
Vom Staufner Haus
nach Holzgau
Donnerstag, 30. Mai


“Trying to drown myself in the shower”
- Wir frühstücken sehr gemütlich und ausgiebig im Staufner Haus, während rund um uns alle panisch einpacken und aufbrechen (z.B. um die Seilbahn oder den Zug zu erwischen).



- Los geht’s: Durch den Nebel und über sehr alpines Gelände auf Höhenwegen, von einem Gipfelkreuz zum nächsten den Kamm entlang.




- Zu unserer Freude zieht es auf und bald schon sind wir unter der Wolkenschicht und können tolle Ausblicke ins Tal und auf die Alpen genießen.


- Zwischendurch wird es sogar sonnig!





- Und ein ganz schönes Stück des Weges gehen wir gemeinsam mit zwei sportlichen, jüngeren Studenten, die einen Wochenendausflug in die Nagelfluhkette machen – der eine schaut aus wie Stefans Doppelgänger (und verhält sich auch so, ein Wahnsinn) – voll die Gaudi auf jeden Fall mit den beiden! Es ist schön, mal wieder gemeinsam mit anderen zu wandern. 🙂
- Die beiden schwören auf Wanderstöcke und sind so überzeugt, dass sie meinen “Probiert es doch einfach aus” und sie uns für eine kurze Wanderstrecke borgen.
- Dabei bringe ich mich prompt um ein Haar damit um, ein Vorfall, nach dem wir uns alle einig sind: “Stöcke sind nicht für jede so gut geeignet!” oder auch der Umgang mit ihnen muss gelernt sein.


- Als es wieder wolkiger wird und auch Tropfen beginnen zu fallen und es leicht nach Gewitter ausschaut, beschließen wir das einzig Vernünftige: So schnell wie möglich ins Tal abzusteigen und dort weiterzugehen und somit trennt sich hier unser Weg von den Studenten, die zur Seilbahn weiterziehen.



- Es regnet uns ein und bald gehen die alpinen Wege in Asphaltwege über, worüber wir ganz dankbar sind, denn mittlerweile sind alle Fels-, Stein- und Erdwege so rutschig, dass das Vorankommen sehr erschwert ist.




- Trist und grau ist es und dementsprechend auch unsere Stimmung, ein Lichtblick ist eine Katze, die des Weges kommt und um unsere Füße streicht.

- Auf den Asphaltwegen kommen wir immerhin sehr schnell voran und erreichen so erleichtert bald schon Sonthofen, wo wir in unserem etwas in die Jahre gekommenen und seltsam anmutenden Hotel einchecken.

- Wir duschen zuerst einmal erleichtert warm, wobei ich auf einmal Matthäus (etwas untypisch) jammern höre und ihn frage, was los ist, woraufhin er antwortet: “Ich fühl mich wie der Wood in Harry Potter: ‘Trying to drown himself in the shower.’”
- Da das Restaurant heute geschlossen ist, bestellen wir Essen, das wir gemütlich im Bett genießen und zum Schluss gönnen wir uns noch die leckeren Betthupferl Gummibärlis, bevor wir erschöpft einschlafen.

Freitag, 31. Mai


Friseurtermin am Weitwanderweg
- Wir wachen auf und sind heilfroh, dass unsere Etappe heute sehr kurz ist, denn es regnet in Strömen.
- Das zeigt uns auch das Wetter-Barometer beim Hoteleingang.

- Nach ausgedehntem Hotelfrühstück mit guter alter Semmel und Marmelade werfen wir uns die Regenponchos über und ziehen hinaus in Wind und Wetter.
- Wir sehen einen Zug (stehen sogar vor verschlossener Schranke) und das ist so ziemlich das Highlight unserer sehr kurzen Wanderung ins Sonthofener Zentrum.

- Dort flüchten wir sofort in ein Café und ins Trockene.


- Wir haben es geschafft, vor der Hochzeit morgen beide (!) einen Friseurtermin zu ergattern, was ein erstaunlich schwieriges Unterfangen war, besonders wenn man bedenkt, dass es im kleinen Örtchen Sonthofen an die 20 Frisöre gibt.
- Davon waren mindestens 6 voll ausgebucht. (:O)
- Mit frisch geschnittenen Haaren treffen wir dann den Fritz zum Mittagessen.
- Er erzählt uns auch, dass er vom ursprünglichen Plan, mit dem Motorrad herzufahren, dank Wetter abgesehen hat, und stattdessen mit dem Auto gekommen ist.
- Voll lieb, dass er den Weg auf sich genommen hat – er hat auch für uns das Hochzeitsgewand mit und wir freuen uns außerdem sehr, mit ihm ein bisschen Zeit verbringen zu können, uns gegenseitig upzudaten und einfach mal wieder zu quatschen – sehr schön!
- Nach dem Essen gönnen wir uns noch gemeinsam einen Kaffee, bevor wir weiterziehen und Fritz sich auf den Heimweg macht.
- Wir schauen noch im Ortszentrum in Outdoor-Geschäfte, die es hier wie Sand am Meer gibt, und stellen dabei fest: Gamaschen sind nur im Winterangebot und Surfleiberl sind hier nicht so ihre Spezialität (ich versuche ein helles als Sonnenschutz zu erstehen).
- Dafür bekommen wir einen zusätzlichen Buff, den wir für die anstehenden Berge und die uns erwartende Kälte (inklusive Schnee) sicher gut gebrauchen können.



