ordentlich recherchiert haben.
  • Es ist nicht so einfach, dass es DEN Startpunkt der Route gibt; es gab mehrere über verschiedene Zeiten hinweg, genauso wie sich die Streckenführung im Laufe der Zeit immer wieder verändert hat – genauere Details siehe hier.
  • Sicherheitshalber fahren wir alle Startpunkte ab, die eh nicht weit voneinander entfernt liegen, bevor wir uns in dem erstaunlich ruhigen Chicagoer Verkehr aus der Stadt winden.
  • Inzwischen startet unser Talking Hands Meeting, in das wir uns einloggen und vom Auto aus teilnehmen, was ganz gut funktioniert, da wir hauptsächlich geradeaus fahren müssen und ich Matthäus gar nicht so viele Anweisungen geben muss.
  • Apropos navigieren – eine typische Navigiersituation schaut folgendermaßen aus (es passiert uns mehr als einmal): Matthäus fährt, ich navigiere: Matthäus, „Muss ich bald abbiegen?“ Ich (erschrocken): „Ja, jetzt!“ – schwupps, verpasst.
  • Bald schon verlassen wir die Chicago Suburbs, kommen durch Orte wie Romeo und Joliette und sehen so kleine Orte, dass eines statt einer „Town Hall“ nur eine „Village Hall“ hat.
  • Entlang der Route 66 gibt es mehrere kitschige und auch teilweise obskure Roadside Attractions, eine davon der Gemini Giant, bei dem wir ein obligatorisches Foto schießen und auch von einem random Typen, der die Route 66 mit einem fancy Cabrio Auto fährt, ein Foto schießen – also auf seine Anfrage hin mit seiner Handykamera.
  • Es mangelt auch nicht an Schildern, auf denen „Route 66“ steht, darunter einige kleine braune Schilder, die den Verlauf der Route durch Illinois anzeigen.
  • Als wir langsam hungrig werden, halten wir Ausschau nach einem Diner und werden fündig: Wir finden eines der wenig überlebenden ehemals vielen familiengeführten, kleinen Diners, das direkt an der Straße liegt und voll auf seine Route 66 Kunden setzt.
  • Ein Großteil der Route 66 führt auf alten Straßen, die direkt neben der Interstate verlaufen und jetzt als Interstate Wartungsstraßen genutzt werden („Frontage Roads“) – an einer Stelle steht auch als Warnung „Keine Auffahrt auf die Interstate“ und keine Richtung oder sonst was ist angegeben, wodurch man sich nach einer Weile entlangfahren ein bisschen einsam fühlt. „Wow“, meine ich zu Matthäus, als wir eine solche entlangdüsen zum Soundtrack von „I would walk 500 Miles“, „richtiges Roadtrip Feeling kommt auf und man fühlt sich ganz einsam, wir ham die Straße ganz für uns allein“, Matthäus darauf: „Außer dass die Interstate direkt dort ist“, zeigt auf die fette fünfspurige Interstate neben uns.
  • Wir sehen einen Amtrak Personenzug!! Was wirklich ein unglaublicher Anblick ist…
  • Außerdem kommen wir beim Hotdog Typen vorbei, einer riesigen Statue von einem Typen, der ein ebenso riesiges Hotdog in der Hand hält.
  • Im schon fast Dunkeln geht’s durch Springfield, Illinois, aus dem Lincoln stammt und überall Lincoln dies, Lincoln das ist.
  • Da wir dann schon müde werden, suchen wir nach einer Unterkunft für heute Nacht und finden recht zufällig ein altes Motel in Carlinville, das voll im Route 66 Style ist und uns schon richtig in das nostalgische Route 66 Feeling versetzt.
  • Bei der Rezeption ist niemand, als wir kommen, doch neben der Rezeption hängt ein altes Telefon (mit Wählscheibe), auf dem steht „Please lift the phone receiver for service“, was ich natürlich sofort tue, wodurch es laut läutet und die Rezeptionistin auftaucht – „Wooow, coool“, sage ich begeistert und bringe so erst einmal die Rezeptionistin (und mich selber) zum Lachen.
  • Am Abend planen wir die nächsten Etappen mit der historic66 Turn-by-Turn-Beschreibung, ich lese vor: „Continue straight on MO-17“, Matthäus: „Oh Mann, es gibt Highway 17 und MO-17 und das ist nicht das gleiche – Highway 17 führt irgendwo hin!“
  • Später am Abend und einige Bier später: ich verwechsle Westbound und Eastbound und schick uns daher die gleiche Strecke wieder zurück, „Komisch, das kommt mir so bekannt vor…“
  • Miami erscheint auf der Karte: Matthäus: „Ja, hab ich die ganze Zeit gesagt!“, ich: „Was?! In Miami, als ob!“ Matthäus trocken: „Schön, dass du mir zutraust, dass ich auf meiner Navigations App in Miami, Florida gelandet bin.“ – es gibt tatsächlich ein Miami, Missouri (ausgesprochen Mi-ah-ma).
  • Wir erreichen bei unserer Planung Oklahoma City und sind begeistert von der Kreativität der Straßennamen, „A Street, B St, E St, 120rd St, 130 Road, US-66, etc. etc.

