E5 Etappen 111-113

Von Campogrosso 

nach Verona

Mittwoch, 26. Juni

Gewitter am Berg

  • Wir unterhalten uns beim Frühstück mit einem Typen, der in der Hütte arbeitet und total begeistert ist von unserer Wander-Unternehmung: Er selbst ist schon den E5 von St. Gallen bis hierher gegangen, erzählt er.
  • Zum Abschluss und als Erinnerung schenkt er uns einen Holzanhänger mit Bären drauf. 🙂
  • Beim Frühstück erzählt uns ein deutscher Wanderer: “Ihr solltet italienisches Nutella essen, da ist kein Palmöl drin!” – Ich schau auf die Packung: Palmöl ist als zweite Zutat gelistet.
  • Zuerst einmal steht heute ein krasser Aufstieg zum Bocchetta dei Fondi an, der auf steinigen Wegen teils versichert, teils über Geröllfelder führt – eindeutig der schwierigste und krasseste Weg, den wir bisher auf unserer Wanderung erlebt haben.
  • Unglücklicherweise zieht das Gewitter wie von Google vorhergesagt sehr früh auf und kommt über uns, als wir gerade oben auf der Scharte sind – wir sind so schnell wie noch nie und es ist eine ein bisschen unheimliche Situation.
  • Flott steigen wir ab zum Rifugio Scalorbi, in dem wir Zuflucht suchen und erst einmal etwas zu trinken und essen bestellen.
  • Als es wieder aufklart, brechen wir auf und bleiben zuerst einmal auf der Wiese vor dem Rifugio hängen, wo sich Murmeltiere nur so tummeln – eins ist mega nah!
  • Weiter geht es auf kleinen Bergpfaden hinunter und prompt regnet es uns ein.
  • Der Weg ist trotzdem voll schön und wird immer grüner und verwunschener – mit Wasserfällen, Bäumen und entlang eines Baches.
  • Kurz vor Giazza erwischt uns das zweite Gewitter heute, vor dem wir glücklicherweise in einer Höhle Zuflucht finden, die zufällig gerade des Weges kommt – sehr praktisch.
  • In Giazza – also oberhalb davon – empfängt uns schon Lisa, die mega lieb ist, gemeinsam mit ihrem Sohn Pietro.
  • Sie haben uns sogar eine Weinflasche zur Begrüßung hingestellt – voll nice! 
  • Kochen, essen (kurze Enttäuschung, da das Internet nicht funktioniert und wir daher nicht klettern schauen können), mit dem leckeren Wein anstoßen, schlafen.
  • Mega nett!

Donnerstag, 27. Juni

Herrliches Wetter, Fuchs und Ponte di Veja

  • Heute zeigt sich wieder einmal die Sonne und bei strahlend blauem Himmel machen wir uns auf den Weg.
  • Zunächst einmal, hinauf auf einen Anstieg, sind es sehr schöne Wege, die durch Wälder und über grüne Hügel führen, über saftig grüne Wiesen und teilweise fast durchs Gestrüpp.
  • Es ist heiß und die Anstiege machen uns ein bisschen fertig.
  • Trotzdem kehren wir aus irgendeinem Grund nicht ein bei einer Albergo am Wegesrand in Maregga, da wir denken “Ah, geht schon noch!”
  • Das bereuen wir, als wir wenig später bei der Albergo Croce vorbeikommen, die “vorübergehend geschlossen” ist, da es keinen aktuellen Besitzer gibt, soweit wir das italienische Schild verstehen – oh nein!
  • Bisschen eine “Mayday”-Situation, aber auf der anderen Seite findet sich schnell eine Lösung: Wir machen Pause am Wegesrand mit Snacks.
  • Das ist gut, denn weiter führt der Weg durch ein Bachbett (?!?) und viel Gestrüpp, bevor er – wie unser Guide treffend schreibt – “erstaunlich steil” bergauf in das Städtchen Erbezzo führt.
  • Hier chillen wir uns erst einmal in ein Café am Hauptplatz und ruhen aus, wobei wir uns eine erfrischende Limonade gönnen – njam.
  • Dabei treffen wir auf die andere E5-Gruppe und quatschen kurz mit Katharina, der Bergführerin, die leicht beunruhigt ist, dass wir jetzt, um 17h, noch weiterwandern wollen bis Fane – wir (oder zumindest ich) sind da weniger beunruhigt, die Tage sind lang zur Zeit.
  • Es stellt sich heraus: Die Gruppe geht gar nicht bis Verona, sondern ihr morgiges Etappenziel ist die Ponte di Veja, die vor Fane liegt und von wo aus sie ein Taxi nach Verona nehmen – ach so.
  • Wir wandern also weiter über Wege mit wunderschöner Aussicht und mit tollem Aufstieg entlang eines Wasserfalls zu besagter Ponte di Veja, einem riesigen Steinbogen, die wirklich beeindruckend ausschaut.
  • Von hier aus ist es noch circa eine Stunde nach Fane über kleine Sträßchen mit tollen Ausblicken, die besonders gut zur Geltung kommen im Licht der untergehenden Sonne.
  • Auf den Weg dahin kommen wir durch einen kleineren Ort, in dem sich ein Supermarkt befindet, eine Gelegenheit, die wir sofort ausnutzen und einen Einkauf machen – fürs Abendessen und natürlich Snacks für die nächsten Etappen.
  • Wir sehen einen Fuchs, der vor uns über den Weg huscht, und ganz viele Schafe (nur keinen Hasen).
  • Vorbei an einem Marmorstollen erreichen wir das kleine Örtchen, wo wir in einem Apartment unterkommen.
  • Dieses ist nicht leicht zu finden, das Örtchen ist so klein, dass es mit den Adressen nicht so weit her ist, aber zum Glück sieht uns ein hilfreicher Nachbar etwas verloren in der Gegend umherirren und zeigt uns den Weg – dankeschön!
  • Aubergine-Zwiebel-Nudeln stehen heute zum Abendessen auf der Speisekarte, die wir gemeinsam kochen, bevor wir dann müde ins Bett fallen und auf der Stelle einschlafen.