- Weiter geht es zum Allgäu Stern Hotel, einem riesigen Hotel, das ganz offensichtlich eher auf mit dem Auto anreisende Gäste ausgelegt ist (es gibt mehrere riesige Parkgaragen und eine riesige Zufahrt zum Eingang) und sicher nicht auf zu Fuß anreisende Wanderer.

- Außerdem ist es voll belegt, etwas, das wir spätestens feststellen, als wir uns ins Schwimmbad wagen, wo alle Liegen stilecht mit Handtüchern belegt sind, tausende Leute im Pool herumplantschen und der Lärmpegel ziemlich hoch ist.
- Wir merken, dass wir so viele Leute auf einmal schon sehr lange nicht mehr gesehen haben, und wir das gar nicht mehr gewohnt sind, wodurch uns alles sehr schnell zu viel wird.
- Deshalb schwimmen wir nur ein paar Runden im Pool und ich mache einen Saunagang (in der ebenso überfüllten Sauna), bevor wir wieder in die Ruhe unseres Zimmers flüchten, die Beine hochlegen und die Stille den restlichen Abend lang genießen. 🙂

Sonntag, 2. Juni


Zum Fuße der Alpen…

- Leicht gehangovert erscheinen wir zum Frühstück und übergeben gleich das Hochzeits-Gewand an Beccis Eltern, die es mit nach Hof nehmen und es da wiederum an Matthäus’ Eltern weitergeben – Logistik vom Feinsten und ein großes Dankeschön an alle beteiligten Eltern!
- Die Hochzeitsfeier war übrigens mega, denn obwohl Becci und Nico nicht ganz so Glück gehabt haben mit dem Wetter (es hat in Strömen geregnet), haben das die Gäste durch exzessives Feiern gut wettgemacht. 🙂
- Kein Wunder also, dass ich noch einen Powernap brauche, bevor es semi-fit losgeht auf Etappe 88 – zum Fuß der Alpen nach Spielmannsau.

- Durch Sonthofen – schirch wie eh und je – gelangen wir zur Iller, an der wir entlang eines Schotterweges nach Oberstdorf wandern.
- Dank Sonntag ist sau viel los – Radfahrer, Fußgänger, alles tummelt sich auf den zwar breiten, aber somit eng wirkenden Wegen.






- In Oberstdorf kehren wir beim Zoran ein, der einen Gasthof beim Sportplatz direkt am Wanderweg betreibt, wo wir sehr leckere Cevapcici essen und Eisläufern beim Training zuschauen können (in der Halle, auf die man vom Restaurant aus hinuntersieht).
- Weiter geht es über immer voller werdende, in die Berge führende Wege nach hinten ins Tal bis zu einem kleinen See.










- Von dort aus ist es auch nicht mehr weit bis zur Spielmannsau, wo wir heute Nacht im Mountainhostel unterkommen.



- Wir rechnen mit Schlafsaal-Übernachtung und vielen Menschen, sind aber erfreut überrascht, als uns Lukas, der Wirt, mitteilt, dass wir die einzigen Gäste sind und eh ur Glück haben, denn morgen kommt eine Schulklasse mit 61(!) Kids.
- Es ist ur gemütlich und wir genießen die Ruhe.
- Lukas erzählt auch, dass oben auf der Kemptner Hütte super viel Neuschnee liegt und er uns nicht empfehlen würde, hinüber zu gehen.
- Das haben wir uns fast gedacht, nachdem wir literally die letzten beiden Tage und Nächte dabei zuschauen konnten, wie die Alpen vor uns eingeschneit wurden.
- Er erzählt von zwei Hamburgern, die es trotzdem gestern probiert haben, sich dann aber aufgrund der Schneelage und mangels Brücken über reißende Bäche gezwungen sahen, umzukehren – na servas.
- Chillen und bald schon ab ins Bett ist die Devise für heute.
Montag, 3. Juni

… und nicht darüber hinaus
- Manchmal sind Anführungszeichen angebracht (so wie heute rund ums Wort “Etappe”).
- Frühstück haben wir gemütlich für uns und obwohl 3x steht “Keine Jause einpacken”, meint Lukas: “Esst’s ruhig alles auf” – also packen wir die übrigen zwei Semmeln als Jause ein.