Donnerstag, 19.10.

Der Gateway Arch und “It shows you… nothing.”

Carlinville, IL – Lebanon, MI (450 Meilen/ 720 km)

  • Wir stehen wieder einmal früh auf, um möglichst viel Tageslicht zu erwischen und gönnen uns die – jedes einzeln in Plastikfolie eingepackten – Minimuffins und den Filterkaffee, den es in unserem Motel inkludiert gibt.
  • Auf geht es auf den letzten Abschnitt der Route 66 durch Illinois, der uns nach Saint Louis und zum Gateway Arch bringt.
  • Zuerst aber machen wir einen kurzen Abstecher (der selbst schon ein Erlebnis ist) ab zur Old Chain of Rocks Bridge, über die die Route 66 ursprünglich geführt hat, die allerdings heute nur noch für Fußgänger und Fahrradfahrer geöffnet ist, da ihr 22 Grad steiler Knick einige Unfälle und Crashs verursacht hat.
  • Die 1 Meile (1,6km) lange Brücke über den Mississippi ist trotzdem einen Besuch wert und wir möchten uns natürlich den berühmt-berüchtigten Knick mit eigenen Augen anschauen.
  • Der Weg hin führt uns übrigens durch das noch berühmt-berüchtigtere und einst als sehr zwielichtiges Viertel geltende (wir sind uns nicht ganz sicher: Vorort von Saint Louis oder eigener Ort) Granite City, wo sich auch das offenbar immer noch offene Luna Cafe, eine Bar und ein Treffpunkt für zwielichtige Gestalten, befindet.
  • Auf geht es hinein in die Stadt Saint Louis, wobei wir beim Hineinfahren immer wieder einen Blick auf den mit seinen 192 Metern alles überragenden Arch erhaschen – ein würdiger Anblick.
  • Wir parken gleich in der Nähe vom Park, der den Arch umgibt, und haben noch ein bisschen Zeit, bevor unser Ticket gilt (wir haben gestern Abend einen Time Slot reserviert) – darum schauen wir uns ein bisschen in Saint Louis um.
  • Wir spazieren vorbei am Court House durch Downtown und setzen uns dann in ein Café, das keinen Kaffee hat, dafür aber sehr leckere Sandwiches.
  • Ich muss aufs Klo: Es stellt sich als Challenge heraus, dieses zu finden – nachdem ich erst einmal durchs Parkhaus geirrt bin und ca. 3x den Lift rauf und runter gefahren bin, finde ich endlich die Rezeption, wo eine Dame ist, die sich meiner freundlicherweise erbarmt und mir zeigt, wo das Klo ist.
  • Ab zum Gateway Arch, wo wir uns zunächst einmal anstellen für den „Lift“, der hier ein ausgeklügeltes System ist – da der Arch ja überall eine Neigung hat und eine Art Parabel (nicht ganz) beschreibt (für alle Mathematik-Begeisterten: siehe Formel am Bild unten), ist es schwierig, einfach einen Lift einzubauen, denn dann würde die Neigung dazu führen, dass man umkippt und sich den Kopf anhaut.
  • Daher haben sich die Ingenieure hier etwas Besonderes überlegt: Der Lift ist eine Art Kugel, die sich mit der Neigung leicht mitdreht und innen bewegbar ist, wodurch man immer waagrecht sitzt – nur Eines muss man sagen: Es hat leicht klaustrophobische Dimensionen, das Ganze.
  • Gott sei Dank haben es die Ingenieure auch geschafft, dass der Lift nur 7 Minuten hinauf braucht.
  • Oben angekommen sehen wir hinunter durch die winzig kleinen Fenster, die man faszinierenderweise trotzdem sehr gut von unten sieht – es ist toll, man kann sogar fast senkrecht hinunterschauen.
  • Da blicken wir also Richtung Westen, Richtung Kalifornien, Richtung mehr als 2000 Meilen Route 66, die noch vor uns liegen.
  • Auf dieser geht es auch bald schon weiter und es dauert nicht lange, da erreichen wir Stanton und die schon über lange Zeit hinweg – mit nicht gerade unauffälligen Schildern – angekündigten Meramec Caverns, ein einst und bis heute beliebtes Ausflugsziel für Familien und abenteuerlustige Leute.