Freitag, 28. Juni

Das Regenwald-Tal vor Verona

  • Frühstück im Apartment (wo sie etwas für uns hergerichtet haben <3), bevor wir aufbrechen in den Wald und über kleine Wege und Pfade über hügeliges Gelände mit teilweise tollen Ausblicken Richtung Montecchio.
  • Hier soll es angeblich Einkehrmöglichkeiten geben (meine Priorität Nummer eins), aber das Café, das wir sehen, schaut eher “vorübergehend geschlossen” aus.
  • Wir steigen also ab in das Regenwald-Tal, Valo Borago, das “für Geübte” ausgeschildert ist.
  • Zu Recht: Steile Abstiege, ausgesetzte Stellen, schmale und durch den Regen rutschige Pfade erwarten uns – wunderschön, aber definitiv nicht einfach.
  • Der Name “Regenwald-Tal” beschreibt es sehr gut, hier ist es grün in grün und alles wuchert nur so vor sich hin – das Einzige: Die Hitze staut sich hier unten und der Bach, der sich nur durch ein ausgetrocknetes Bachbett erahnen lässt, trägt auch nicht zur Abkühlung bei.
  • Teilweise haben die Wege Klettersteig-ähnliche Seilsicherungen, lange Leitern und hie und da ist eine Kletterpassage, für die Hände und Füße zum Einsatz kommen, dabei.
  • Schier endlos schlängelt sich der Weg durchs Tal und der Grad an Anstrengung, den man braucht, um ihn zu bewältigen, wird nicht kleiner.
  • Wir sind also ganz froh, als wir aus dem Tal hinaus auf einen breiten Fahrweg purzeln, entlang dessen sich friedlich ausschauende Obstgärten reihen.
  • Die Freude währt nicht lange, denn im Gegensatz zum Tal gibt es hier keinen Schutz vor der herunter prallenden Sonne.
  • Wir erreichen Avesa, wo – hier streiten sich die Quellen – der E5 offiziell endet und von wo aus es “super öffentliche Nahverkehrsmittel” nach Verona gibt.
  • Wir hingegen gehen den Radweg entlang weiter Richtung Stadt, auf dem wir uns eine Pause auf einem Bankerl im Schatten gönnen.
  • Entlang des Ufers der Etsch (die auch ganz schön viel Wasser hat) gelangen wir zur Stadtmauer und so in die Innenstadt, wo unser Hotel “Verona enjoy” liegt.
  • Wir sind auch schon in ganz freudiger Erwartung, denn hier treffen wir auf unsere Eltern, die zum krönenden Abschluss unseres E5 Abenteuers alle vier nach Verona gereist sind, um mit uns dort die Open-Air-Oper zu besuchen – mega!
  • Ich finde zunächst einmal die Klingel vom Hotel nicht und rufe Papa an: “Wie seid ihr reingekommen?!” – “Einfach anläuten.” – Ah ja, geht eh.
  • Einchecken, chillen, Matthäus Eltern sind auch schon da, freudiges Wiedersehen.
  • Wir gehen gemeinsam zur Osteria Marconi, wo wir uns zunächst einen Kaffee und dann nahtlos anreihend Abendessen gönnen, zu dem meine Eltern, die schon Sightseeing-Marathon gemacht haben, zu uns stoßen.
  • Voll schön essen, plaudern, lachen, sehr gemütlich, mega schön.
  • So kann es losgehen, unser gemeinsames Verona-Wochenende!