- Gestärkt machen wir uns auf zur Busstation vom Bus, der uns nach Oberstdorf zurückbringt, denn, wie uns Lukas heute noch einmal versichert hat: “Es ist wirklich keine gute Idee, zur Kemptner Hütte aufzusteigen.”- oben gibt es offenbar ca. einen halben Meter Neuschnee und obendrein ist der Sperrbachtobel, durch den man aufsteigt, berühmt-berüchtigt für Lawinen (denen es wurscht ist, ob Juni ist oder sonstwas, solange Schnee liegt).
- Somit fallen wir, obwohl Holzgau auf der Karte schon sooo nahe ausschaut, auf Bus und Bahn zurück und fahren mit der Kirche ums Kreuz – rund um die Voralpenkette.
- Zuerst einmal versuche ich mein Glück in einem der unzähligen Sportgeschäfte in Oberstdorf und frage: “Ham Sie so ein langärmliges Surfleiberl?”
- Nachdem wir sprachliche Verständigungsprobleme, die selbst hier noch bestehen (wie “Was ist ein Leiberl, bitte”) aus dem Weg geräumt haben, schaut mich die Verkäuferin an wie ein Auto und sagt dann: “Surfen ist nicht so in unserem Sortiment.”
- Ok, ok, ist mir egal, wie sie es auch nennen wollen – ein langärmliges, helles T-Shirt aus funktionstüchtigem, atmungsaktivem, UV-schützendem Material halt!
- Sie ham tatsächlich genau, was ich suche, und begeistert erstehe ich mein Sonnenschutz-Leiberl, das auch gleichzeitig als Kälteschutz herhalten kann (angesichts der Schneelage).

- Zur Feier setzen wir uns in ein Café, bevor wir mit Zug, Bus und mehr Bus aus dem Tal (über Sonthofen und Kempten) wieder hinausfahren, und nach 4 Stunden Odyssee Holzgau erreichen.


- “So nah und doch so fern” sozusagen (ca. 6km Luftlinie von Spielmannsau liegt der Ort nämlich).
- Wir checken in unser super fancy Spa-Hotel ein und erkundigen uns bei der Rezeptionistin nach der aktuellen Lage der Wanderwege.


- Sie meint begeistert: “Ah, ihr seid die ersten E5 Wanderer heuer!” – na super…
- Chillen im Zimmer, Snacks vernichten und dann gute Nacht!
Dienstag, 4. Juni

Exit Game und Spa
- In der Früh holen wir uns noch einmal ein Update der Wanderweglage und bekommen die Info: Im Tal ist ein Weg gesperrt, den man gut umgehen kann, allerdings meint der Hüttenwirt der Memminger Hütte (immerhin ist er noch erreichbar, ha), er habe einen halben Meter Neuschnee und würde uns nicht empfehlen aufzusteigen.
- “Hat er also doch ein Telefon, der Schlingel”, sagt Matthäus zu Recht, da wir verzweifelt und erfolglos eine Telefonnummer von ihm gesucht haben.
- Im Laufe der Geschichte wird uns allerdings mehr bewusst (das werdet ihr auch bald noch verstehen), was für einen Hype es um den “E5 über die Alpen” gibt, welche Ausmaße das Wandern darüber angenommen hat und warum es eine kluge Idee des Hüttenwirts ist, seine Telefonnummer nur ausgewählten Leuten mitzuteilen.
- Kurzerhand buchen wir also noch eine Nacht in unserem sehr schönen Hotel in Holzgau mit Spa, Sauna, Dampfbad und fallen vom Extrem “Wir hatschen auf den Berg” ins andere Extrem “Wir machen nix und chillen in der Sauna”.

- Ein toller Tag: Lesen, schreiben, einfach nur chillen, dann ein kurzer Besuch beim MPreis gegenüber, hauptsächlich um Latella zu kaufen, dann eine Runde Exit Game “Burg” auf Profi-Level, das wir langsam aber dafür erfolgreich meistern und das uns mega Spaß macht.
- Schließlich wird der Tag abgerundet von einem ausgiebigen Spa-Besuch mit mehreren Saunagängen und Pausen dazwischen.
- Zum krönenden Abschluss gönnen wir uns ein Abendessen mit viel Spargel – mmh, Spargelsaison, bevor wir müde ins Bett fallen – vom ganzen anstrengenden Tag. 🙂