  • Da können wir natürlich nicht widerstehen und schwupps sind wir abgebogen Richtung Caverns (natürlich war auch die Abzweigung nicht zu verfehlen).
  • Dort angekommen sind wir überrascht von der Größe der Caverns: Darin befindet sich eine ganze Ansammlung von Shops, ein Shoppingcenter fast, und eine riesige Konzerthalle, in der auch gerade für ein heute Abend stattfindendes Konzert aufgebaut wird.
  • Das absolute Highlight ist aber ungeschlagen die Höhlenführung und insbesondere unser Guide.
  • Sam schaut aus, als könnte er von Wikingern abstammen, ist stämmig, groß, hat super wuschelige Haare und einen ebenso wuscheligen und langen Bart und bringt mich und die meisten anderen in Intervallen von etwa zwei Minuten zum Lachen.
  • Der Start ist schon toll: Gleich beim Eingang befindet sich ein Foucaultsches Pendel, von dem ich gleich begeistert bin und ihn neugierig anfange dazu auszufragen: Dieses Foucaultsche Pendel ist von Schülern konstruiert worden, erzählt Sam, und anscheinend haben sich besagte Schüler um eine Dezimalstelle beim Gewicht vertan, wodurch es einzigartig ist, meint Sam weiter, es ist das einzige Foucaultsche Pendel der Welt, das nicht funktioniert. Es schwingt nur eine Stunde lang herum -„It swings around for an hour and then it stops and it shows you …. Nothing!”
  • Die Höhle besteht aus Kalkstein und Dolomit (wobei Dolomit auch wie Kalkstein aus Kohlenstoff besteht, allerdings vermischt mit Magnesium, was es fester und beständiger macht), daher konnten sich so große Höhlen überhaupt bilden und das erklärt auch, warum es beim Eingang keine Stalaktiten und Stalagmiten gibt.  
  • Sam erklärt, dass es Verfahren zum Feststellen des Alters von Stalagmiten gibt, die Thorium-Uran-Methode, die gezeigt hat, dass die Stalagmiten in dieser Höhle teilweise sehr, sehr alt sind (was auch immer das für Höhlen oder geologische Formationen bedeutet).
  • Eine Frau fragt Sam, auf weiße Salzablagerungen deutend: „Is that ice?“ Sam schaut sie ein bisschen entgeistert an und meint dann: „No; do you know what temperatures ice needs to form and also, do you see the water over there?!” („Nein, wissen Sie was für Temperaturen Eis braucht, damit es sich bildet und außerdem: Sehen Sie das Wasser dort drüben?“). Die Frau lässt sich nicht beirren und erwidert: „Ah, but with all those freakish things going on – you never know.”  (“Man weiß ja nie, mit all den seltsamen Dingen, die hier vor sich gehen.“) Darauf Sam: „All those freakish things follow the laws of physics.” (“All die seltsamen Dinge folgen den Gesetzen der Physik.”)
  • Um das zu unterstreichen erzählt er noch: „Take Tic Tacs, for example. You can label them ‚sugar free‘ because they are less than a gram, but that doesn’t change the fact that they are pure sugar.”– Tja, so etwas geht aber auch nur in den USA….
  • Zum Abschluss gibt es natürlich noch eine Licht- und Soundshow, zu der Sam meint: „In 40 seconds the light show will start and there is nothing I can do to stop it.” („In 40 Sekunden startet die Lichtershow und ich kann nichts tun, um sie zu stoppen.“)
  • Diese ist eine besonders krasse patriotische Ausgabe, wehende Amerikanische Fahnen überall – daher sage ich nachher zu Matthäus: „Na, das war ja was, diese Show..“, Matthäus: „der krönende Abschluss“.
  • Durch den Ort Cuba geht es weiter zu einem gigantischen Schaukelstuhl – noch so eine Roadside Attraction.
  • Und dann einem wunderschönen Sonnenuntergang entgegen weiter die Route 66 entlang.
  • Schließlich erreichen wir Lebanon, Missouri, mit seinem berühmten Munger Moss Motel aus den 1940er Jahren, einer Route 66 Legende, wo wir heute unsere Nacht verbringen.

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