
Route 66 – Abschnitt 4
von Amarillo, Texas – Holbrook, Arizona
Dienstag, 24.Oktober
Do not mess with Texas!
Amarillo, Texas – Bernalillo, New Mexico (1500 Meilen/ 2400 km)

- Wir starten früh, da wir ein ganz schönes Stück Fahrt vor uns haben heute.
- Der erste Stopp ist die Cadillac Ranch, die 1978 von einem reichen Typ errichtet wurde und aus einer Reihe Cadillacs besteht, die mit der Nase zuerst einbetoniert sind – witzigerweise schaue ich im Guide von 1947 nach, ob es sie damals schon gab (natürlich nicht); später finde ich heraus, dass die Cadillacs, die verbuddelt sind, aus den Jahren 1948-1956 stammen.
- Es gehört zum guten Ton, sich bei der Cadillac Ranch auf einem der Cadillacs mit einer Spraydose und einem Graffiti zu „verewigen“ („Sicher kauf‘ ich keine Dose, wenn dann eh gleich wer kommt und wieder drüber sprüht“, meint Matthäus) – es stellt sich heraus, wie das alte Ehepaar, das auch auf der Route 66 unterwegs ist, uns gut vorzeigt, dass man überhaupt keine kaufen muss, sondern eh überall Mistkübeln voller halbvoller Dosen herumstehen, bei denen man sich bedienen kann.
- Also verewigen auch wir uns und schießen einige Fotos, bevor wir stilecht im Auto unser Müsli frühstücken und uns aufmachen durch den Ort Vega bis nach Adrian, wo der Mittelpunkt der Route 66 ist und wo wir fleißig Fotos knipsen.





- Wir sehen – auch typisch, besonders für Texas – jede Menge Pick-Up-Trucks, die alles Mögliche transportieren, darunter Cattle, einen Bagger, ein Flugzeug, einen LKW, es gibt fast nichts, das wir noch nicht gesehen hätten auf einem Pick-Up-Truck, ich zu Matthäus: „Die sind quasi die Amerikanischen Bakfietsen – obwohl, ich hab noch nie eine Kuh am Bakfiets gesehen.“
- Andere Staaten haben am Straßenrand Schilder „Do not litter“, Texas hingegen schreibt groß und fett gedruckt „Do not mess with Texas“.
- Weiter geht es vorbei an einigen alten, verfallenen Getreidespeichern und einigen neueren, die noch in Gebrauch sind, vorbei an weiten riesigen Flächen voller Steppengras und kleinen Sträuchern, bis in der Ferne schon die ersten Mesas (Felsformationen) New Mexicos auftauchen.







- Glenrio – eine richtige Ghost Town, hier ist wirklich nichts mehr, außer einem Haus, in dem Cannabis verkauft wird (ist in New Mexico legal) – bildet die Grenze zu New Mexico.
- Weiter geht es über eine Dirt Road, die wie schon so oft einfach aufhört (also gesperrt ist), da die alte Brücke gesperrt ist (typisch).






- New Mexico ist anders: Hier findet man noch einige Indianerreservate und die Bevölkerung ist eine wilde Mischung aus Amerikanern, Indianern und Mexikanischen Einwanderern und die meisten Leute sprechen eher miteinander Spanisch als Englisch.
- Diese kulturelle Vielfalt findet sich auch in der Architektur – die Städte hier sind durchsäht von Häusern, die man eher in Mexico als in den USA erwarten würde, abgewechselt mit Trailerparks und sehr flachen, kleineren niedrigen Häusern, die man viel in Indianerreservaten sieht – und in der Küche, die sehr Mexikanisch angehaucht ist.







- Viele der Abschnitte der Route 66 führen uns über Dirt Roads, abwechselnd mit total malerischen und bilderbuchmäßigen Highways, die sich geradeaus bis zum Horizont erstrecken – es ist wirklich wunderschön.

- Wir erreichen die ebenso wunderschöne und ganz besondere Stadt Santa Fe, die so gar nicht Amerikanisch ist und wo wir einen Stopp einlegen.

- Das ist es total wert: Die Stadt hat Charakter und überzeugt mich auf Anhieb – spätestens als wir den kleinen Hauptplatz erreichen, um den Arkaden verlaufen, in denen sich einige Cafés befinden.





- In einem solchen Café legen wir eine Pause ein und snacken eine Kleinigkeit zum Mittagessen, wobei wir die Wahl zwischen verschiedenen Salsa Saucen haben – entweder rot oder grün und uns für „Christmas“ entscheiden (rot und grün).
- Weiter geht es zum spannendsten Teil der Strecke heute: Zum „La Bajada Hill“, der berühmt-berüchtigt war für seinen sehr steilen Anstieg – so steil, dass die Autos früher im Rückwärtsgang hinauffahren mussten, da sonst das Benzin aus dem Tank nicht mehr angesaugt werden konnte.