Samstag, 29. Juni

Der Abgang der Harfen

  • Ausschlafen und ab zum Frühstückslokal, wo wir uns – in Bieberischer Manier – ein großes Frühstück gönnen.
  • Dann geht es auf in die Stadt, also eigentlich zur Stadtmauer.
  • Diese gehen wir ein Stück entlang und schauen in eine schöne Klosterkirche hinein, die San Bernardino Kirche.
  • Weiter geht es zur San Zeno Kirche, eine der vier bekannten großen Kirchen in Verona, für die es ein Kombi-Ticket gibt – alle erstehen eines (beziehungsweise Mama und Papa haben natürlich schon eines), nur ich nicht – ich beschließe in diese Kirche hineinzuschauen und mich dann eher zum Ausruhen Richtung Hotel zu bewegen.
  • Es zahlt sich aus – die Kirche ist wunderschön und vor allem der Kreuzgang ist toll! 
  • Über eine Brücke gelangen wir ans andere Ufer der Etsch, wo wir über das Areal des Arsenale spazieren, das allerdings irgendwo zwischen Baustelle, halb zerfallen und Renovierungsprojekt schwebt – also eher für unsere Architekten spannend ist.
  • Hier teilen wir uns auf: Fritz, Christine und Matthäus spazieren zu den drei anderen Kirchen, während wir Biebers über die Ponte di Castelvecchio spazieren, eine sehr schöne, alte Brücke, wo man auf so Türme hinaufklettern kann – was dem Papa nicht ganz behagt, während Mama und ich – schaut’s nicht, so gilt’s nicht – schon auf einen hinaufgekraxelt sind.
  • Wir gönnen uns gemeinsam ein Eis, bevor Mama und Papa weiter in die Stadt hineinschauen und ich ins Hotel.
  • Später am Nachmittag holt mich Matthäus aus dem Hotelzimmer (wo ich hauptsächlich gelesen, geschrieben und geschlafen habe) heraus mit der verlockenden Aussicht, dass seine Eltern Sekt zum Anstoßen mitgebracht hätten.
  • Diesen gönnen wir uns auf der Hotelterrasse, bevor wir losziehen zum Abendessen, für das Fritz in einem guten Lokal in der Nähe der Arena reserviert hat.
  • Dann geht es auch schon auf zur Arena (ein gut erhaltenes römisches Amphitheater, wo die Open-Air-Oper stattfindet) zu Turandot.
  • Die Vorstellung beginnt mit Einbruch der Dunkelheit (also so um 21 Uhr) und verläuft nicht ganz reibungslos: Immer wieder tröpfelt es (und Donner grollt in der Ferne), woraufhin alle Streicher aufspringen und die Arena fluchtartig verlassen (da die Bühne nicht überdacht ist) und eine Lautsprecherdurchsage uns verkündet, wir müssten nur ein bisschen Geduld haben und Verständnis dafür, dass die wertvollen Streichinstrumente nicht nass werden dürfen, gleich ginge es weiter.
  • Das “gleich geht es weiter” wird vom Lieblings-Darsteller des Abends verkündet, der mit einem riesigen Gong die Bühne betritt und diesen (zu großem Applaus) schallend erklingen lässt.
  • Daraufhin ziehen die Streicher wieder mit ihren Instrumenten ein und nehmen die Aufführung genau an der Stelle wieder auf, an der sie zuvor abgebrochen haben.
  • So kriegen wir zwar die Handlung nicht ganz so gut mit (aber in welcher Oper spielt die Handlung schon eine Rolle) und kommen nicht ganz so gut in die dem Stück entsprechende tragische Stimmung, vor allem da parallel gerade ein Fußballspiel läuft, in dem Deutschland spielt, und das die meisten Opernbesucher, die großteils Deutsche sind, brennend interessiert, woraufhin in jeder Unterbrechung sofort die Smartphones gezückt werden, um den Lifestream weiterzuschauen.
  • An diesem Abend ist wirklich etwas für jeden dabei, so schafft es auch Papa bis fast zum Ende der Vorstellung wach zu bleiben.
  • Als es einmal so stark zu regnen beginnt, dass die Harfen hinausgeschoben werden, denken wir “Oje, das war’s”, aber hartgesotten setzen die Künstler nach dem Schauer die Vorstellung fort und bringen sie schließlich so um 2 Uhr in der Früh zu Ende.
  • Wer hätte das gedacht, dass der Abend in den letzten vier Monaten, an dem wir am längsten wach bleiben, ausgerechnet der Opernabend mit unseren Eltern ist?! 
  • Auf jeden Fall ist es ein Opernbesuch, der uns in Erinnerung bleiben wird und ein wunderschöner, wenn auch langer Tag in Verona. 🙂

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