- Das Hinunterfahren vom Hügel war ebenso abenteuerlich – und das ganze auf einer unasphaltierten Straße – weshalb auch überall gewarnt wird, die Strecke auf keine Fall bei Regen zu befahren.
- Allerdings kann man leider nur noch von oben an den Abhang hinfahren, denn die Strecke hinunter gehört zu einem Indianerreservat und die Straße ist daher für die Öffentlichkeit gesperrt.
- Trotzdem lassen wir uns das nicht entgehen und fahren hin, drehen oben um und fahren wieder zurück – ein Umweg, der es total wert ist.
- Auch von der anderen Seite fahren wir, soweit man kann, zum Hügel hin – allerdings kommt man nicht ganz bis zu seinem Fuß, da vorher schon das Indianerreservat startet.

- Der Abstecher macht sich trotzdem wieder einmal bezahlt, denn kurz vor dem Umdreh-punkt sehen wir einen Koyoten die Straße überqueren.

- Nach all der Action sind wir bereit für eine Unterkunft und suchen uns daher ein Motelzimmer in der Stadt Bernalillo, kurz vor Albuquerque.

Mittwoch, 25.Oktober
Petroglyphen, Indianermuseum und Tipis
Bernalillo, New Mexico – Holbrook, Arizona (1800 Meilen/ 2880 km)

- Unser erster Stopp heute sind die Petroglyphen – eine Ansammlung von Steinen, auf denen sich Malereien der Ureinwohner finden, durch die man eine Wanderung/ Spaziergang machen kann – was wir natürlich auch tun.







- Wir legen in Albuquerque einen Stopp in einem Indianermuseum ein, in dem wir ein bisschen etwas über die Indianerstämme, ihre Pueblos (Wohngegenden/ Orte) und ihre Kultur lernen.
- Als wir gerade eine Straße überqueren möchten, bleibt ein Pick-Up-Truck mit ganz langem Anhänger mega weit vorne am Zebrastreifen stehen, so dass wir ihn großräumig umgehen müssen. „Oida, Dude“, schimpfe ich laut, woraufhin besagter Dude mit besorgter und entschuldigender Miene uns aus seinem offenen Fenster anschaut und kleinlaut meint „I am very sorry, Ma‘m“ – upsi.
- Nach einem kurzen Abstecher nach Downtown Albuquerque stellen wir fest, dass die Stadt allerdings sonst nicht viel zu bieten hat.






- Also geht es weiter durch eine langsam hügeliger werdende Landschaft.
- Einige der Abschnitte der Route 66, die heute am Programm stehen, führen uns wieder über Dirt Roads und einige davon auch durch Pueblos, wobei wir immer wieder auf „Road Closed“ Schilder stoßen, die das Vorankommen erschweren und uns immer wieder zum Ausweichen auf die Interstate zwingen.







- Einmal steht eine Kuhherde auf der Straße, wobei die Kühe eher unwillig, aber dennoch, auf die Seite ausweichen, als wir kommen.

- Die Straße führt nun ständig neben der Bahnlinie entlang, die heute eine der Hauptachsen für Güterverkehr durch die USA ist und dementsprechend stark frequentiert, weshalb wir einen meilenlangen Zug nach dem anderen an uns vorbeiziehen sehen.

- Wir passieren (am dritten Punkt auf dieser Reise nach Rocky Mountains und Yellowstone) den Continental Divide, der angibt, ab wo Wasser Richtung Atlantischen/ Pazifischen Ozean fließt.
- Dieses Stück Route 66 ist dank der in der Ferne aufragenden Mesas und den schön roten Felsformationen wohl auch eines der malerischten und landschaftlich schönsten
- Zum Mittagessen entdecken wir ein richtiges Route 66 Diner, wie man es sich vorstellt – nice!



- Schließlich erreichen wir Gallup, einen Ort, der bekannt ist für seine Murals, wo wir auch einen kurzen Stopp einlegen und uns die Beine ein bisschen vertreten.




- Schließlich überqueren wir die Grenze in den Staat Arizona, wo wir es schaffen, eine Übernachtungsmöglichkeit im berühmten Wigwam Motel in Holbrook zu organisieren.
- Das begeistert mich sehr, denn das Motel ist bekannt, da man hier in Tipis unterkommt und es ein fester Bestandteil der Route 66 seit den 40er Jahren ist, in dem die Straße von vielen Familien als Ausflug sozusagen befahren wurde – die Eltern konnten dann ihren Kindern erzählen, „Heute übernachten wir in einem Tipi“, was natürlich ein Highlight für die Kids war.

- Dort angekommen registriere ich uns und gebe als Adresse irgendeine Straße ohne Hausnummer an, weil es eh wurscht ist – daraufhin fragt mich die Dame von der Rezeption: „Oh, you don’t have house numbers in Austria? Or is your street that short?!“ naja, ihr könnt euch vorstellen, wie sie geschaut hat, als ich ihr versichert habe, dass wir eh Hausnummern haben und dann der Straße eine „1“ hinzugefügt habe…
- Ein Typ hinter mir in der Schlange hört es und meint begeistert „Wow, you came all the way from Austria?!“ woraufhin eine lange Konversation über Österreich, Wien und die Berge startet =)















































